Die YPG ist zwar personell tatsächlich aus der kurdischen Terrororganisation PKK hervorgegangen, hat aber in den von ihr kontrollierten syrischen Gebieten leidlich demokratische Strukturen etabliert, zumindest im regionalen Vergleich. Ihr Modell regionaler Selbstverwaltung mit hoher Beteiligung von Frauen an der Politik steht so ziemlich allem entgegen, was die türkische Regierung anstrebt.

Dass Afrin in deren Visier geraten könnte, ist deutlich, seit die Kurden im Zuge des partiellen Machtverfalls des syrischen Diktators Assad dort ihre Selbstverwaltung etabliert haben.

Als der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis im August des vergangenen Jahres in die Türkei kam, um mit dem Nato-Partner den Kampf gegen den IS zu koordinieren, nutzte Erdogan die Gelegenheit, um klarzustellen, sein Land werde niemals zulassen, dass in Syrien ein kurdischer "Terrorkorridor" entstehe. Sollte sich eine solche Gefahr abzeichnen, "dann werden wir intervenieren", sagte Erdogan und präzisierte: "Unsere Entschlossenheit hinsichtlich Afrin bleibt. Unsere Pläne laufen weiter wie gehabt."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan; Foto: picture-alliance/abaca
Kompromisslose Härte: Er habe die Rückendeckung Russlands für den Militäreinsatz, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag in Ankara. Die türkische Armee werde die Provinz Afrin ebenso unter ihre Kontrolle bringen wie zuvor schon Dscharablus, al-Rai und al-Bab. Erst dann könnten die Syrer dorthin zurückkehren.

Russland zeigt sich solidarisch gegenüber der Türkei

Dass es nach der präsidialen Einmarschankündigung noch fünf Monate dauerte, bis die Türkei ihre Pläne ausführte, hat mehrere Gründe. Zum einen wandten sich die Amerikaner im vergangenen Jahr strikt gegen einen Angriff auf Afrin, da man die kurdischen Kämpfer im Kampf um die syrische IS-Hochburg Raqqa, der damals noch nicht entschieden war, unbedingt brauche.

Zudem benötigte die Türkei für eine Operation gegen Afrin, insbesondere für Luftangriffe, die Rückendeckung oder wenigstens billigende Inkaufnahme Russlands. Moskau hat nämlich nicht nur ein S-400-Raktenabwehrsystem in Syrien stationiert, sondern seit dem vergangenen Jahr auch eine der Öffentlichkeit unbekannte Zahl von Militärbeobachtern in Afrin.

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