Deshalb geht unter den herrschenden Mullahs die Angst um. Makarem Schirazi, der wichtigste und mächtigste Ayatollah des Iran, forderte die Bevölkerung auf, selbst gegen Frauen ohne Hidjab vorzugehen, selbst die Gewalt in die Hand zu nehmen – wie in einem Krieg, wo der Befehlshaber abwesend ist. In der besagten Erhebung des Innenministeriums, in der von den drei Vierteln Unzufriedener die Rede ist, schreiben die Autoren auch, mehr als 60 Prozent der IranerInnen träten dafür ein, den en Hidjab freiwillig tragen zu dürfen.

Ikone der Frauenbewegung

Die iranische Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh; Foto: picture-alliance/abaca/K. Farzaneh
Couragiert für die Rechte der Frauen im Iran: Die Anwältin Sotudeh, die 2012 mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet wurde, setzt sich für inhaftierte Aktivistinnen der Frauenrechtskampagne ein. Die Verteidigung vieler „Mädchen der Revolutionsstraße“ betreibt sie mit unermüdlichem Engagement und informiert regelmäßig die Presse über die Situation ihrer Mandantinnen.

Seit Beginn dieser neuen Aktionsform wurden allein in Teheran 35 Frauen verhaftet. Aus anderen Städten liegen keine genauen Zahlen vor, nur Meldungen über sporadische Verhaftungen. Die letzte Verhaftete heißt Maryam Schariatmadari, eine 32-jährige IT-Spezialistin, die in Teheran auf einen Stromverteilerkasten stieg und ihr Kopftuch wie eine weiße Fahne in die Luft hielt. Sie wurde von einem Zivilpolizisten heruntergeschubst und brach sich dabei ein Bein. Doch sie wurde nicht ins Krankenhaus, sondern zunächst ins Gefängnis gebracht. Dort befände sie sich im Hungerstreik, sagt ihre Anwältin Nasrin Sotudeh.

Härte, Einschüchterung und Verhaftungen nützten nichts – diese Protestform werde kein Ende nehmen, sie vervielfältige sich ständig, sagt die Anwältin Sotudeh. Sie muss es wissen. Die 52-jährige Juristin ist eine Ikone der iranischen Frauenbewegung. In ihrem Leben hat die Sacharow-Preisträgerin fast alles erfahren, was einer Frauenrechtsaktivistin in der Islamischen Republik widerfahren kann. Verurteilung zu elf Jahren Gefängnis, 20 Jahre Berufsverbot als Anwältin, Ausreiseverbot und viele Schikanen mehr – von täglichen Morddrohungen ganz zu schweigen.

Doch Sotudeh lässt sich nicht einschüchtern. Die Verteidigung vieler "Mädchen der Revolutionsstraße" betreibt sie mit unermüdlichem Engagement und informiert regelmäßig die Presse über die Situation ihrer Mandantinnen. "Die Mädchen der Revolutionsstraße sind das Produkt unseres vierzigjährigen Fehlers: In all diesen vergangenen Jahrzehnten haben wir uns den Frauen gegenüber immer falsch verhalten", sagt Soheila Djelodarzadeh, die seit 20 Jahren als Abgeordnete im iranischen Parlament sitzt, mal für die Reformer, mal für die Hardliner.

Irans Präsident Hassan Rohani bleibt nicht anderes übrig, als zu schweigen. Mehr Freiräume hatte er den Frauen versprochen - und er hat es doch nicht vermocht, eine Frau zur Ministerin, Universitätsrektorin oder Bürgermeisterin einer Großstadt zu ernennen. Und das in einem Land, in dem Frauen über 60 Prozent der Studierenden stellen.

Ali Sadrzadeh

© Iranjournal 2018

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