Tunesiens erste Öko-Farm

Ungefähr 600 Kilometer von Djerba entfernt, etwa eine Dreiviertelstunde Fahrtzeit südlich der Hauptstadt Tunis, hat Amine Draoui  kurz nach der Revolution die erste Öko-Farm Tunesiens gegründet. Hier können Touristen, Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und Schulklassen die Grundlagen der ökologischen Landwirtschaft entdecken.

Auf einem Stück Land in der Nähe der Kleinstadt Mornag hat der promovierte Wasserwissenschaftler zusammen mit Unterstützern ein kleines  Paradies geschaffen: Verschiedene Obst- und Gemüsesorten wachsen auf dem einst verfallenen Areal. Zwei Gästehäuser wurden aus ökologisch nachhaltigen Materialien errichtet.

Zouheir Ben Tamarout und sein Team auf dem Grundstück des Oxala House. Foto:  Madeleine Löning
Zouheir Ben Tamarout und sein Team auf dem Grundstück des Oxala House (von links Khaled Kadri, Nagi Kadri, der Bruder von Khaled, Zouheir Ben Tamarout) während der Revolution 2013. Die Ferienanlage „Oxala House“ markierte Anfang des Jahres 2000 den Beginn des Projekts. Damals wie heute will der Unternehmer beweisen, dass es auch an einem „vom Massentourismus geprägten Ort wie Djerba möglich ist, etwas anderes zu etablieren“.

Anders als Zouheir spricht Amine Draoui mit seiner Öko-Farm nicht ausschließlich ausländische Touristen an. Er will sein umfangreiches Wissen über alternative Techniken der Wasseraufbereitung und des Anbaus auch mit der jungen lokalen Bevölkerung teilen und ihr Interesse an der Natur wecken.

Nachhaltigkeit impliziert auf der Öko-Farm somit einen Austausch zwischen Stadt und Land und eine Verschiebung vom globalen zum lokalen Tourismusmarkt. Besucher der Farm lernen nicht nur, wie sich natürliche Ökosysteme  selbst regulieren sondern auch ganz praktisch, wie sie Käse, Brot, Marmelade und Olivenöl herstellen.

Kaum wettbewerbsfähig

Das Problem alternativer Tourismusprojekte in Tunesien besteht vor allem in ihrer mangelnden öffentlichen Sichtbarkeit sowie in fehlender Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Die staatlichen Subventionen reichen in der Regel nicht aus, um die Kosten für die Realisierung der Projekte und für ihren Unterhalt auch nur ansatzweise zu decken.

„Am Ende ist es eine Frage der Mittel“, stellt Zouheir fest. „Ich habe das Glück, dass ich von ‚Oxala House‘ nicht leben muss. Denn um in Tunesien etwas Alternatives aufzubauen, darf man finanziell nicht davon abhängig sein.“ Seit der Revolution wäre zwar viel über Kulturtourismus gesprochen worden. Die Bestrebungen würden jedoch jedes Mal ad acta gelegt, sobald sich der etablierte Pauschaltourismus erholt.

Die Mehrzahl der ausländischen Touristen - falls sie überhaupt an eine Reise nach Tunesien denken -  hoffe außerdem nach wie vor auf einen günstigen Badeurlaub. Wenn man etwas verändern möchte, so der Unternehmer, „muss man es selbst in die Hand nehmen. Auf Hilfe vom Staat oder von außen kannst du dich nicht verlassen. Du musst dir jedes Mal wieder neu die Frage stellen, ob du deinen Idealen treu geblieben bist.“

Bleibt also zu hoffen, dass die tunesische Regierung ihren Plan von einem neuen Tourismus langfristig umsetzt und dabei auch die großen ausländischen Reiseveranstalter in die Pflicht nimmt. Erst dann, scheint es, könnte die derzeitige Krise der Tourismusbranche einen  Wandel Tunesiens von der billigen All-Inclusive-Destination hin zu einem kulturhistorisch und landschaftlich bedeutenden Reiseziel einleiten.

 

Madeleine Löning

© Qantara.de 2018

 

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