In dieselbe Kerbe schlägt Allem Faizee im Online-Portal ummid.com, wo er vom "Mythos Hadsch-Beihilfe" spricht: "Die Hadsch-Subventionen wurden niemals zum Nutzen der Pilger verwendet. Die Fluggsellschaften haben erhöhte Tarife verlangt, die Mittel für die Hadsch-Subventionen dienten dazu, der finanziell angeschlagenen Air India zu helfen", so der Journalist.

Mit Wettbewerb hat das Verfahren der Flugbuchungen tatsächlich wenig zu tun. Bis auf weiteres ist die große Mehrheit der Pilgerinnen und Pilger aus Indien darauf angewiesen, den Flug nach Saudi-Arabien zu überhöhten Preisen auf Maschinen von Air India und Saudi Airlines anzutreten.

Um der zunehmenden Kritik der Minderheit den Wind aus den Segeln zu nehmen, kündigte die indische Regierung Ende Februar an, sie werde die Flugtarife senken. Diese Entscheidung, so Minister Naqvi, werde der "politischen und wirtschaftlichen Ausbeutung" der Pilger ein Ende bereiten.

Indische Fluggesellschaft "Air India"; Foto: picture-alliance/AP
Angeschlagener Flugzeugriese Air India: Die hochverschuldete Air India – so der Plan der Modi-Regierung – soll noch in diesem Jahr teilprivatisiert werden. Ob diese Reform indes den indischen Mekka-Reisenden zugute kommen wird, ist völlig offen.

Zwar liegen die neuen Flugtarife, die der Minister für die unterschiedlichen Ausgangsstädte mitlieferte, unter den Tarifen des Vorjahres. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich die Sprecher der Minderheit zu Wort meldeten, und behaupteten, die angebotenen Preise lägen deutlich höher als in früheren Jahren. Die Muslime seien im Namen der (Hadsch-)Beihilfe betrogen worden, schimpfte etwa Maulana Wali Rahmani, Generalsekretär des "All India Muslim Personal Board" (AIMPLB). Als "Augenwischerei" und "Irreführung" bezeichnen Verteter der Minderheit die Kommunikation der Regierung.

Subventionsstreichungen nur für Muslime

Im Moment ist nicht erkennbar, dass die Führung in Neu Delhi dazu bereit wäre, den Mekka-Pilgern in dieser Angelegenheit entgegenzukommen und bei den Flügen einen Wettbewerb zuzulassen. Doch möglicherweise löst sich dieses Thema alsbald von selbst: Die hochverschuldete Air India – so der Plan der Modi-Regierung – soll noch in diesem Jahr teilprivatisiert werden. Ob diese Reform indes den indischen Mekka-Reisenden zugute kommen wird, ist völlig offen.

Die Diskussionen über die Hadsch-Politik in Indien werfen ein Licht auf das angespannte Verhältnis zwischen der BJP-Regierung und der muslimischen Minderheit. Offenkundig hat die Regierung die nun verkündeten Anpassungen nicht vorab mit wichtigen Organisationen und Entscheidungsträgern der Minderheit abgestimmt – geschweige denn, diese in die Entscheidungsfindung einbezogen.

Bezeichnend für die Haltung der hindu-nationalistischen Regierung ist, dass die Abschaffung der Pilger-Subventionen sich auf die Beihilfen für Pilgerreisen der Muslime beschränkt. Während die Regierung Narendra Modis die Kündigung der Hadsch-Subventionen betreibt, bleiben die staatlichen Beihilfen für Pilgerreisen der Hindu-Mehrheit unbetroffen.

Diese Subventionen seien "zu zahlreich, um aufgelistet zu werden", schreibt Swaminathan Aiyar in einem Kommentar. Der liberale Kolumnist kommt zu dem Schluss, dass "ein säkularer Staat, der Hadsch-Subventionen verbannt natürlich auch Subventionen für Pilgerreisen aller anderen Religionen verbieten müsste."

Dies ist – wie gesagt – eine liberale Position. Bei den Parteigängern des indischen Ministerpräsidenten stößt diese Position auf taube Ohren.

Ronald Meinardus

© Qantara.de 2018

Dr. Ronald Meinardus leitet das Regionalbüro Südasien der Friedrich Naumann Stiftung in Neu Delhi.

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