Islam als Feindbild

Wenn sich die Angst einschleicht

Der Islam wird gegen alle Fakten als Negativfolie missbraucht. Khola Maryam Hübsch fragt sich, woher die Angst vor einer Bedrohung kommt, die real nicht existiert.

Nur vier Minarette gibt es in der Schweiz – und doch wurde landesweit über ein Minarettverbot debattiert. Einige Hundert Burka-Trägerinnen gibt es in Deutschland – und doch diskutieren wir bundesweit über ein Burka-Verbot. Der Ausländeranteil liegt in Dresden bei 2,2 Prozent – und doch demonstrieren 10.000 Menschen gegen die Islamisierung des Abendlandes. Woher kommt die Angst vor einer Bedrohung, die real nicht existiert?

Die Geschichte zeigt, dass die Verbindung gesellschaftlicher Probleme mit der angeblichen Bedrohung durch eine religiöse Minderheit ein häufig angewendetes Konstrukt ist. Angeheizt durch politische Rhetorik, ist sie in erster Linie ein Produkt von Ignoranz und Phantasie, wie die Philosophin Martha Nussbaum es beschreibt. Doch Angst hat eine biologische Funktion, ohne Angst wären wir alle schon tot.

Einen besonderen Überlebensvorteil hat derjenige, der sich auch auf das Auftauchen eines plötzlichen Angreifers vorbereitet. Die Angst davor, es könne jemand aus dem Hinterhalt auftauchen, ist also sinnvoll. Das Wissen über eine mögliche Gefahr vermittelt zudem ein Gefühl der Überlegenheit: Während alle anderen die böse Kraft, die ihr wahres Gesicht verhüllt hat, nicht durchschauen, kann derjenige, der frühzeitig Gefahren erkennt, am Ende zum Retter der Gemeinschaft werden. Das schmeichelt dem Ego – und führt derzeit zu irrationalen Reaktionen. Angst ist eines der Gefühle, das zu dem primitivsten gehört, Angst braucht kein entwickeltes Denken, Angst verdrängt rationale Einsichten.

Stellen Sie sich vor, eine Gruppe A wird immer wieder als rückständig, gewaltaffin und frauenverachtend dargestellt. In der Realität lassen sich aber kaum sichtbare Unterschiede zwischen der Gruppe A und einer Gruppe B erkennen. Wie also lässt sich die kognitive Dissonanz zwischen Realität und Konstruktion überwinden? Indem man der Gruppe A unterstellt, sie agiere im Verborgenen, aus dem Hinterhalt. Es wird folglich gewarnt vor einer schleichenden Islamisierung Deutschlands – so wie Ende des 19. Jahrhunderts vor der römisch-katholischen Einwanderung in die Vereinigten Staaten gewarnt wurde.

Angst-Rhetorik damals wie heute

Die Angst-Rhetorik ist damals wie heute die gleiche geblieben: Katholiken galten als tiefe Bedrohung für die Demokratie, Gleichheit und säkulare Werte. Feministinnen, die für das Frauenwahlrecht gekämpft hatten, befürchteten, die katholische Einwanderung behindere den Kampf um die Gleichstellung der Frau. Die katholische Frau galt als unterdrückt, die Haube der Nonne als Beleg für religiösen Extremismus, der Frauen unterwerfe. Die hohe Geburtenrate der katholischen Frau, die eine Geburtenkontrolle ablehnte, würde sehr bald zu einer katholischen Mehrheit führen, die ihre streng-religiösen Vorstellungen durchsetzen würde.

Pegida-Demonstranten in Düsseldorf; Foto: picture-alliance/dpa/Caroline Seidel
Angst-Rhetorik und Hetze als Programm: "Die Ängste, die die Pegida-Bewegung schürt, sind also nicht neu. Sie bedient sich der Argumentation der Eurabien-Aktivisten, die seit Jahren davor warnen, die Fruchtbarkeit der muslimischen Frau werde Europa aushöhlen und zu einer muslimischen Mehrheit führen, die die Scharia einführen werde", schreibt Khola Maryam Hübsch.

Terroranschläge sowie der Aufstieg des Faschismus im katholischen Teil Europas schienen dies zu belegen. Katholiken würden, sobald sie an der Macht waren, ein radikal göttliches Gesetz einführen und die Vereinigten Staaten zu einer „katholischen Republik“ machen. Kurzum, die katholische Einwanderung galt als ernste Bedrohung für den Liberalismus.

Die Ängste, die die Pegida-Bewegung schürt, sind also nicht neu. Sie bedient sich der Argumentation der Eurabien-Aktivisten, die seit Jahren davor warnen, die Fruchtbarkeit der muslimischen Frau werde Europa aushöhlen und zu einer muslimischen Mehrheit führen, die die Scharia einführen werde.

Die Fakten sagen: Die Geburtenrate sinkt weltweit mit zunehmender Verstädterung und höherem Bildungsniveau und führt auch in Europa dazu, dass sie bei muslimischen Einwanderern innerhalb kürzester Zeit drastisch sinkt. Studien zeigen, dass die muslimische Bevölkerung bei gegenwärtigen Einwandererzahlen und Trends bei den Geburtenraten auch in den nächsten Jahrzehnten unter 10 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU ausmachen wird. Derzeit sind weniger als 15 Prozent der Einwanderer in Deutschland Muslime. Und doch scheint die eigene Identität in Frage gestellt, wenn Muslime ihre Religion sichtbar machen.

Diffuser Angstreflex

Warum diskutieren wir immer wieder über ein Burka-Verbot? Eines der zentralen Argumente der Burka-Gegner lautet, die Gesichtsverschleierung stehe für die Unterdrückung der Frau und degradiere sie zum Objekt. Doch woher wissen sie das so genau? Ich kenne viele Frauen, die ihr Gesicht verschleiern und weiß, dass sie größtenteils ein normales, selbstbestimmtes Leben führen.

Lässt sich Unterdrückung an einem Kleidungsstück ablesen? Die Weltgesundheitsorganisation spricht von einem "epidemischen Ausmaß" der Gewalt gegen Frauen weltweit, auch in Europa berichtet jede dritte Frau von Erfahrungen mit sexueller oder körperlicher Gewalt – ohne Burka.

Burkaträgerinnen in Zürich; Foto: imago/Geisser
"Warum diskutieren wir immer wieder über ein Burka-Verbot? Eines der zentralen Argumente der Burka-Gegner lautet, die Gesichtsverschleierung stehe für die Unterdrückung der Frau und degradiere sie zum Objekt. Doch woher wissen sie das so genau?"

Studien über Burka-Trägerinnen gibt es keine. Und selbst wenn ein Zusammenhang von Burka und Unterdrückung statistisch belegt wäre, müsste man dann konsequenterweise nicht auch Alkohol verbieten? Seit langem ist der enge Zusammenhang von Alkoholkonsum und Nötigung sowie Gewalt gegen Frauen bekannt. Eine weitere eklatante Inkonsequenz in dieser Argumentation liegt darin, dass unsere gesamte Gesellschaft durchzogen ist von Postulaten, die Frauen zum Objekt degradieren. "Sexmagazine, Pornografie, enge Jeans, enthüllende Kleidung – all das behandelt Frauen als Objekte und ist in der Medienkultur weit verbreitet", wie Martha Nussbaum zu Recht einwendet.

Es scheint die Beobachtung Sigmund Freuds zuzutreffen, dass das Unheimliche, das uns Angst macht, das verdrängte Eigene ist. Gerade über die Geschlechterordnung offenbart sich das Unbewusste einer Kultur. Vor wenigen Jahren waren es nahezu identische Argumente, die zu einem Verbot des Kopftuches für Lehrerinnen geführt haben. Das Kopftuch wurde als eindeutiges Symbol der Unterdrückung encodiert, obwohl empirische Daten zeigen, dass über 90 Prozent der Trägerinnen in Deutschland es aus religiösen Gründen anlegen. Der unterstellte Zusammenhang zwischen Verhüllung und Unterdrückung entlarvt mitunter, dass eine entlastende Projektion des eigenen "Defekts" auf die muslimische Frau vorgenommen wird.

Denn im Christentum wird die Verschleierung in den Korintherbriefen tatsächlich als ein Zeichen für die Unterordnung der Frau beschrieben, wohingegen sich eine solche Erklärung der Verhüllung im Koran nicht findet. Die muslimische Frau dient dann auch als Negativfolie, über die man sich selbstidealisierend seiner eigenen Fortschrittlichkeit versichert und die fehlende Geschlechtergerechtigkeit im eigenen Land ausblenden kann.

Imaginierte Bedrohung durch das Fremde

Die Konzentration auf eine vollständig imaginierte Bedrohung durch das Fremde führt letztlich dazu, dass wirklich wichtige Themen nicht verhandelt werden. Was schwerer wiegt: In Zeiten notwendiger Immigration sollte es ein wichtiges Ziel sein, den gesellschaftlichen Zusammenhang zu stärken. Der entsteht jedoch nicht durch eine misstrauische Verbotskultur.

Wir müssen erkennen, dass unsere religionspolitische Ordnung sich angesichts der Pluralisierung unseres Landes verändern muss und die in den Grundrechten manifestierten Gerechtigkeitsprinzipien das Fundament darstellen. In einer solchen politischen Gemeinschaft kann es nicht darum gehen, die Vorstellungen der Mehrheit mit Verboten und Demonstrationen durchzusetzen. Es muss darum gehen, Minderheiten als Gleiche zu respektieren und sie zugleich verschieden sein zu lassen. Dann erst werden sie zu einem selbstverständlichen Teil der Gesellschaft, der sich nicht mehr zum Schüren irrationaler Ängste eignet.

Khola Maryam Hübsch

© Qantara.de 2014

Khola Maryam Hübsch, Jg. 1980, lebt als Journalistin und Autorin in Frankfurt am Main. Zuletzt veröffentlichte sie: "Unter dem Schleier die Freiheit – Was der Islam zu einem wirklich emanzipierten Frauenbild beitragen kann" (Patmos, 2014).

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Leserkommentare zum Artikel: Wenn sich die Angst einschleicht

Liebe Autorin! Sie.Machen.Mich.Unglaublich.Wütend!!! Schauen Sie auch mal Nachrichten an oder ab und zu in den Spiegel??? Alleine Ihre Jugend kann auch nicht als Entschuldigung herhalten für eine derart hohle rosarote Verklärung und Verschleierung der Realität! Ich kann das Wort Islamisten (und wenn es so weitergeht auch das Wort Islam...) bald nicht mehr hören, vor allem nach der neuerlichen Nachricht heute vom feigen und widerlichen Mord an 140 Schulkindern durch radikal-islamistische Taliban oder toten Geiseln durch islamistische Geiselnahme in Sydney oder wieder Toten durch Boko Haram in Nigeria, As Shabab in Somalia und Kenia, Beit Ansar al Magdis in Ägypten, ISIS in Iraq und Syrien, Al Quaida im Yemen, Nordafrika und weltweit, oder was weiß ich was wie diese mental Kranken im Namen einer Religion alle heißen. Ich möchte auch kein Islamisches Kalifat Berlin! Mir kommt langsam das Frühstück hoch! Stellen Sie doch nicht uns alle als übernervöse paranoide Zeitgenossen dar, die sich vor Angst oder Dummheit grundlos in die Hose machen oder rechten Rattenfängern in die Hände gefallen sind! Ich möchte so einen menschenverachtenden Mist oder solch ein Gedankengut wie von den oben angeführten Gruppen und anderen nicht in Deutschland (und wir sind wahrlich nicht gefeit von diesem Dreck), nicht mal einen Hauch davon! Und dieser Pesthauch weht inzwischen eben auch bis zu uns. Und ich habe als Bürger der Bundesrepublik Deutschland (und als Frau noch obendrein) unseren Gründungsvätern sei Dank auch das Recht diese meine Meinung zu sagen. Und ich bin weder rechtsradikal noch rassistisch oder fremdenfeindlich, ich bin aber Atheist, aber auch das ist schon mein Todesurteil laut Islam und all dieser Gruppen. SIE haben den Schuss leider nicht gehört, liebe Autorin!!! Aber Schuld am ganzen Debakel sind IMMER nur die anderen, aber das kenne ich inzwischen. Selbstkritischer Islam - ein seltenes Gut! Ich kann es nicht mehr hören, packen Sie sich einmal selbst an die Nase! Ignoranz - und Gehirnwäsche, und die ganz besonders! - sind KEINE deutsche Erfindung! Lesen Sie mal den aktuellen Spiegel-Artikel des Syrers Adonis, vielleicht hilft es... Der Westen ist auch längst nicht immer koscher (ups, ein jüdisches Wort...) und nett und freundlich, aber immerhin ist der nicht-islamische Westen noch fähig zur Selbstkritik und Selbstanalyse - auch wenn es wehtut, siehe CIA-Report. Man stelle sich derlei Selbstanklage im Islam vor... undenkbar. Also bitte, niemand braucht Ihren erhobenen Zeigefinger! So, und nun wieder verbal Feuer frei!

Ingrid Wecker16.12.2014 | 21:00 Uhr

@ Ingrid:

Yes Islam is the main reason of all of the problems in today's world. 98 million people killed in two world wars were due to Islam, tens of millions died in Atheist and communist China and Russia, that was all due to Islam; world got divided in two blocks for many decades due to cold war, 6 million Jews and 6 million Veitnamis killed by Whites is also somehow fault of Islam and Muslims. 1.5 million Iraqis killed by British and American sanctions in 1990s is also a fault of Islam and two lands bombed and occupied by Western nations after 9/11 is also a fault of Islam. You seem to me to be too much emotionally involved in the issues of Islam and Muslims. If you can not hear the name of Islam and Muslims any more then do yourself a small favour and kindly switch off your television, from where you get biased news, and read a book or two on the crimes of white Europeans in the last few centuries against coloured people of the world. 29 million killed by the British in famines in the last quarter of 19th century in British occupied India, 10 million killed by Belgium in Congo, millions killed by the French in its colonies, role of Europeans in Rawandan genocide is also worth mentioning, tens of millions exterminated by the Europeans in South America, North America and in Australasia were also killed by Muslims maybe? Maybe it is a human thing that one sees the crimes of other people as something which can not be forgiven and something very evil, much bigger and heinous crimes of one's self or the crimes of one's civilization seem very benign as compared to the smaller crimes of bad Muslims. For people like you Russia is evil, China is evil, Islam and Muslims are evil and everyone should read and accept your version of history to make you happy. Islamists of all kinds are a bigger problem for Muslims than they are for the West, after some decades Muslims and the Islamic world will hopefully come out of this bad phase of extremism then people like you will have to find other reasons to malign Islam because people like you are biased to your very core. Cheers!

Hassan17.12.2014 | 22:12 Uhr

Danke für diesen wirklich sehr gut geschriebenen Artkel. Es ist wirklich schade, dass die Leute, die die Ängste schüren, diesen Artikel ignorieren werden.Die Pegida-Bewegung schürt Angst vor dem Imaginären. Denn in OstDeutschland leben kaum Muslime.

Karo Hanssen18.12.2014 | 09:45 Uhr

Liebe Frau Hübsch, vielen Dank für Ihren Beitrag, den ich mit Interesse und teilweise großem Befremden gelesen habe. Auf das Phänomen PEGIDA möchte ich kurz eingehen; ich bin enttäuscht, dass wir das hier in Deutschland so nochmal erleben müssen - ich fühle mich tatsächlich an Zeiten von vor 20 Jahren erinnert. Mein Vertrauen in die deutsche Zivilgesellschaft ist jedoch inzwischen so gewachsen, dass ich glaube, dass PEGIDA - ohne diese Aufmärsche verniedlichen zu wollen - "verdaut" werden kann. Mein Vertrauen rührt daher, weil ich als muslimische Migrantin sehe, wie die deutsche Zivilgesellschaft zu Tausenden auf die Straße geht, um einer Gruppierung wie PEGIDA entgegen zu treten und zu postulieren: Mit uns nicht! Wie das „Phänomen“ PEGIDA öffentlich thematisiert und kritisch diskutiert wird, wo sich die Bundeskanzlerin und jede Menge anderer Politiker EINDEUTIG gegen PEGIDA äußern. Seit zwei 2 Jahren nimmt eine pycho-pathologische Mörderbande namens ISIS/IS im Namen einer Weltreligion ganze Völker in Geiselhaft, tötet im Namen dieser Religion, schändet im Namen dieser Religion. Bis heute ist in keinem muslimischen Land eine nennenswerte Zahl von Bürgern auf die Straße gegangen, um sich von DIESEM Islam zu distanzieren und um sich mit den Opfern aus den Reihen der Nicht-Muslime/Muslime zu solidarisieren (was noch viel schwerer wiegt). Ich sehne mich nach einem muslimischen Bürgeraufbegehren, das die Gräuel der ISIS/IS in ihren jeweiligen Ländern (und erst recht hier) thematisiert, diskutiert und sich mit den Opfern solidarisiert. Solange die Muslime schweigen, entstehen im besten Fall noch viele PEGIDA's, im schlimmsten Fall noch viele ISIS'e. Wacht endlich auf und hört auf, Euch hinter dem Argument: "Das ist nicht der echte Islam" zu verstecken. Damit macht Ihr es Euch zu einfach und der ISIS/IS erst recht!! Deutschland hat in den letzten 20 Jahren viel dazu gelernt. Die Partizipation der muslimischen Bürger an einer zivilen Bürgergesellschaft läßt jedoch zu wünschen übrig. Wenn man, wie Sie sagen, ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft werden will, muss man sich aus seiner Opferrolle lösen und diese Gesellschaft mit gestalten. Dazu gehört vor allem aber ein klares Bekenntnis zu einer offenen Gesellschaft - mit all seiner Buntheit (Stichwort Homosexualität) und jenseits von islamischer Indoktrination (Stichwort ISIS). Die große Mehrheit der Deutschen will mit PEGIDA nichts zu tun haben, sie verstecken sich aber nicht hinter dem bequemen Argument: "Das sind keine echten Deutschen" - man sieht sie auf den Straßen. Wo sind deutsche Bürger muslimischen Glaubens, um gewaltbereiten Salafisten und islamischen Hasspredigern die rote Karte zu zeigen? Kann es sein, dass dann der ein oder andere verängstigte PEGIDA-Mitläufer Vertrauen in die Minderheit der muslimischen Bürger fasst?

M. Topcuoglu18.12.2014 | 16:48 Uhr

Chapeau! Endlich eine schonungslose Analyse, die die Doppelbödigkeit der deutschen "Mehrheitsgesellschaft" und ihre Islam- und Burka-Hysterie sowie ihre Panik vorm angeblich bevorstehenden Untergang des Abendlandes entlarvt. Mehr davon!

Anonymous19.12.2014 | 13:51 Uhr

@Ingrid
Sie sind offenbar emotional aufgewühlt und scheinen die Autorin des Artikels dadurch doch irgendwie zu bestätigen. Entsprechend vermischen sich dann tatsächliche Fakten mit diffuser Angstrhetorik.
Sie nennen Beispiele für islamistische Terrogruppen weltweit - wo ist der Zusammenhang zu einer vermeintlichen "Islamisierung" in Deutschland?
Besonders selbstkritisch kommt ihr Beitrag auch nicht gerade daher, oder?

@Hassan
True, seeing the fault only in the other, denying the crimes of "our own" and blaming it on "them" is a common phenomenon, certainly also among the "Pegida" protesters. But that is - unfortunately - a much more general problem. Not only germans tend to deny their crimes - arabs do it, u.s. americans do it, japanese do it, jews, christians and muslims do it. Everyone does it, given the "right" societal circumstances.

@M. Topcuoglu
Da stimme ich nur teilweise zu. Einserseits ja - mehr Engagement statt Rückzug ist sicherlich gut. Andererseits kann man nicht von jedem Moslem erwarten sich ständig von jedem Blödsinn zu distanzieren den irgendein Heini in irgendeinem Winkel der Welt begeht. Wenn wir von Verbänden sprechen, mag das schon wieder was Anderes sein.
Und ich hoffe, dass sie Recht behalten und noch mehr Deutsche gegen Pegida und ähnlichen (teils latent, teils offen) rassistischen Sch*** auf die Straße gehen!

@Khola Maryam Hübsch
Ich stimme grundsätzlich dem zu was sie über Angst, Irrationalität und Projektion sagen.

Eins jedoch irritiert mich (wird Frau Nussbaum hier nicht verzerrend wiedergegeben? müsste ich mal nachlesen)
"...enge Jeans, enthüllende Kleidung – all das behandelt Frauen als Objekte"

Wenn Muslima Kopftuch oder Burka tragen können, ohne deswegen per se unterdrückt zu sein (dem stimme ich zu!), dann können andere Frauen wohl auch enge Jeans und knappe Kleidung tragen, ohne zum "Objekt" zu werden. Solche Halbsätze in einem ansonsten recht sinnvollen Artikel unterstreichen die Nötigkeit nicht-rassistischer Religionskritik (die Pegida ganz sicher nicht liefert).

T.Baumann19.12.2014 | 14:56 Uhr

My dear Hasssan! We (and you too) are talking about TODAY and then you come and give us a history lesson of what happened in the last centuries or decades ago... Do you think I am stupid and cannot differenciate or don#t know the history of y own country? But sorry to say: You completely missed the point. And it is really funny to see what kind of personal accusations against me- instead of arguments - follow... It is really always the same, always the other ones are guilty or simply hate Islam. It is just one thing: ridiculous! What if I as an Atheist demand the same kind of public awareness and special treatment in society as Muslims in Germany do all the time? That's why I said, I cannot hear the world Islam anymore. Chalaas! What if I as an Atheist want to built an atheistic temple somewhere for example in a muslim country? Uhh.... Or if I would distribute Bibles or Atheistic books on a public ground in a muslim country? Uhh.... What if I as an Atheist want Ethic lessions in School instead of religious ones for my children in a Muslim country or make a special political party for Atheists in a Muslim all the time? God (or whoever) helps him.... Just breaking news from Ahram Online: A public service employee got accused just for making his Atheist believe known in Egypt. Anyhow he will loose his job, for sure he gets jail sentence. Tolerance? Sorry, but I can't stop laughing... DON'T ACCUSE OTHER ONES!

Soll ich das uebersetzen?

Ingrid Wecker19.12.2014 | 14:57 Uhr

Sehr gut, Khola. Wie heisst es so schön: Toleranz ist immer die Toleranz des Andersdenkenden (wobei nicht falsch verstandene Toleranz gemeint sein darf, das ist schon klar!).

Mariam19.12.2014 | 15:38 Uhr

Genau Frau Wecker. Dann mal los! ;)
Merken sie eigentlich, dass sie genau das Verhalten zeigen, dass sie Anderen unterstellen?

Die Tatsache, dass es Diskrimierung Andersgläubiger oder Nichtgläubiger in muslimisch geprägten Ländern gibt, ist ein Argument für.... was nochmal genau? Dass man es in Deutschland genauso machen sollte?

T.Baumann19.12.2014 | 16:11 Uhr

Frau Hübsch hat insofern Recht, dass niemand vor ihr Angst haben muss. Sie gehört zu einer friedlichen Spielart, den Ahmadiyya, von denen man zwar mal lesen konnten, dass sie Schweinefleisch für die Ursache von Homosexualität halten, aber vor dieser Ansicht muss man sich auch nicht fürchten.

Aber hat sie denn keine Bedrohung durch Fanatiker erlebt, wie etwa die muslimischen Eltern, die Adnan Maral in seiner ARD-Dokumentation "Gewalt im Namen Gottes" zeigte? Deren zu ISIL-Anhängern gewordenen Kinder, vor allem Söhne, setzten ihre Eltern massiv unter Druck, strenggläubig zu leben. Das passierte in Hamburg!

Man kann nicht erwarten, dass alle sich auf Qantara oder im Migazin differenziert informieren, bevor sie das Ausmaß der Angst vor dem Islam neu justieren und vielleicht zwischen verschiedenen Spielarten unterscheiden lernen.

Ganz harmlos ist diese Religion sicher nicht - und das von der Autorin zitierte Beispiel des Katholizismus ist dafür kein Gegenbeispiel, sondern eher Bestätigung. Die Befürchtungen waren da durchaus auch berechtigt, hatte doch der Syllabus errorum vor 150 Jahren die Menschenrechte und die Trennung von Kirche und Staat verurteilt. Und obwohl das 2. Vatikanische Konzil damit ein Jahrhundert später brach, wurde Pius IX. noch 2000 selig gesprochen. Der Vergleich spricht also eher für Angst vor einer mächtigen Religion als dagegen.

PEgIdA mag das ausdrücken, aber dass vor Monaten noch einem Aufruf auch der jüdischen Gemeinde Dresdens zu einer Gegendemonstration gegen einen Salafistenaufzug nur 150 TeilnehmerInnen Folge leisteten, zeigt mir, dass der antiislamische Ernst der aktuellen Montagsdemonstrationen zumindest zweifelhaft ist und mehr allgemeine Politikverdrossenheit eine Rolle spielte. Entsprechend findet man unter Menschen, die sich interviewen ließen, Argumente von PKW-Maut bis Ukraine-Berichterstattung.

Der letzte Absatz gefällt mir sehr gut:
"Wir müssen erkennen, dass unsere religionspolitische Ordnung sich angesichts der Pluralisierung unseres Landes verändern muss und die in den Grundrechten manifestierten Gerechtigkeitsprinzipien das Fundament darstellen. In einer solchen politischen Gemeinschaft kann es nicht darum gehen, die Vorstellungen der Mehrheit mit Verboten und Demonstrationen durchzusetzen."
Es darf aber schon gar nicht so weit kommen, dass die Vorstellungen der Minderheit mit Verboten und Demonstrationen durchgesetzt werden, und sei es nur, dass Lego einen Star-Wars-Bausatz vom Markt nehmen soll, weil er angeblich an eine Moschee erinnere.

Norbert Schnitzler19.12.2014 | 21:25 Uhr

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