Russland möchte Syrien dagegen lieber aus der Ferne steuern. Eine Marinebasis und ein eigener Luftwaffenstützpunkt, dazu enge politische und wirtschaftliche Verbindungen, die russische Interessen in Nahost sichern – das reicht Putin. Dafür braucht er einen autoritär geführten Staat mit effektivem Sicherheitsapparat und zentral steuerbaren Institutionen – ob mit oder ohne Assad ist für Moskau nebensächlich.

Dieser massive ausländische Einfluss sorgt für Unmut, vor allem bei langjährigen Regimevertretern und Assad-Vertrauten, die sich iranischen und russischen Anweisungen unterordnen müssen. Für alle noch spürbarer ist allerdings der Einfluss der beiden syrischen Gewinner des Konflikts.

Lokale Warlords und Kriegsgewinnler

Die lokalen Kriegsherren, die mit ihren Milizen für Assad kämpfen, wollen finanziell und personell am Sieg beteiligt werden. Viele von ihnen waren vor dem Krieg gewöhnliche Kriminelle und sind in den vergangenen Jahren reich und mächtig geworden – mit dem Schmuggel von Waffen, Öl und Nahrungsmitteln, mit Schutzgelderpressung und Entführungen, Geldwäsche, Plünderungen und dem willkürlichen Abkassieren von Syrern an Checkpoints. Vielerorts rührt sich Widerstand und Protest gegen das Gebaren dieser Gangster, auch in Assads Kernland. Bekommt das Regime sie nicht in den Griff, wird keine Ruhe einkehren – Assad wird sie deshalb mit Geld und Posten kaufen.

Russische Kriegsmarine im syrischen Tartous; Foto: dpa/picture-alliance
Kriegsprofiteur und enger Verbündeter Assads: Russland möchte Syrien lieber aus der Ferne steuern. Eine Marinebasis und ein eigener Luftwaffenstützpunkt, dazu enge politische und wirtschaftliche Verbindungen, die russische Interessen in Nahost sichern – das reicht Putin. Dafür braucht er einen autoritär geführten Staat mit effektivem Sicherheitsapparat und zentral steuerbaren Institutionen – ob mit oder ohne Assad ist für Moskau nebensächlich.

Daneben wollen syrische Geschäftsleute, die dem Regime nahestehen und am Krieg verdient haben, jetzt ihre Dividende kassieren. Sie wollen den Wiederaufbau dominieren und einen Großteil der ausländischen Finanzhilfe einstreichen sobald diese fließt. Schon jetzt profitieren sie von den etwa 120 Millionen Euro, die die Vereinten Nationen jedes Jahr für Güter und Dienstleistungen in Syrien ausgeben. Diese Günstlinge des Regimes wachen eifersüchtig darüber, dass keine "abtrünnigen" Industriellen zurückkehren, auf die Assad jedoch angewiesen ist, weil er für den horrend teuren Wiederaufbau (200-350 Milliarden US-Dollar) jeden syrischen Unternehmer braucht.

Assad ist also abhängig von Leuten, die Syrien lediglich zur persönlichen Bereicherung und Machterweiterung benutzen. Was vordergründig wie Stabilität aussieht – weil keine Bomben mehr fallen, Schutt von den Straßen geräumt wird und Händler ihre Läden öffnen – ist in Wirklichkeit Grabesruhe. Die Menschen sind zwar sicher vor Luftangriffen, aber nicht vor dem Einfluss der Milizen und Geheimdienste, nicht vor der Verhaftungs- und Vernichtungsmaschinerie des Regimes und nicht vor Enteignung.

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Leserkommentare zum Artikel: Neues altes Syrien

Trump will also nur den IS stürzen. Das ist ja wohl lächerlich. Zum einen passt das nicht dazu dass Trump syrische Truppen bombardieren ließ. Weiterhin ist Trump nicht der einzige in der USA der diesbezüglichen Entscheidungen trifft. Es bestehen vielfältige Verdachte dafür, dass die USA den IS unterstützt oder zumindest seine Verbreitung wissentlich geduldet wurde von den USA. Die finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe Und die ganzen Waffen die von Saudi Arabien und der Türkei ins Land geliefert wurden bilden die Basis dafür dass dieser Bürger–Krieg so lange währt.
Interesse der USA war von Anfang an das Assad Regime zu stürzen, wurde auch mehrfach so verkündet.
Dies alles auszublenden ist schon ein journalistisches Kunststück.
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Peter König19.10.2017 | 19:16 Uhr

Democratie im westlichen Sinne ist in Syrien noch lange Zeit nicht moeglich. Ein erleuchteter Despot, wie Assad ist, ist momentan nicht die schlechteste Loesung fuers Land. Aber die Syrer ,die in Deutschland sind, wollten schon eh das Land Syrien verlassen,um besser in Europa zu leben, so betrifft sie das ganze nicht so sehr.

Murde von Stuttgart30.01.2018 | 15:32 Uhr