Während Stämme sich in Clans, Sippen, Großfamilien und was auch immer für Gebilde gliedern, besteht die Stadt aus Klassen, Institutionen, Produktionsbeziehungen und Kommunikationsmitteln, Kultur und Ethik.

Und während die Stadt Menschen hervorbringt, die sich verändernden und widerstreitenden Werten in einer Handels- und Industriewirtschaft unterliegt, verharrt die Stammesgesellschaft in unveränderlichen beduinischen Sozialstruktur, die sich im Rahmen einer Subsistenzwirtschaft selbst reproduziert: Land- und Weidewirtschaft und allenfalls primitive Handelsaktivitäten. Darauf basieren alle Begriffe und Gebräuche und überlieferte Traditionen, die ihrerseits das Leben bestimmen: Heirat, Scheidung, Rache, Beutezüge, Ehre und Schande, Gefangennahme, Beuteaufteilung und Stammesverbannung.

Im modernen Staat löst sich die traditionelle Stammesgesellschaft auf, aber auch in der Stadt bleiben tribale Strukturen selbst dann bestehen, wenn eine jahrhundertealte Gesellschaft durch den Zufall einer geologischen Entdeckung durch den Westen zu einer städtischen wird.

Nach der staatlichen Unabhängigkeit, insbesondere seit den sechziger Jahren, entstanden um die großen arabischen Städte ganze Gürtel von Land- und Steppenflüchtlingen, die das Rückgrat einer Klasse billiger Arbeitskräfte bildeten und die in die neu entstehenden Armeen eintraten.

Ägypten ehemaliger Staatspräsident Gamal Abdel Nasser; Foto: dpa
"Mit Ausnahme des Nasser-Militärputsches in Ägypten zur Begründung eines nationalen, panarabischen Projekts auf der Basis der arabischen Nahda (Renaissance), das mit der Niederlage im Junikrieg 1967 endete, mündeten alle anderen arabischen Putsche in eine Reproduktion autokratischer, familiärer, tribaler und konfessioneller Macht in unterschiedlichen Gewändern und im Zeichen unterschiedlicher Parolen und Ideologien", schreibt Faraj Alasha.

Die durch Putsche an die Macht gekommenen Staatsmänner fanden in diesem ärmlichen ländlich-beduinischen Milieu ein nie versiegendes Reservoir an falschem Bewusstsein. Und so wurde die Kultur von Hirte und Herde zur Basis einer putschistischen "revolutionären" Machtstrategie, die auf Parolen wie "Freiheit, Sozialismus und arabische Einheit" getragen wurde, welche nichts anderes waren, als Propagandabanner ohne jeglichen Bezug zur Wirklichkeit.

Mit Ausnahme des Nasser-Militärputsches in Ägypten zur Begründung eines nationalen, panarabischen Projekts auf der Basis der arabischen Nahda (Renaissance), das mit der Niederlage im Junikrieg 1967 endete, mündeten alle anderen arabischen Putsche in eine Reproduktion autokratischer, familiärer, tribaler und konfessioneller Macht in unterschiedlichen Gewändern und im Zeichen unterschiedlicher Parolen und Ideologien.

"Ein Tyrann, krankhaft besessen von Selbstrühmung"

Nehmen wir den Saddam-Putsch im Irak als Beispiel. Er fand in einer Gesellschaft statt, die seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts immer aufgeklärter geworden war, folgte aber perfiden geheimdienstlichen Mechanismen, die sich zentral an der Macht von Familie, Stamm und Konfessionsgruppe orientierten.

Saddam Hussein kam aus einer säkularen sozialistischen Partei. Nachdem er seinen Amtsvorgänger Präsident Al-Bakr vergiftet hatte, bediente er sich beim Management und der Absicherung seiner Macht der Tradition des Stammeszusammenhalts mittels seiner alleinherrschenden Partei, einer elitären republikanischen Garde, der Geheimdienste und des Öls

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