Vor zehn Jahren, nach Israels Abzug aus Gaza, lernte er Meron Rapoport kennen. Cohen, der linke Exot unter den Siedlern und der linke Tel Aviver Journalist taten sich zusammen und entwickelten in vielen Diskussionen das Modell "Zwei Staaten, eine Heimat". 2013 kam ein erstes Treffen mit gleichgesinnten Palästinensern zustande. Seitdem ziehen ihre Ideen Kreise, verbreitet über Wohnzimmerdebatten und hunderte Veranstaltungen in Gemeindezentren, Clubs und Bars.

Cohen erklärt den Grundgedanken so: "Das Land ist eine Einheit" – Eretz Israel oder eben Palästina, historisch meint beides in etwa das gleiche Gebiet. "Aber jede Nation hat das Bedürfnis, unabhängig zu leben. Wir sind einander verpflichtet. Und wir wollen nicht in Kategorien denken, die der anderen Seite schaden."

Anfang Juni präsentierte die ungewöhnliche Allianz aus palästinensischen Querdenkern, israelischen Friedensaktivisten, Siedlern und ultraorthodoxen Juden ihre Ideen bei einer Konferenz auf dem Messegelände in Tel Aviv der großen Öffentlichkeit. "Wir sind keine Initiative mehr, wir sind schon eine Bewegung", sagt Cohen heute selbstbewusst. Von der etablierten Politik halten sie sich bislang fern. Auch wenn Staatspräsident Reuven Rivlin – ein Befürworter gleicher Rechte von Juden und Arabern in einer Art Konföderation – "bisweilen ähnlich klingt wie unsere Initiative", findet Elias Cohen.

Mohamad al-Beiruti; Foto: Inge Günther
Mohamad al-Beiruti, ehemaliges Mitglied der Fatah, kann gut nachvollziehen, dass Siedler, die seit Jahrzehnten in der Westbank leben und dort verwurzelt sind, nicht wegziehen wollen. "Das müssen sie auch nicht", meint er. Die Initiative "Zwei Staaten, eine Heimat" sieht Residenzrechte für die Minderheiten im jeweils anderen Staat vor. Wenn fünf Prozent der Bevölkerung Palästinas Siedler seien, sollte Israel eine ähnliche Quote an palästinensischen Flüchtlingen ins Land lassen.

Unglauben und Skepsis

Die Mehrheitsgesellschaft reagiert dennoch skeptisch, die palästinensische fast noch mehr als die israelische. Als die Ideen in Ramallah vorgestellt wurden, kam als erstes die ungläubige Rückfrage: „Sind die Israelis dazu bereit?“ Nach all den Enttäuschungen über den Osloer Friedensprozess fällt vielen Palästinensern die Vorstellung schwer, dass echte Konzessionen überhaupt je zustande kommen – schon gar nicht solche, die zumindest einem Teil der Flüchtlinge eine Rückkehr in die Heimat ihrer Vorfahren, heute Israel, erlauben würde.

Genau diesen Punkt schätzt Mohamad al-Beiruti, 59, an dem Konzept besonders. Er, der als Mitglied der Fatah erst Jahre im israelischen Gefängnis und dann im Exil verbrachte, ist selbst Flüchtling. Seine Eltern wurden 1948 aus dem Dorf Sumeil vertrieben. Seine Familie habe in der Küstenebene hektarweise Land besessen, auf dem sich inzwischen israelische Ortschaften befinden. "Von mir aus können sie bleiben", meint al-Beiruti und lässt arabischen Kaffee in seinem kleinen Büro in Ramallah servieren. Aber auch er würde sich gerne auf den Ruinen seiner Vorväter etwas Eigenes aufbauen.

Er kann es gut nachvollziehen, dass Siedler, die seit Jahrzehnten in der Westbank leben und dort verwurzelt sind, nicht wegziehen wollen. "Das müssen sie auch nicht", findet al-Beiruti, "aber sie müssen die palästinensischen Gesetze respektieren."

Natürlich ist es problematisch, Siedler, die sich nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 auf besetztem Land niederließen, mit Flüchtlingen, die im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 aus ihren Dörfern flohen oder vertrieben wurden, gleichzusetzen. Andererseits gibt es keinen perfekten Ausweg aus dem Nahostkonflikt. "Wir versuchen, Ungerechtigkeiten zu beheben, ohne neue Ungerechtigkeiten zu schaffen", sagt Rapoport. Schira, einer 28-jährigen Zuhörerin in der "Ana Lulu-Bar" klingt das alles zu simpel. Ist es vielleicht auch.

Aber Ähnliches wie ihr Konzept funktioniere anderswo längst, sagt Rapoport und verweist auf Bosnien, Irland und das vereinte Europa.

Inge Günther

© Qantara.de 2016

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