Abdel-Rahman, einer der Alumni der Schule, sieht bei außerschulischen Aktivitäten Parallelen zu anderen Privatschulen, aber auf mehreren Ebenen auch deutliche Unterschiede. Wie an allen islamischen Schulen gilt der Grundsatz der Geschlechtertrennung.

Die Schüler sind zur Ausübung religiöser Rituale verpflichtet, sei es während des regulären Schulalltags oder unterwegs. "Das Besondere an unserer Schule waren die Jugend- und Pfadfindergruppen, die mit Al-Jamaa al-Islamiya verbunden sind oder der Organisation nahestehen", so Abdel-Rahman. "Deren Aktivitäten unterscheiden sich deutlich von anderen außerschulischen Aktivitäten. So wurden beispielsweise Camps und Ausflüge zu entlegenen Orten veranstaltet."

Abdel-Rahman bestreitet allerdings, dass die "Iman"-Schulen zur Heranführung potenzieller Rebellen dienen. Seines Wissens unterstützten auch viele Alumni Al-Jamaa al-Islamiya, ohne Mitglied der Organisation zu werden. Seine Zeit in der bekannten islamischen Schule sieht er insgesamt positiv, gesteht aber ein, dass der anschließende Besuch einer Hochschule eine Art Kulturschock war. Dort herrschte ein völlig anderer Lebensstil. Stereotype oder Hardliner habe es dort nicht gegeben, sagte er.

Muhammad Hussein Fadlallah; Foto: AP
Wie der politische Islam schiitischer Prägung Schule machte: Muhammad Hussein Fadlallah, maßgeblicher geistlicher Führer der Hisbollah in den frühen 1980er Jahren und damals die prominenteste Figur des politischen Islam, gründete 1978 die Imam-Al-Khoei-Mabarrat – eine nach Großayatollah Abu l-Qasim al-Khoei benannte Schule, die junge schiitische Waisenkinder beherbergt und unterrichtet.

Die Rolle von Muhammad Hussein Fadlallah

Muhammad Hussein Fadlallah, maßgeblicher geistlicher Führer der Hisbollah in den frühen 1980er Jahren und damals die prominenteste Figur des politischen Islam, gründete 1978 die Imam-Al-Khoei-Mabarrat – eine nach Großayatollah Abu l-Qasim al-Khoei benannte Schule, die junge schiitische Waisenkinder beherbergt und unterrichtet.

Später wurde die Mabarrat Charity Association gegründet, die wiederum 15 "Mabarrats" in Beirut sowie in den Gouvernements Libanonberg, Bekaa und Süd-Libanon errichtete.

Ali Sherri, einer der ersten "Mabarrat"-Absolventen und heute Leiter des Alumni-Verbands, sagt, die religiöse Erziehung habe ihm als bedürftiges Waisenkind seinerzeit geholfen, die Härten zu überwinden.

Seine Erziehung in einem "Mabarrat" habe ihn nicht daran gehindert, sich in die französische Gesellschaft zu integrieren, als er für seine akademische Ausbildung nach Frankreich ging.

In diesem Zusammenhang verweist er auf "Fadlallahs Forderung nach völliger Offenheit".

Laut Ali Sherri finanziert sich die Mabarrat Charity Association über sogenannte "Khums", also Abgaben, die schiitische Muslime als Beitrag zu islamischen Initiativen und Projekten zahlen.Malak erinnert sich an zwei Vorfälle während seiner Ausbildung in einem "Mabarrat".

Die Schulen der Hisbollah

Einmal wurden die Schüler ad hoc aufgefordert, auf den Schulhof zu gehen, wo bereits Medienvertreter warteten. Dort wurden sie gebeten, Plakate hochzuhalten, auf denen zur Unterstützung der Opposition in Bahrain aufgefordert wird.

Hisbollah-Schule in Beirut; Foto: AP
Grundschulen und weiterführende Schulen unter Hisbollah-Ägide: In den frühen 1990er Jahren wurden mehr islamische Bildungseinrichtungen gegründet, die sich am Modell der religiösen Schulen orientierten. Hierzu zählt u. a. die Islamic Organization for Education, die eng mit der Hisbollah verbunden ist. Den Anfang machte 1993 die Gründung von vier Schulen in verschiedenen Regionen, gefolgt von 17 weiteren Schulen in Beirut, Bekaa und Süd-Libanon.

Außerdem sollten sie zusammen mit den Lehrkräften politische Parolen singen. Bahrain war eines der arabischen Länder, in denen die politische Krise zu Beginn des Arabischen Frühlings eine sektiererische Dimension angenommen hatte. Die dortigen Unruhen wirkten in den Libanon hinein.

Der zweite Vorfall ereignete sich sechs Jahre vor Beginn des Syrienkriegs. Die Schule lud damals ein Mitglied der Hisbollah ein, das über die besondere Bedeutung der Ausbildung an der Waffe und über die "Vorbereitung auf eine Zeit, in der jeder kämpfen muss", dozierte. Schirmherr dieser und ähnlicher Vorträge zu anderen Gelegenheiten sei der Schulvorstand gewesen, so Malak.

Ende der 1970er Jahre gründete eine Gruppe frommer Muslime eine islamische Religionslehrervereinigung (Islamic Religious Education Association) mit dem Ziel, den Religionsunterricht in öffentlichen und privaten Schulen zu fördern und Lehrer in der religiösen Unterweisung auszubilden.

Später gründete der Verein die Al-Mustafa-Privatschulen. 1984 entstand die erste dieser Schulen im Stadtteil Haret Hreik im Süden Beiruts.

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