Man mag sich wundern, warum die Mächtigen einer Gesellschaft, die Berge von Problemen zu bewältigen haben, ausgerechnet die Frage des Kopftuchs zu einem Problem der nationalen Sicherheit erheben. Oder müssen sie das tun, weil die Sicherheit des Staates deshalb tatsächlich gefährdet ist? Denn gerade in einer solchen Situation verwandelt sich das Kopftuch in etwas anderes: in mehr als ein Stück Stoff. Es kann zu einem Symbol des Zerfalls oder der Beständigkeit werden.

Wie auch immer: Was die Kleidervorschriften für Frauen angeht, wagt General Rahimi juristisch gesehen einen Riesensprung. Er erklärt auf einen Schlag eine Ordnungswidrigkeit zu einem Kapitalverbrechen. Bis jetzt sah Artikel 368 des iranischen Strafgesetzbuchs eine Haftstrafe von zehn Tagen bis zu zwei Monaten und eine Geldstrafe zwischen umgerechnet einem und zehn Euro dafür vor, wenn eine Frau die geltenden Kleidervorschriften missachtete.

Kampagne der "Mädchend er Revolutionsstraße"; Quelle: Iran Human Rights Documentation Center
Irans "Mädchen der Revolutionsstraße": Ihre Waffe ist ein Kopftuch, meist in Weiß, befestigt an einem Stock, den die Protestierende hoch hält. Oft stellt sie sich dabei auf eine Erhebung – und schweigt. Sie achtet nicht auf Reaktionen ihrer Umgebung und strahlt eine respekteinflößende Furchtlosigkeit aus. Und im Nu verbreitet sich ihr Bild über soziale Netzwerke im ganzen Land und darüber hinaus.

Warum dieser Riesensprung? Was will, was kann der Polizeichef mit seiner Warnung erreichen und wer sind seine Adressaten – ausschließlich Frauen? Und wie bedrohlich ist der Verstoß von Frauen gegen Kleidervorschriften tatsächlich? Zunächst muss man dem General zustimmen. Er schätzt die Lage insofern richtig ein, als dass die neue Bedrohung, die seit etwa sechs Wochen die Islamische Republik heimsucht, in der Tat sehr groß – und im Kern auch systemgefährdend ist.

Zwei Welten, zwei Wertesysteme, zwei Methoden

Allein der Name dieser "Bedrohung" strotzt vor Einfallsreichtum. "Mädchen der Revolutionsstraße" nennen sie sich; und sie sind tatsächlich die Mädchen der Revolution. Sie sind in der Islamischen Republik geboren und aufgewachsen – mehr nicht. Denn sie verkünden mit ihrem ironischen Namen, dass sie mit dieser real existierenden Dauerrevolution nichts im Sinn haben.

Ihre Waffe ist ein Kopftuch, meist in Weiß, befestigt an einem Stock, den die Protestierende hoch hält. Oft stellt sie sich dabei auf eine Erhebung – und schweigt. Sie achtet nicht auf Reaktionen ihrer Umgebung und strahlt eine respekteinflößende Furchtlosigkeit aus. Und im Nu verbreitet sich ihr Bild über soziale Netzwerke im ganzen Land und darüber hinaus.

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