Schriftsteller im Iran

Auf verlorenem Posten

Die jahrzehntelange Unterdrückung unabhängiger Schriftsteller und die Etablierung einer staatlichen Einheitskultur hinterlassen ihre Spuren: In einem weit verbreiteten Klima der Angst wächst der Druck zur Selbstzensur, vor allem unter Irans jüngeren Literaten. Und auch der Kontrollapparat der allmächtigen Zensoren arbeitet immer professioneller und restriktiver. Von Faraj Sarkohi

Seit mehr als hundert Jahren blieb der iranischen Bevölkerung das Recht auf Meinungsfreiheit, unabhängige Medien, Parteien und Gewerkschaften verwehrt. Literatur und Kunst entwickelten sich so zu einem Medium, um ihre Kritik und ihre Hoffnungen zum Ausdruck zu bringen. Schriftsteller, Künstler sowie andere einflussreiche Kulturschaffende nahmen daher eine wichtige Stellung innerhalb der Gesellschaft ein.

Doch Zensur und Selbstzensur sowie der einsetzende Generationenwechsel der letzten zwei Jahrzehnte ließen diesen bedeutenden Einfluss nahezu vollständig schwinden.

Literaturzensur per Computer

Vor wenigen Wochen bewertete das Ministerium für Kultur und islamische Führung (Ershad) das Drama "Mutter Courage und ihre Kinder" von Bertold Brecht vom Standpunkt der Moral aus als obszön. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt entfernte eine neue staatliche Kontrollsoftware das Wort "Anti-Filter-Programm" aus der Fatwa des religiösen Führers Ali Khamenei, das auf seiner offiziellen Website zu finden war. Wie passt das zusammen?

Im Iran ist es nicht neu, dass bedeutende Werke, die den Normen der Islamischen Republik zuwider laufen, verboten werden. Auch der virtuelle Kampf zwischen der Filterung von Websites durch Vertreter der Islamischen Republik und dem Einsatz von "Anti-Filter-Programmen" durch verschiedene iranische Internetnutzer wird tagtäglich im persischsprachigen Internet ausgetragen.

Die islamische Zensur verfügt seit einigen Jahren über eine Kontrollsoftware, die unzulässige und verbotene Wörter ohne Rücksicht auf den Sinnzusammenhang löscht oder durch ein erlaubtes Wort ersetzt. "Anti-Filter-Software" gehört zu den unzulässigen Wörtern. Die Fatwa von Khamenei erklärte die Nutzung von "Anti-Filter-Software" für die Bevölkerung als unzulässig, zulässig sei deren Nutzung allein für bestimmte Amtsinhaber. Die Kontrollsoftware eliminierte dieses Wort und ersetze es durch drei Punkte.

Eröffnungezeremonie der Cyber-Polizei, Foto: FARS
Kontrolle jederzeit und überall: Im Iran zwingt eine neu geschaffene Cyber-Polizei seit Februar 2011 die Besitzer von Internetcafés, Überwachungskameras zu installieren und die Identität der Internet-User festzuhalten. Mit solchen Methoden werde versucht, "ein Klima der Angst zu schaffen, um jegliche Proteste im Keim zu ersticken", berichtete Amnesty International.

​​Die Betreiber der offiziellen Website des religiösen Führers merkten schon nach wenigen Stunden, dass sie durch das Löschen des Wortes in das Rechtsgutachten der höchsten politischen Instanz der Islamischen Republik eingegriffen hatten und machten den Schritt schnell wieder rückgängig. Doch diese kurze Zeit reichte aus, dass zahlreiche Witze darüber in der Öffentlichkeit kursierten, in denen Absurditäten der Zensur aufs Korn genommen wurden.

Die Allmacht der Zensoren

Die Kontrollsoftware ist auch auf den Computern der "Abteilung für Buchrezensionen" im Ministerium für Kultur und islamische Führung installiert, um die Arbeit der Zensurbeamten zu vereinfachen und zu beschleunigen. Jedes Buch – egal ob Roman, Gedichtband, klassische literarische und religiöse Schriften oder Lehrbücher für Schulen und Universitäten –, muss dieser Abteilung vorgelegt werden, damit die Zensurbeamten, die offiziell "Rezensenten" genannt werden, es vor der Veröffentlichung begutachten.

Kein Buch, nicht einmal der Koran, kann ohne die Erlaubnis dieser Behörde publiziert werden. Handelt es sich um iranische und nicht-iranische Schriftsteller, die im Iran unter ein generelles Publikationsverbot fallen, oder verbotene Bücher, ist die Arbeit der "Rezensenten" leicht. Auf den langen Listen finden sich ganz unterschiedliche Namen von Sadegh Hedayat, dem wohl bedeutendsten Autor der modernen persischen Literatur, bis hin zu ranghohen kritischen Geistlichen.

Sadegh Hedayat; Foto: sadeghhedayat.info
Auf der schwarzen Liste der Ershad-Tugendwächter: Sadegh Hedayat, der mitunter auch als "Kafka Irans" verehrt wird, gilt als Begründer der modernen iranischen Literatur.

​​Nichtsdestotrotz klagen die Zensurbeamten über Probleme, die Literaturfülle zeitlich zu bewältigen: So kann es manchmal zwei Jahre dauern, bis ein Buch begutachtet wird. Um den Prozess zu beschleunigen, übernimmt eine Computer-Software den ersten Durchlauf der Prüfung, die "Rezensenten" den zweiten. Nach diesen beiden Durchläufen erhält der Autor eine Aufstellung mit dem Titel "Korrekturen". Darin erfährt er, welche Paragraphen, Zeilen und Wörter er heraus nehmen muss, welche Wörter zu ersetzen sind und welche inhaltlichen Änderungen vorgenommen werden müssen. Erst wenn diese Modifikationen durchgeführt wurden, wird die Publikationserlaubnis erteilt.

Islamisch-korrekter Wortlaut

Die Zensur im Iran ist politischer, religiöser und ethisch-moralischer Natur. Verbotene Wörter stammen nicht nur aus dem politischen Bereich, sondern betreffen auch alles "Unmoralische" – wie etwa Liebesbeziehungen, Schlafzimmer, Küsse oder Wein. Inhaltliche Änderungen werden auf der philosophisch-theoretischen, politischen, ethisch-moralischen und religiösen Ebene durchgeführt.

Zum Beispiel müssen in theoretischen Texten kontroverse philosophische und gesellschaftliche Thesen und Schlussfolgerungen entsprechend der staatlichen Ideologie "korrigiert" werden.

In Erzählungen und Romanen werden nicht nur Passagen ganz gestrichen. Auch werden den Protagonisten bestimmte Charaktere, Ansichten und Verhaltensweisen zugewiesen. Manchmal wird ein Paragraph hinzugefügt, der zwei Romanfiguren in den Stand der Ehe eintreten lässt, damit ihre Beziehung den islamischen Vorschriften entspricht. Homosexuelle kommen nicht in den Geschichten vor oder aber sie wenden sich dem anderen Geschlecht zu. Ein Austausch von Küssen oder Intimitäten zwischen Männern und Frauen findet nicht statt.

Auch redet niemand umgangssprachlich oder benutzt ein unanständiges Wort, alle reden klischeehaft und in hochsprachlichen Höflichkeitsfloskeln. Gängig ist auch, dass die positiven Charaktere spätestens am Ende der Geschichte tiefgläubig werden.

Die iranischen Schriftsteller und Dichter sind Meister der indirekten Sprache und ihre Leser darauf spezialisiert, zwischen den Zeilen zu lesen. Aber auch der Zensurapparat beherrscht diese Kunst und enthüllt problemlos den Rückgriff auf Metaphern, Allegorien und andere indirekte Formulierungen und tilgt diese durch Löschen oder Änderungen. Selbst die klassischen persischen Werke wie das Mathnawi von Rumi und das Khamze von Nizami sind nicht vor der Zensur sicher.

Kaffee statt Wein

Die Korrekturen der Kontrollsoftware, die die erste Stufe der Zensur darstellt, führen manchmal ins Groteske. So ersetzt das Programm "Wein" und andere alkoholische Getränke in den Texten durch "Kaffee" oder "Getränk".

Bücher von iranischen Schriftstellern; Foto: DW
"Die offizielle Zensur und Selbstzensur, die durch ein Klima der Angst, durch Inhaftierung, Ermordung und Vertreibung von Schriftstellern erzwungen wurde, existiert seit über drei Jahrzehnten. Doch in den letzten Jahren ist die Zensur so strikt geworden, dass die meisten iranischen Schriftsteller ganz darauf verzichten, ihre Werke im Iran zu veröffentlichen", schreibt Sarkohi.

​​Der Übersetzer von "Der Zauberberg" von Thomas Mann übersetzte den deutschen Ausdruck "schamrot im Gesicht" mit dem persischen Äquivalent "der Schweiß (araq) des Schams legte sich auf die Stirn". Das persische Wort "araq" hat zwei Bedeutungen: Schweiß und Wodka. Die Software änderte den Satz kurzerhand in "der Kaffee des Schams legte sich auf die Stirn".

Die offizielle Zensur und Selbstzensur, die durch ein Klima der Angst, durch Inhaftierung, Ermordung und Vertreibung von Schriftstellern erzwungen wurde, existiert seit über drei Jahrzehnten. Doch in den letzten Jahren ist die Zensur so strikt geworden, dass die meisten iranischen Schriftsteller ganz darauf verzichten, ihre Werke im Iran zu veröffentlichen. Stattdessen publizieren sie ihre Werke auf Persisch oder in übersetzter Form vorzugsweise in Europa oder Amerika.

Ein Schriftsteller, Dichter oder Intellektueller, der nicht publiziert, verschwindet nach und nach aus der Gesellschaft, der Kultur und dem kollektiven Gedächtnis und verliert seinen Einfluss. Das Fortschreiten dieses Prozesses müssen die iranischen Schriftsteller, Dichter und Intellektuellen gegenwärtig bitter erfahren.

Schriftsteller im Abseits

Zu Beginn der ersten Amtszeit des Präsidenten Mohammed Khatami (1997-2001), dem Anführer der religiösen Reformer, erhielten die diesem Flügel zugehörigen Intellektuellen, die sich mit politischer Theorie befassten, zunächst noch mehr Freiräume als zuvor. In der zweiten Amtszeit Khatamis (2001-2005) und unter der Präsidentschaft Ahmadinedschads (seit 2005), wurde den meisten von ihnen das gleiche Schicksal zuteil wie den regierungsunabhängigen Schriftstellern und Dichtern.

Mahmud Ahmadinedschad gewann die Präsidentschaftswahlen zweimal mit Hilfe der Stimmen der einkommensschwachen Bevölkerungsschichten in den Städten und Dörfern, die die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Bezeichnend für seine Politik ist, dass er die Macht des schiitischen Klerus und des religiösen Führers einzuschränken versucht und dabei gleichzeitig auch unabhängige Schriftsteller und Dichter vehement zensieren lässt.

Die Kultur der Bevölkerungsmehrheit stellt eine Mischung aus religiöser und trivialer Kultur dar. Der Einfluss iranischer Schriftsteller und Dichter ist allgemein auf die Bildungsschichten beschränkt.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad; Foto: ZDF
Kulturpolitischer Monismus und Rückfall in die Ära Khomeinis: In der Regierungszeit Mahmud Ahmadinedschads erreichten die Zensurmaßnahmen gegen unabhängige Schriftsteller und Journalisten einen neuen Höhepunkt.

​​Die grüne Bewegung von 2009, die sich als Reaktion auf den Betrug bei den Präsidentschaftswahlen formierte, war ein Protest der jungen Generation der Mittel- und Oberschicht in den großen Städten. Diese Bewegung, die sich an der Kultur der großen westlichen Massenmedien orientierte, scheiterte rasch und konnte daher auch den unabhängigen künstlerischen und schriftstellerischen Werken keinen Freiraum erobern. Unabhängige Schriftsteller und Dichter spielten innerhalb dieser Bewegung keine Rolle.

Angesichts des Mangels an persischer Dichtung und Literatur, wuchs der Markt für Übersetzungen, doch kein Buch, gleich ob es sich um eine altgriechische Tragödie oder um einen zeitgenössischen internationalen Roman handelt, erscheint heute unzensiert.

Die Übersetzungen renommierter persischer Übersetzer, die sich den Änderungswünschen der Zensurbehörde widersetzten, wurden nur in seltensten Fällen veröffentlicht. Andere Übersetzer nahmen ihren Platz ein, für die das Entgelt und die eigene Popularität im Vordergrund stehen.

Zwang zur Selbstzensur der jungen Generation

Die junge Generation, die in der Islamischen Republik aufgewachsen ist und sich an die rigorosen Zensurmaßnahmen gewöhnt hat, ist eher bereit, den Eingriff in ihre Werke und Übersetzungen zu akzeptieren. Ihre Selbstzensur erspart den Zensurbeamten viel Arbeit. Die meisten Schriftsteller und Dichter dieser Generation, die in der beklemmenden Atmosphäre der Islamischen Republik groß geworden sind, schreiben ihre Werke im erlaubten Rahmen der Zensur.

Erzählungen, Romane und Gedichte waren in den letzten mehr als hundert Jahren literarischer und künstlerischer Ausdruck der vielfältigen Facetten des Lebens. Doch in der Prosa und Poesie der neuen Generation werden viele dieser Facetten wie Liebe, sexuelle Beziehungen und politische sowie gesellschaftliche Probleme, die unter die Zensur fallen, schlicht ausgeklammert. Die meisten Gedichtbände der jungen Generation der vergangenen zwei Jahrzehnte sind reduziert auf das Spiel mit Sprache und Formen.

Zensur, Selbstzensur, Qualitätsverlust und die Lebensferne von Prosa und Poesie sind Gründe, dass die Auflage der Werke der neuen Generation auf rund 500 Exemplare gesunken ist und die durchschnittliche Auflage bei einer Bevölkerung von 80 Millionen Menschen bei gerade einmal 1.500 Exemplaren liegt.

Verbannung der Literatur aus den Medien

Bis in die 1970er Jahre gab es mehrere einflussreiche und auflagenstarke Kulturverlage, die Raum für Rezensionen und Buchvorstellungen sowie literarische und theoretische Diskurse boten. Mit ihrer Schließung wurde den iranischen Schriftstellern auch diese Plattform genommen.

Die zeitgenössische iranische Literatur ist in den letzten drei Jahrzehnten im Radio und Fernsehen, den staatlich kontrollierten Medien mit der größten Reichweite, nicht präsent. Und die Werke unabhängiger Schriftsteller und Dichter werden dort grundsätzlich nicht besprochen. Auch die Zeitungen sind den einzelnen Flügeln der Regierung zuzurechnen. Nur in äußersten Ausnahmefällen kann man aus der Presse etwas über unabhängige zeitgenössische Literatur erfahren.

Logo des staatlichen iranischen Rundfunks; Foto: Iranische Quelle ohne internationales Copyright
Abgehängt und nicht präsent: "Die zeitgenössische iranische Literatur ist in den letzten drei Jahrzehnten im Radio und Fernsehen, den staatlich kontrollierten Medien mit der größten Reichweite, nicht vorhanden", schreibt Sarkohi.

​​Lesungen, literarische Zirkel und Rezensionsrunden sind unabhängigen Literaten nicht gestattet. Selbst auf der internationalen Buchmesse in Teheran, der größten im Land, finden keine Begegnungen mit Schriftstellern statt.

Gesellschaftliche Isolation

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren iranische Schriftsteller, Dichter und Intellektuelle für die kulturelle Hegemonie in der Gesellschaft verantwortlich. Der iranische Schriftstellerverband, der 1968 gegründet wurde, spielte bei der Einforderung von Meinungsfreiheit und der Islamischen Revolution von 1979 sowie im Kampf gegen die nachfolgende Despotie eine wichtige Rolle.

Bei einer Dichterlesung im Goethe-Institut in Teheran im Jahre 1978, die der Verband organisiert hatte, fanden sich tausende Zuhörer ein. Und jener Abend zählte wohl auch zu den ersten einer Kette von Ereignissen, die schließlich zur Revolution führten. Die Islamische Republik unternahm bereits im ersten Jahr nach ihrer Gründung einen Anschlag auf das Büro des Schriftstellerverbandes und verbot kurzerhand den Schriftstellerverband, dem die bekanntesten und einflussreichsten Schriftsteller, Dichter und Intellektuellen angehörten. Der Einfluss seiner Mitglieder blieb jedoch bei den Bildungsschichten zumindest bis in die Mitte der 1990er Jahre erhalten.

Während der achtjährigen Präsidentschaft Khatamis (1997-2005) blieb der Schriftstellerverband verboten. Der Geheimdienst ermordete mehrere ihrer Vorsitzenden, einige wurden entführt, andere mussten das Land verlassen. Bis heute wurde jede Zusammenkunft der Mitglieder verhindert, so dass der Verband in den letzten Jahrzehnten zur Untätigkeit gezwungen war. Bekannte Schriftsteller, die ihm angehörten, wurden isoliert.

Der iranischen Regierung ist es nach drei Jahrzehnten der Einschüchterung und der Unterdrückung gelungen, eine der einflussreichsten und ältesten unabhängigen Vereinigungen zur Verteidigung der Meinungsfreiheit zu paralysieren.

Stagnation der Kulturszene

Die Islamische Republik war in den letzten drei Jahrzehnten mit inneren Krisen konfrontiert, die aus den Widersprüchen zwischen den verschiedenen Flügeln der Regierung und ihren unterschiedlichen Islaminterpretationen resultierten. Doch trotz aller unterschiedlichen Flügelkämpfe und Auslegungen des Islam sind sich die Regierenden bei der Ablehnung unabhängiger Schriftsteller, Dichter und Intellektueller einig.

Die Islamische Republik war von Anfang an bestrebt, durch den Ausschluss und die Zensur der freien Kulturszene sowie durch weitreichende menschliche und finanzielle Investitionen zur Schaffung einer islamischen Kultur, der Bevölkerung eine staatliche Einheitskultur aufzuzwingen.

Auf literarischen, künstlerischen und kulturellem Gebiet hat die Islamische Republik wenig vorzuweisen – eine Ausnahme bilden allein Filme, die mit staatlicher Unterstützung produziert wurden und in der Vergangenheit Auszeichnungen bei europäischen und amerikanischem Filmfestivals erhielten.

Triumphieren konnte die Islamische Republik hingegen bei der Verbannung unabhängiger Literatur und Kultur aus der Gesellschaft und dem Ausschluss von unabhängigen Schriftstellern, Dichtern und Intellektuellen. Das Ergebnis ist die Stagnation im Bereich von Kunst und Kultur.

Zwar haben verschiedene Weblogs und Websites die Zensur der Islamischen Republik durchbrechen können. Allerdings wissen die Machthaber sehr wohl, dass die offizielle Zensur im Zeitalter des Internets wirkungslos ist. Daher sind sie auch eher bestrebt, durch die Schaffung eines Klimas der Angst den Druck zur Selbstzensur zu erhöhen.

Und vielleicht erklärt dieser Umstand auch, weshalb es bislang keinem iranischen Literaten, der im Internet publiziert hat, gelungen ist, ein wirklich gesellschaftsprägendes Werk zu schaffen, das in der Bevölkerung in größerem Umfang rezipiert worden wäre.

Faraj Sarkohi

© Qantara.de 2012

Aus dem Persischen von Sabine Kalinock

Faraj Sarkohi begründete 1985 das Kulturmagazin "Adineh" (Freitag), deren Chefredakteur er für elf Jahre war. Als einer der Wortführer der Schriftsteller-Initiative ("Text der 134") gegen Zensur wurde er 1996 verhaftet. Ein Jahr darauf wurde er in einem geheimen Verfahren zum Tode verurteilt. Durch internationale Proteste konnte das Urteil jedoch revidiert werden. Zwei Jahre darauf reiste er nach Frankfurt a. Main aus, wo er heute lebt. Sarkohi erhielt 1998 den Kurt-Tucholsky-Preis für politisch verfolgte Schriftsteller und ist Ehrenmitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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