Ministerpräsident Haider al-Abadi hat eine eigene Allianz gebildet, die er die "Siegesallianz" (Victory) nennt. Der "Sieg" bezieht sich auf die Aufreibung des "Islamischen Staats", die unter seiner Verantwortung zustande kam. Die Allianz umfasst eine große Zahl von kleineren sunnitischen und schiitischen Gruppen, die alle vom Prestige des siegreichen Ministerpräsidenten profitieren wollen.

Maliki gegen Abadi

Der Abadi-Allianz steht ein Bündnis des früheren Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki gegenüber. Seine Allianz nennt sich, wie schon bei früheren Wahlen, "Staat der Gesetzlichkeit" (State of Law).

Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi; Foto: Reuters
Ungewisse Aussichten für eine stabile Regierung: Ministerpräsident Haider al-Abadi erfreut sich zwar wegen des erfolgreichen Kampfs gegen die Extremistenmilz Islamischer Staat (IS) derzeit großer Popularität. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass er ohne eine Koalition eine Mehrheit im Parlament zustande bringt. Zu Abadis Konkurrenten gehören sein Amtsvorgänger Nuri al-Maliki sowie der ehemalige Verkehrsminister Hadi al-Amiri. Das Amt des Regierungschefs ist einem Vertreter der schiitischen Bevölkerungsmehrheit vorbehalten.

Eigentlich gehören die beiden, Abadi und Maliki, der gleichen Partei an, der schiitischen "Da'wa" (Ruf). Sie hatte einst aus dem Untergrund heraus Saddam Hussein Widerstand geleistet. Heute jedoch sind Abadi und Maliki Rivalen. Maliki sympathisiert mit Iran und kritisiert den Ministerpräsidenten wegen seiner Kollaboration mit den Amerikanern. Die Mitglieder der "Da'wa"-Partei können sich frei für den einen oder den anderen entscheiden.

Muqtada Sadr als "linke" Opposition

Ein weiterer einflussreicher Schiite, Muqtada Sadr, hat sich geweigert, bei einer der großen Schiitenallianzen mitzuwirken. Muqtada Sadr ist Anführer und Idol der großen Massen der schiitischen Slum-Bewohner von Sadr City, dem nordöstlichen Stadtteil von Bagdad. Er ist Spross einer bekannten Gelehrtenfamilie, die von Saddam Hussein beinahe völlig ausgerottet worden war.

Während der Zeit der amerikanischen Besatzung kämpfte er gegen die USA. Im Parlament verfügt seine Gruppe über 34 Abgeordnete. Statt mit der Abadi- oder der Maliki-Allianz zu fusionieren, hat er ein Bündnis mit den irakischen Kommunisten und andern kleineren Linksgruppen geschlossen. Dieses Bündnis nennt er "Allianz der Revolutionäre".

Diese Allianz hatte sich schon 2016 gebildet. Damals demonstrierten Muqtada Sadr und seine "Linkskräfte" gegen die Korruption der irakischen Politiker. Die Manifestanten drangen zum Teil bis ins Innere der "Grünen Zone" vor. Dabei handelt es sich um ein parkähnliches Gelände mit einem Palast, den Saddam Hussein für sich bauen ließ. Von hier aus regierten die Amerikaner als Besatzungsmacht von 2003 bis 2010. Später wurde die "Grüne Zone" aus Sicherheitsgründen zum hermetisch abgeschlossenen Standort des irakischen Parlamentes und der ausländischen Botschaften.

Auf der Liste der korruptesten Staaten der Welt befindet sich der Irak auf Platz 10. Sadr will aber nicht nur die Korruption bekämpfen, sondern auch die Art und Weise, wie Führungspositionen im Staat und der staatlichen Wirtschaft verteilt werden. Solche Positionen werden noch immer nach religionsgemeinschaftlichen Kriterien vergeben.

Also: Die irakischen Schiiten, die einst gemeinsam auftraten, sind nun in fünf Allianzen gespalten, die gegeneinander konkurrieren.

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