Öko-Islam in Indonesien

Kampf dem wachsenden Plastikmüll

Gemeinsam mit islamischen Organisationen kämpfen die indonesische Regierung und Greenpeace für weniger Einweg-Plastikprodukte. Werden Umweltkampagnen wirksamer, wenn sie religiös motiviert sind? Von Rizki Nugraha und Ayu Purwaningsih

Während des Ramadan 2018 lancierte Indonesiens wichtigster muslimischer Rat, der „Indonesian Ulema Council“ (MUI), zusammen mit Greenpeace und dem indonesischen Ministerium für Forstwirtschaft und Umwelt eine Sensibilisierungskampagne zur Verringerung der Plastikmüllberge in Indonesien.

Gemeinsam bewirbt man die Benutzung wiederverwendbarer Tragetaschen, um so den Verbrauch an Plastiktüten in Indonesien zu reduzieren. Die indonesische Regierung und Geistliche der größten muslimischen Organisationen des Landes, "Nahdlatul Ulama" (NU) und "Muhammadiyah", wollen damit direkten Einfluss auf das Konsumverhalten ihrer insgesamt 100 Millionen Anhänger nehmen.

Die "Nahdlatul Ulama" und die "Muhammadiyah" riefen daher gemeinsam mit dem indonesischen Ministerium für Forstwirtschaft und Umwelt am 6. Juni in Jakarta die Initiative zur Vermeidung von Plastikmüll ("Plastic Waste Reduction Movement") ins Leben.

Laut Rosa Vivien Ratnawati, Leiterin der Abfallwirtschaft im indonesischen Ministerium für Forstwirtschaft und Umwelt, wird der Kunststoffmüllberg in Indonesien immer größer. "Wir wollen die Bürger ermutigen, mit kleinen Dingen zu beginnen und beispielsweise wiederverwendbare Trinkflaschen anstelle von Einweg-Plastikflaschen zu benutzen oder auf Einkaufstaschen aus umweltfreundlichen Materialien umzusteigen", so Ratnawati.

Ramadan ohne Plastikmüll

Das indonesische Ministerium für Forstwirtschaft und Umwelt wendet sich hierzu gemeinsam mit Umweltorganisationen an die religiösen Führer des Landes, sich für ein Fastenbrechen ohne Gebrauch von Einweg-Kunststoffen stark zu machen. "Greenpeace Indonesia" will laut eigenem Bekunden den religiösen Einfluss des muslimischen Klerikalrats (MUI) nutzen, um den Umweltschutzgedanken zu verbreiten und Muslime aufzufordern, auf Einweg-Kunststoffprodukte zu verzichten.

Zum Auftakt der Kampagne #PantangPlastik (#AntiPlastic) veranstaltete Greenpeace in Süd-Jakarta den sogenannten "eco-iftar". Laut Muharram Atha Rasyadi, Stadtaktivist von Greenpeace, seien Indonesier während des Ramadan besonders konsumfreudig. Viele Menschen gingen zum Fastenbrechen in Restaurants oder bestellten Essen zum Mitnehmen. Dadurch erhöhe sich die Abfallmenge.

"Beispielsweise kommen die Menschen während des Ramadan abends in den Moscheen zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen und bringen dabei ihr Essen in Plastikgeschirr mit", so Rasyadi. Außerdem habe Greenpeace erkannt, dass man mit islamischen Organisationen zusammenarbeiten müsse, wenn man die breite Masse erreichen wolle.

Er glaubt, dass Imame eine wichtige Rolle bei der gemeinsamen Umweltschutzkampagne spielen können. "Im Unterschied zur Stadtbevölkerung hören die Menschen in ländlichen Gebieten darauf, was Kleriker sagen."

Rasyadi hofft, dass die Veranstaltung die Muslime dazu anregen wird, bei ihren täglichen Aktivitäten weniger Einweg-Plastikgeschirr zu verwenden. Indonesien gilt derzeit als einer der größten Abfallverursacher weltweit. Jährlich erzeugt der durchschnittliche Indonesier 17 Kilogramm Kunststoffabfälle in unterschiedlicher Form. In der Summe landen jährlich 187,2 Millionen Tonnen Plastikabfälle aus Indonesien im Meer.

Ist religiös motivierter Umweltschutz wirksamer?

Es ist nicht das erste Mal, dass man in Indonesien beim Umweltschutz auf die Religion setzt. Im Jahr 2014 gab die MUI eine Fatwa heraus, die die Jagd auf gefährdete Tierarten verbot. Zudem warb die "Islamische Stiftung für Ökologie und Umweltwissenschaften" an indonesischen Schulen für das sogenannte "School4Trees-Programm".

Laut Media Zainul Bahri, Professor für Religionswissenschaft an der Syarif Hidayatullah State Islamic University (UIN) Jakarta, umfasst der Islam viele Botschaften zum Thema Umweltschutz: "Der Koran greift Umweltprobleme an vielen Stellen auf. Gott zieht die Menschen zur Rechenschaft, wenn sie sich an der Umwelt vergreifen."


Die überbordende Plastikflut in den Griff bekommen: Von den G7-Staaten gilt Amerika als größter Verursacher von Plastikverschmutzung in den Ozeanen. Global gesehen sind es China, Indonesien und die Philippinen.

Er glaubt, dass diese Botschaften gerne übersehen werden, weil viele Menschen meinen, dass es damals noch keine Umweltprobleme gab. "Die theologische Lehre widmet sich seit den 1950er Jahren bis heute eher humanitären Fragen", so Bahri.

Umweltschutz im Namen der Religion weltweit

Auch in anderen Ländern spielt die Religion beim Schutz der Umwelt eine Rolle. Im Jahr 2008 rief die säkulare Umweltschutzgruppe "The Alliance for Religions and Conservation" (ARC) ein Umweltprojekt mit dem Ziel ins Leben, Fischer auf der tansanischen Insel Pemba davon abzuhalten, mit Sprengstoff zu fischen. Auch hierbei setzte man auf die Unterstützung lokaler religiöser Führer.

"Der Umweltschutzgedanke ist keine Erfindung des Westens", meinte jüngst ein im Umweltschutz engagierter Fischer in einem Interview mit der US-Tageszeitung "The Christian Science Monitor". "Er stammt aus dem Koran."

Die Religion kann sicher eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung spielen. Doch die Mitwirkung von Umweltschutzorganisationen ist notwendig, da religiöse Führer Unterstützung bei technischen Fragen benötigen. "Viele Imame haben kein ausreichendes Verständnis von der Funktionsweise der Natur und den Erhalt des Ökosystems", so Bahri.

"Die Menschen sollen erkennen, dass Umweltschutz ein islamisches Thema ist", sagte der Direktor der "Disaster Mitigation and Climate Change Agency" (LPBI) der NU, Fitria Ariayani, gegenüber indonesischen Medien.

Rizki Nugraha und Ayu Purwaningsih

© Qantara.de 2018

Übersetzt aus dem Englischen von Peter Lammers

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