Auch Menna Allah hat an diversen Workshops teilgenommen. "Ich habe viel über Fotografie gelernt, über die Bildeinstellungen und Belichtung. Außerdem habe ich einige neue Freundschaften geschlossen und Animationsfilme angeschaut." Niemals hätte sie sich vorstellen können, dass die Produktion eines Films so aufwendig sein und so viel Zeit kosten würde. "Doch für einen zweistündigen Film bedarf es monatelanger Arbeit des Filmens und Vorbereitens", erklärt sie.

Neue Welten entdecken

"Das Festival bietet den Kindern nicht nur Workshops an, es möchte ihnen einen Raum geben um neue Welten zu entdecken, die sie sich selbst kreieren." Mit diesen Worten weist der Künstler Ibrahim Saad auf die völlige Freiheit hin, mit der die Kinder sich in der Filmstadt bewegen. Sie wählen nicht nur die Workshops an denen sie teilnehmen möchten eigenständig aus, sondern ganz allgemein wird ihnen nichts vorgeschrieben.

Ibrahim erklärt, eines der Hauptziele des Projekts ist es, dass die Kinder soziale und pädagogische Kompetenzen erwerben, diese werden indirekt vermittelt: Die Regeln der Filmstadt ähneln den Gesetzen der realen Welt, zudem gibt es eine eigene Währung, den "Sahtoot". Im Austausch zur Teilnahme an Workshops erhalten die Kinder bei der Bank der Filmstadt "Sahtoot", mit denen sie sich in den Restaurants vor Ort Essen und Säfte kaufen können.

Die Aktivitäten in "Mini-Kairo" werden demokratisch organisiert: Jeden Morgen treffen sich die Workshopleiter mit den Kindern und diskutieren die Aktivitäten des vergangenen Tages sowie Vorschläge für den neuen Tag.

Doch damit nicht genug: Das Radio der Stadt gibt den Kindern Gelegenheit, ihre Meinungen zu äußern, sie wählen die Musik, die gespielt wird, und gestalten die Programmpunkte des Radios mit. Die Stadt verfügt ebenfalls über eine Post. Hier können die Kinder ihre Geschichten, Träume und Erfahrungen mit der Filmstadt aufschreiben, diese Briefe werden anschließend im Stadtradio vorgelesen.

Filmstadt "Mini-Kairo" 2017; Foto: © Hassan Emad/Goethe Institut
Ob Theater, Film, Make-Up und Modedesign: Die Aktivitäten in „Mini-Kairo“ werden demokratisch organisiert: Jeden Morgen treffen sich die Workshopleiter mit den Kindern und diskutieren die Aktivitäten des vergangenen Tages sowie Vorschläge für den neuen Tag.

Unter den Gästen in "Mini-Kairo" war die deutsche Fotografin Zoe Schmederer. Sie hat in der Vergangenheit schon viele Filmworkshops in "Mini-München" gegeben, in denen sie Kindern das Schreiben von Drehbüchern, Fotografie, Video und Montage nähergebracht hat.

Grenzenlose kreative Energie

Über die Festivals in München und Kairo sagt sie: "Die Kinder in Ägypten, wie in Deutschland, haben eine grenzenlose kreative Energie. Wir müssen ihnen nur die Chance geben sich auszudrücken, Spaß zu haben und zu lernen.

"Zusammen mit Zoe haben die Kinder vier Kurzfilme produziert, einen Großteil haben sie in den Straßen um das jesuitische Kulturzentrum herum gefilmt. "Die Straßen reflektieren das Leben in Ägypten", so Zoe. "Die Leute kennen einander, überall gibt es Cafés, Imbisse, Geschäfte und jede Menge Gedränge – und alles geschieht auf der Straße. In Deutschland findet das Leben eher drinnen statt, daher gibt es dort nur selten etwas auf der Straße zu sehen, das es wert wäre, gefilmt zu werden. Doch in Ägypten sind die Straßen den ganzen Tag über voller Leben."

Fünf Tage lang kreieren die Kinder eine Welt voller Zauber, Spaß und Kunst. Jaqueline Adel, Schülerin der zweiten Stufe, schminkt sich, vorsichtig, wie eine professionelle Make-Up Künstlerin. Schließlich schaut sie zu ihrer Freundin rüber und lacht über ihr neues, völlig verändertes, Erscheinungsbild.

Jaqueline erzählt von ihrer Begeisterung für Make-Up und Modedesign. Das sogar zu diesen beiden Themen Workshops angeboten wurden, war für sie eine besonders schöne Überraschung.

Islam Anwar

© Goethe Institut 2017

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