Das vom Verein veröffentlichte Buch "Islam Is Our Message" (Islam ist unsere Botschaft) widmet sich der islamischen Erziehung und steht auf dem Lehrplan sämtlicher Klassen. In den schiitischen Schulen und sogar in nicht-religiösen Schulen innerhalb schiitisch dominierter Gebiete ist dieses Buch sehr weit verbreitet. In Schulen anderer muslimischer Glaubensrichtungen gibt es keine vergleichbaren Bücher.

Naim Kassim, stellvertretender Generalsekretär der Hisbollah, ist Gründungsmitglied der Islamic Religious Education Association. Seine heutigen Beziehungen zum Verein sind nicht öffentlich bekannt. Als Sponsor vieler Veranstaltungen spielt Kassim aber offensichtlich immer noch eine wichtige Rolle.

Im Dienste von Khamenei und Khomeini

Hassan verbrachte seine gesamte Schullaufbahn an der Al-Mustafa-Schule in Haret Hreik. Die außerschulischen Aktivitäten seien nicht ungewöhnlich gewesen, sagt er. Das Bildungsniveau sei relativ hoch. Eine Stunde pro Woche sei dem Thema Religion gewidmet worden, eine weitere dem Studium des Koran.

Den Kindern von Märtyrern der Hisbollah habe die Schule unentgeltlich offengestanden. Auf dem Schulgelände habe es viele Flaggen der Hisbollah sowie Porträts des Obersten iranischen Religionsführers Ali Khamenei und seines Vorgängers Ruhollah Khomeini gegeben.

Maytham, ein weiterer "Al-Mustafa"-Absolvent, berichtet, der Schulvorstand habe die Schüler 2006 zur Teilnahme an Protesten aufgefordert, die die Allianz des 8. März gegen die Regierung des damaligen libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora veranstaltete. Die Schule mietete auch Busse für den Transport der Schüler zum Veranstaltungsort der Demonstrationen.

Hisbollah-Anhängerin protestiert gegen die Regierung unter Ministerpräsident Fuad Siniora; Foto: AFP/Getty Images
Instrumentalisierung und Mobilisierung gegen den politischen Feind: Ein Absolvent privaten Al-Mustafa-Schule, die der Hisbollah nahe steht, berichtet, der Schulvorstand habe die Schüler 2006 zur Teilnahme an Protesten aufgefordert, die die Allianz des 8. März gegen die Regierung des damaligen libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora veranstaltete.

In den frühen 1990er Jahren wurden mehr islamische Bildungseinrichtungen gegründet, die sich am Modell der religiösen Schulen orientierten. Hierzu zählt u. a. die Islamic Organization for Education (Islamische Organisation für Bildung), die eng mit der Hisbollah verbunden ist. Den Anfang machte 1993 die Gründung von vier Schulen in verschiedenen Regionen, gefolgt von 17 weiteren Schulen in Beirut, Bekaa und Süd-Libanon. Auch in der iranischen Stadt Ghom errichtete diese Organisation eine Schule.

Weitere Bildungsinitiativen

Zu den in dieser Zeit entstandenen Bildungseinrichtungen gehörten die Schulen der Association of Islamic Charitable Projects, auch bekannt als Al-Habasch, einem sunnitisch geprägten libanesischen Wohlfahrtsverband. Der Verein gründete 1991 seine erste Schule in Beirut, die Islamic Culture High School. Es folgten weitere Gründungen im Gouvernement Akkar, in der Stadt Tripolis, in der Stadt Barja und im Gouvernement Bekaa.

Salafisten sind im Libanon bildungspolitisch und politisch nur sehr begrenzt aktiv, da sie wegen der extremistischen Ansichten ihrer Anhänger unter scharfer Beobachtung stehen. Sie gründeten lediglich einige Institute für islamische Studien, von denen viele letztlich geschlossen wurden. Im Vergleich zu anderen Gruppen innerhalb des politischen Spektrums sind ihre Möglichkeiten sehr beschränkt.

Artikel 10 der libanesischen Verfassung besagt, dass "Bildung frei ist", solange die guten Sitten beachtet, die öffentliche Ordnung nicht gestört oder keine Religion oder Glaubensrichtung herabgesetzt wird. Der Artikel gibt auch verschiedenen Glaubensrichtungen das Recht, Schulen zu gründen.

Die Islamisten haben über ihre Schulen letztlich weite Teile der libanesischen Gesellschaft erreicht. In vielen Landesteilen des Libanon gab es bis vor Kurzem noch keine öffentlichen Regelschulen. Die vorhandenen Schulen sind zudem nicht auf dem gleichen Niveau wie die privaten Schulen. Laut einem Bericht von Statistics in Focus sind 66 Prozent der libanesischen Schülerinnen und Schüler in Privatschulen eingeschrieben.

Hassan Lama'a

© Raseef 22

Aus dem Englischen von Peter Lammers

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