Interview mit Henny Kreeft

Gräben zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen überbrücken

Hollands Muslimpartei NMP tritt erstmals bei den Kommunalwahlen 2010 an. Ihr Ziel: der rechtspopulistischen Partei Geert Wilders Paroli bieten und die Gleichberechtigung der Muslime zu fördern. Eren Güvercin hat sich mit dem neuen Vorsitzenden der Partei, Henny Kreeft, unterhalten.

Im kommenden Jahr will die niederländische Muslimpartei (NMP) erstmals an Kommunalwahlen teilnehmen. Ihr Ziel: der rechtspopulistischen Partei Geert Wilders Paroli bieten und die Gleichberechtigung der Muslime zu fördern. Eren Güvercin hat sich mit dem neuen Vorsitzenden der Partei, Henny Kreeft, unterhalten.

Henny Kreeft; Foto: Eren Güvercin
Kreeft: "Wir wollen den Graben zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen überwinden, das negative Islambild korrigieren und in die Jugend investieren."

​​ Herr Kreeft, Sie sind der Vorsitzende der neuen Partei NMP. Warum wurde die NMP gegründet?

Henny Kreeft: 2007 las ich in einem Zeitungsartikel, dass diese Partei von zwei niederländischen Muslimen gegründet worden sei. Ich rief daraufhin die beiden an und traf mich mit ihnen. Nach diesen Gesprächen fragten sie mich, ob ich mir vorstellen könnte, den Vorsitz zu übernehmen. Ich nahm mir etwas Bedenkzeit und entschloss mich schließlich dazu, die Herausforderung anzunehmen. Danach war ich auf mich gestellt und stand vor der Aufgabe, die Partei von Grund auf aufzubauen.

Die Gründung der Partei war ursprünglich eine Reaktion auf die Attacken gegen den Islam und die Muslime. Dessen war ich mir natürlich bewusst, wollte gleichzeitig aber keine Partei, die sich nur auf ein einziges Themenfeld beschränkt.

Die anti-islamische Partei PVV ist sehr erfolgreich in den Niederlanden. Wo sehen Sie die Gründe für ihren Erfolg?

Kreeft: Wenn man andauernd über die eigene Bedeutung redet, wird es irgendwann Leute geben, die schließlich davon überzeugt sind – vor allem dann, wenn auch die Medien dies tagtäglich aufgreifen. Nach dem 11. September gab es in Holland einige Probleme mit einigen Jugendlichen marokkanischer Herkunft. Herr Wilders machte dies zum großen Thema und brachte dies mit dem Koran in Verbindung.

Was kann die NMP Wilders' islamophoben Partei entgegensetzen?


Logo der NMP
Die Niederländische Muslimpartei (NMP) will bei den kommenden Kommunalwahlen in Holland in mindestens fünf großen Städten Kandidaten aufstellen.

​​ Kreeft: Zuerst müssen wir den Menschen erklären, dass der Islam nichts mit Krieg zu tun hat, sondern mit Werten wie Frieden, Solidarität und Familie. Wir wollen hier ganz normal leben, wie jeder andere auch. In unserem Programm steht, dass wir den Graben zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen überwinden und das negative Bild des Islam korrigieren wollen. Außerdem liegt uns daran, in unsere Zukunft zu investieren – und der beste Weg hierfür besteht darin, sich für unsere Jugend zu engagieren.

Glauben Sie denn, dass eine muslimische Partei hierbei tatsächlich einen positiven Effekt haben kann?

Kreeft: Natürlich. Muslime haben das demokratische Recht, ihre eigene Partei zu gründen, genauso wie Christen oder andere gesellschaftlichen Gruppen auch.

Worin bestehen die wesentlichen Ziele der NMP? Erklären Sie bitte, was darüber aus Ihrem Parteiprogramm zu erfahren ist.

Kreeft: Es geht uns vor allem darum, den Graben zwischen den Muslimen und den Nicht-Muslimen zu überbrücken, das Image des Islams aufzuwerten und in die Jugend zu investieren. Darüber hinaus wollen wir aber auch gegen das Burkaverbot angehen, denn das sollte der Entscheidung der Frau überlassen werden, gegen das Verbot von Ehen mit Frauen aus dem Mutterland und für eine bessere Jugendpflege sorgen und ähnliches mehr.

Sind in der NMP ausschließlich Niederländer oder auch Muslime anderer Nationalitäten vertreten?

Kreeft: Wir bemühen uns, Menschen verschiedenster Herkunft anzusprechen. Derzeit sind es vor allem Niederländer, aber auch Menschen mit marokkanischem Migrationshintergrund oder Menschen aus Bangladesch. Erreichen wollen wir aber auch Menschen aus der Türkei, Pakistan und Sikhs aus Indien.

Können Menschen, die wie Sie zum Islam konvertiert sind, vielleicht sogar eine besondere Rolle einnehmen, wenn es darum geht, anderen die Angst vor dem Islam zu nehmen?

Kreeft: Ich denke, dass es gerade an ihnen ist, Brücken in unserer Gesellschaft zu errichten und für Aufklärung zu sorgen. Es ist wichtig, dass wir mit allen Religionen zusammenarbeiten.

Wie stellt sich im Moment die Lage der Muslime in den Niederlanden dar? Nach der Ermordung Theo van Goghs war die Situation ja äußerst angespannt.

Kreeft: Mit Leuten wie Herrn Wilders ist die Situation natürlich sehr schwierig. Und solange ihm niemand widerspricht und seine Aussagen richtig gestellt werden, verschlechtert sich die Lage natürlich. Ein weiteres Problem besteht in den vielen rechtsgerichteten Internetseiten, auf denen jeder alles schreiben und anonym gegen jeden hetzen kann. Ich bin auf diesen Seiten schon vielfach verunglimpft worden oder ich wurde als Überläufer beschimpft.

Hat die NMP Chancen, bei den nächsten Wahlen einen Erfolg zu verbuchen? Wie sehen die Ziele der Partei aus?

Kreeft: Wir müssen zuerst mal auf die Kommunalwahlen im nächsten März warten und dann werden wir sehen, was die NMP in den Niederlanden erreichen kann. Ein Professor der Universität Amsterdam meint, dass wir möglicherweise Chancen hätten, vier Sitze im Stadtrat zu erringen. Ich wäre ja bereits froh, wenn wir in den Stadtratswahlen zwei Sitze zu erringen könnten. Im Augenblick haben wir mögliche Kandidaten in Almere, Amsterdam, Den Haag, Noordoostpolder und Rotterdam, um dort Ortsvereine zu bilden. Auch andere Städte sind im Gespräch.

Was ist die Kernbotschaft der NMP an die niederländische Gesellschaft?

Kreeft: Haben Sie keine Angst – wir wollen keine islamische Republik Niederlande! Wir sind nichts weiter, als eine niederländische Partei, die sich in den Grenzen des hiesigen Rechts bewegt und der sich jeder anschließen kann.

Wird die NMP auch von den arabischen oder türkischen Organisationen in den Niederlanden unterstützt?

Kreeft: Wir sind noch mit ihnen im Gespräch und müssen abwarten, was sie für uns tun können oder wollen.

Interview: Eren Güvercin

© Qantara.de 2009

Übersetzung aus dem Englischen von Daniel Kiecol

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