Pakistan nach dem Wahlsieg Donald Trumps

Unsicherheit ist die neue Norm

Der Überraschungssieg von Donald Trump mit seiner protektionistischen Agenda hat Reaktionen auf den internationalen Märkten weltweit ausgelöst. Pakistan war da keine Ausnahme. Neue Handelsschranken hätten schmerzhafte Folgen für das Land, meint die Wirtschaftsjournalistin Afshan Subohi.

Die Börse in Karachi stürzte nach dem Wahlsieg Donald Trumps reflexartig ab, erholte sich jedoch wieder rasch. Die unmittelbare Auswirkung auf die pakistanischen Rohstoff- und Devisenmärkte war unklar, aber in vertraulichen Gesprächen reagierten führende Wirtschaftsvertreter äußerst nervös auf Trumps Wahlsieg. Der Welthandel sei unvorhersehbar geworden und Pakistans Premierminister Nawaz Sharif möglicherweise nicht imstande, den Ernst der Lage richtig zu erfassen, hieß es. Keiner der Unternehmer, mit denen ich gesprochen habe, wollte namentlich erwähnt werden. Aber hinter vorgehaltener Hand sagten sie, sie wüssten nicht, worüber sie sich mehr Sorgen machen sollten: einen möglichen Handelskrieg oder die neue Dynamik der Geopolitik.

Auf jeden Fall wird sich Trumps Präsidentschaft auf Pakistan auswirken. Die Wirtschaft des Landes ist ebenso klein wie sein Anteil am Welthandel, die Abhängigkeit von den USA umso größer – etwa als wichtiger militärischer Verbündeter und als Handelspartner.

"Lästige Verbündete werden bestraft"

Im Wahlkampf hat Trump wiederholt angekündigt, Handelspartner mit Sanktionen und höheren Zöllen zu belegen. "Lästige Verbündete" werde er "bestrafen". Eins der Risiken, das Unternehmer sehen, ist eine harsche Reaktion im Falle eines Terrorangriffs in den USA. Trumps antimuslimische Wahlkampfrhetorik war da sicher keine Beruhigung, ebenso wenig seine Parolen zu Handel und Einwanderung.

Ein Großteil der pakistanischen Exporte wandert in die USA. Die bilaterale Handelsbilanz fällt zugunsten Pakistans aus: Die Exporte in die USA haben ein Volumen von vier Milliarden Dollar, die Importe aus den USA sind 1,1 Milliarden Dollar wert. Fast ein Fünftel der pakistanischen Exporte geht in die USA, während nur drei Prozent der Importe von dort kommen. Neue Handelsschranken hätten schmerzhafte Folgen.

In den USA leben viele pakistanische Einwanderer. Das Geld, das sie in ihre Heimat schicken, steigert die pakistanischen Devisenreserven. Im Steuerjahr 2015/2016 machten Überweisungen aus den USA 2,4 Milliarden Dollar aus, das waren 15 Prozent aller Überweisungen nach Pakistan. Einschränkungen bei der Einwanderung würden diesen Geldfluss reduzieren, der die Importe mitfinanziert.

Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif; Foto: Getty Images/A. Jocard
"Herr Sharif - Sie sind ein toller Kerl!" - Eine erste, leicht skurrile Unterhaltung zwischen dem zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump und dem pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif hat nicht nur in Pakistan Erstaunen ausgelöst und ist auf vielen Titelblättern gelandet. Im von Pakistan erbetenen Telefongespräch lobte Trump nach seinem Wahlsieg Sharif als tollen Kerl. "Sie tun erstaunliche Arbeit. Ihr Land ist großartig. Alle Pakistaner, die ich kenne, sind außergewöhnliche Leute. Pakistaner gehören zu den intelligentesten Menschen", so Trump zu Sharif.

11/9 wie 9/11

Manche Beobachter mit extremer Perspektive sehen das Datum 11/9, den 9. November, an dem Trumps Wahlsieg verkündet wurde, als ebenso wichtigen Wendepunkt in der Weltpolitik an wie 9/11, den Tag der Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA.

Natürlich wurde registriert, dass Trump die Wahl gewonnen hat, obwohl seine Kontrahentin Hillary Clinton 2,5 Millionen Wählerstimmen mehr auf sich vereinen konnte. Beobachter betonen, dass die internationale Gemeinschaft auf jedes Entwicklungsland herabblicken würde, dessen Wahlrecht einen radikalen Kandidaten mit 46 Prozent der Stimmen zum Sieger machen würde und seinen moderaten Gegner mit 48 Prozent zum Verlierer.

Nach Ansicht des Chefs eines großen Industriekonzerns bestätigt Trumps Sieg eine Lehre aus dem Votum der Briten für den EU-Austritt: "Unsicherheit ist die neue Norm in der modernen Welt." Unternehmen kämen mit schwierigen Situationen klar, aber zu viel Unsicherheit bereite ihnen Probleme.

"Pakistan – ein fantastischer Ort mit fantastischen Menschen"

Ein anderer Wirtschaftsvertreter sagt, die Republikaner in den USA seien Pakistan generell mehr gewogen als die Demokraten. "Wenn wir unser Haus in Ordnung bringen und die Unternehmenskultur fördern, wird es gut gehen, egal, wer im Weißen Haus sitzt."

Premierminister Sharif hat im November mit Trump telefoniert. Sein Büro veröffentlichte anschließend eine Mitschrift des Gesprächs. Demnach sagte der designierte US-Präsident, Pakistan sei ein "tolles" Land "mit riesigen Möglichkeiten". Er freue sich, diesen "fantastischen Ort mit fantastischen Menschen" zu besuchen. Andererseits wurde schnell klar, dass Trump sich in diesem Gespräch unkonventionell verhielt, was darauf hindeutet, dass er als Präsident ebenso unberechenbar sein wird wie während des Wahlkampfs.

Pakistanische Ökonomen halten sich derzeit noch mit Bewertungen zurück. Sie wollen zunächst die ersten hundert Tage von Trumps Amtszeit abwarten. "Vieles wird davon abhängen, was er für ein Team zusammenstellt", sagt ein Wirtschaftsexperte. Ohne zu wissen, wer seine wichtigsten Berater werden, sei es "schwer zu sagen, wie er mit den innen- und außenpolitischen Herausforderungen umgehen wird".

Afshan Subohi

© Zeitschrift für Entwicklung und Zusammenarbeit 2017

Der Autor ist Wirtschaftsjournalistin und arbeitet für die pakistanische Zeitung "Dawn".

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