Muslime aus aller Welt in Mekka

Hadsch im Hochsommer

Millionen Gläubige, Hitze und laute Gebete: Es ist Hadsch in Mekka. Einmal im Jahr wird die saudische Stadt zum Pilger-Hotspot und Schauplatz der größten Menschenansammlung der Welt. Eine Reportage von Nermin Ismail aus Mekka

Es ist extrem heiß am Berg Rahma: 48 Grad. Dieses Jahr fällt die muslimische Wallfahrt in den Hochsommer. Am Weg zum zentralen Ort der Hadsch - gut 25 Kilometer südöstlich von Mekka - besprühen junge saudische Soldaten die Pilger mit kaltem Wasser und sorgen damit für eine kurze erfrischende Abkühlung. Freiwillige verteilen kleine Getränkeflaschen. Ältere Menschen, Frauen und Kinder werden stets bevorzugt. Ich möchte meine Flasche weitergeben, doch die Frau neben mir, aus Indien, lehnt ab. Sie deutet auf ihren großen goldfarbenen Wasserbehälter.

Viele haben Wasser dabei, um für die langen Wege unter der gleißenden Sonne vorbereitet zu sein. Zwischendurch kann einem mitten in der Menschenmasse aber auch der Sauerstoff knapp werden. Immer wieder versuche ich, mehr Luft zu schnappen, indem ich meinen Kopf nach oben hebe. Für diese Reise sind Gläubige aus aller Welt angereist. Manche Pilger haben ihr Leben lang gespart, um diese religiöse Pflicht erfüllen zu können.

Sie schlafen nachts auf dem warmen Boden, bedecken sich mit ihren dünnen, bunten Gebetsteppichen und sind auf die saudischen Essensboten angewiesen, die auf der Straße immer wieder kleine Portionen Reis mit Fleisch an die Pilger verteilen. Am "Tag von Arafa" ist die Zahl der Gläubigen an einem Ort am höchsten. Wegen des festen Datums dieser Wallfahrtsetappe treffen tatsächlich alle Pilger zusammen - in diesem Jahr sollen es 2,7 Millionen sein. Zu den anderen Wallfahrtsorten hingegen können die Gläubigen an verschiedenen Tagen kommen und damit zeitlich versetzt.

Hoffnung auf Sündenvergebung am "Tag von Arafa"

Der Besuch der gekennzeichneten Arafat Ebene mit dem Dschabal ar-Rahma als Zentrum ist obligatorisch, damit eine Hadsch gültig wird. Der Legende nach heißt der Platz am Fuße des Berges "Arafa", was so viel wie "Kennenlernen" bedeutet. Adam und Eva sollen sich hier wiedergetroffen haben, nachdem sie aus dem Paradies vertrieben wurden. An diesem Ort soll auch der Prophet Mohammed seine letzte Ansprache an die Muslime gehalten haben. In dieser Abschiedspredigt sprach er über die Gleichheit der Menschen, die Rechte der Frauen und die Hadsch.

Muslimische Pilger am Berg Arafat am 20. August 2018; Foto: AHMAD AL-RUBAYE/AFP/Getty Images
Mehr als zwei Millionen Muslime am Berg Arafat: Zu den Stationen eines jeden Pilgers gehört auch der Besuch des "Gnadenhügels" am Berg Arafat rund 25 Kilometer von Mekka entfernt. Hier beten die Pilger nach dem Vorbild des islamischen Propheten Mohammed von Mittag bis Sonnenuntergang, lesen den Koran und tun Buße.

Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, also in einer relativ kleinen Zeitspanne und auf einer begrenzten Fläche von 78 Quadratkilometer treffen alle Pilger zusammen. Ich befinde mich mitten unter ihnen. Eine Gruppe indonesischer Männer und Frauen beten laut, sie halten sich an ihre langen, weißen Tücher fest, um einander in dem Gedränge nicht zu verlieren.

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