Bemessungsgrundlage ist die letzte Vollkszählung. Gemäß der Zahlen des Zensus aus dem Jahr 2011 zählte Indien offiziell 172 Millionen Muslime: Die Bundesstaaten mit den größten muslimischen Bevölkerungen sind Uttar Pradesh, gefolgt von West-Bengalen, Bihar und Maharashtra. Entsprechend kommen aus diesen Staaten die meisten Pilger. Die Quote für Uttar Pradesh beträgt 2018 allein 27.682 Menschen.

In seinen Datenbanken veröffentlicht das HCI auch Angaben zu den Bewerbungen: Demnach haben sich für 2018 über 355.000 Inder bei dem Komitee für eine Pilgereise beworden. Angesichts der festgelegten Quote von 175.00 kommt in diesem Jahr lediglich jeder zweite Aspirant zum Zuge.

Im religiösen Leben der Muslim-Minderheit Indiens spielen die Hadsch-Komitees eine wichtige Rolle. Gleichwohl könnte man die Behörde als eine Art Reiseagentur mit religiösem Auftrag bezeichnen. Neben der Organisation der Flugbuchungen und der Logistik vor Ort (im Schulterschluss mit den saudischen Stellen) organisiert das Komitee Orientierungslehrgänge und stellt sicher, dass alle Pilger mit den nötigen Impfungen ins Flugzeug steigen.

Rekurs auf den Koran

Bei der nun angekündigten Abschaffung der Hadsch-Beihilfen bezieht sich die indische Regierung auf einen Beschluss des Obersten Gerichtshofes, der 2012 verfügt hatte, dass die Subventionen stufenweise über einen Zeitraum von zehn Jahren abgeschafft werden sollen. In ihrem Urteil bezogen sich die Richter nicht zuletzt auf den Koran, der die Pilgerreise nur jenen vorschreibt, die es sich leisten können. Richtungsweisend ist die höchstrichterliche Anweisung, dass die durch die Streichung der Reisesubventionen eingesparten Gelder für Bildungsprogramme für die sozial benachteiligte muslimische Minderheit einzusetzen sind.

Muslimische Kinder während der Feierlichkeiten zum muslimisches Opferfest Eid al Adha in der indischen Stadt Allahabad; Foto: Reuters/Jitendra Prakash
Junge Muslime in Indien: Die Pilgerfahrt nach Mekka ist eine der fünf Säulen des Islam. Jeder Gläubige, der es sich leisten kann, so gebietet der Koran, ist gehalten, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern. Der Hadsch ist ein Höhepunkt in der Biographie eines jeden Muslims und einer jeden Muslima.

Interessanterweise waren die Reaktionen auf die Ankündigung der Streichung der staatlichen Hadsch-Beihilfen eher zurückhaltend. Während das HCI in einer Stellungnahme dafür plädierte, die Umsetzung des Beschlusses um ein Jahr zu verschieben und somit zu warten, bis die von den saudischen Behörden inzwischen genehmigte Wiederaufnahme der Schiffspassagen in Kraft tritt, forderten Vertreter der Minderheit die Regierung auf, sie solle ernst machen mit der Umleitung der eingesparten Mittel in Bildungsprogramme für die marginalisierten muslimischen Gemeinden.

Betrug im Namen der Hadsch-Beihilfe?

Die Kritik richtet sich nicht gegen die Streichung der Subventionen, sondern gegen die in den Augen der Minderheit preistreibende Sonderstellung, die die indische Regierung der staatlichen indischen Fluglinie Air India im dem Pilgerprogramm zusichert. "Es sollte ein offenes Bieterverfahren geben für die Flugscheine", zitiert die Tageszeitung The Times of India Maulana Khalid Farangi Mahal. "Ich bin sicher, dass die meisten Fluglinien ihre Preise senken werden", so Mahal.

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