Das ganz große Geschäft mit den Drogen aber machen andere, die Hanfbauern verdienen selbst nur wenig an der Produktion. Nach der Ernte verbringen sie einen großen Teil ihrer Zeit mit dem sogenannten "Klopfen": Im Sommer tönt es von überall her in den Bergen, denn die Herstellung von Haschisch ist hier immer noch Handarbeit, die mit einfachsten Mitteln und überwiegend von Männern erledigt wird. Mit zwei Stöcken wird so lange auf die getrockneten Blüten eingeschlagen, bis sie ein paar Gramm ihrer Harzkristalle freigeben. Daraus wird Haschisch gepresst.

Aus 100 Kilogramm Rohpflanze werden je nach Qualität ein bis drei Kilogramm Rauschmittel gewonnen. Wie in der traditionellen Landwirtschaft packen Frauen und Kinder mit an. Hanfplantagen sind meistens kleine Familienbetriebe mit ein paar Ernte- und Produktionshelfern aus der Umgebung. Irgendwann einmal soll der Sohn den Hof übernehmen, der ihn dann an seinen Sohn weitergibt, damit der ihn seinerseits an seinen Sohn vererbt. So sichern die Hanfbauern im Rif seit Jahrhunderten ihre Zukunft und die ihrer Kinder. Nur, dass von den jungen Leuten heutzutage kaum mehr jemand eine große Zukunft als Hanfbauer sieht. Denn sie wollen lieber studieren und dann nichts wie weg.

Proteste gegen den Tod eines Fischverkäufers in Al-Hoceima; Foto: dpa/picture-alliance
"Willkommen zum Weltklimagipfel! Wir zermalmen hier Menschen!" – Massenproteste in Al-Hoceima nach dem Tod eines Fischverkäufers: Die Stadt im Rif war eine der Hochburgen der Massenproteste, die es im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings auch in Marokko gegeben hatte. Bei den bis heute anhaltenden Protesten geht es unter anderem auch um den Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Korruption sowie um die Verteidigung der Rif-Region und der Identität als Berber.

Die Haschischbauern haben viele Probleme – sie streiten sich mit anderen um das knappe Wasser, lassen sich von Zwischenhändlern in die Mangel nehmen und leben in ständiger Furcht vor der Polizei. Großeinkäufer gehen von Farm zu Farm und sammeln im Wochentakt das Endprodukt ein, für ein paar Hundert Euro. Manchmal führt auch die Polizei Razzien durch. Und dann geht es den einfachen Bauern an den Kragen, denn die wenigsten von ihnen können sich die hohen Schmiergelder leisten, die sie vor dem Gefängnis bewahren würden. Das können nur die großen Drogenbarone mit ihren Beziehungen zu internationalen Kartellen.

Neue Allianz aus Drogenmafia und Terrorgruppen

Doch nicht nur die Drogenmafia nutzt die Abgeschiedenheit der Rifregion für ihre Zwecke. Auch Terroristen finden hier Unterschlupf. Seit einiger Zeit sollen sich Drogenmafia und Terrorgruppierungen für ihre Geschäfte zusammengeschlossen und ein gemeinsames Kartell gebildet haben. Dessen Netzwerk reicht sogar bis zum IS, der sich so in den Cannabishandel einklinken und junge verzweifelte Rifmarokkaner rekrutieren konnte.

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