Lina Alabed; Foto: Irmgard Berner
Interview mit der Filmemacherin Lina Alabed

''Ich glaube an das syrische Volk''

Die 32jährige palästinensisch-jordanische Dokumentarfilmemacherin Lina Alabed berichtet im Interview mit Irmgard Berner über ihre neusten Filmprojekte, die Situation der Frau in ihrem Land und die politischen Aussichten nach dem Sturz des Assad-Regimes.

Frau Alabed, Sie sind in Damaskus aufgewachsen und leben jetzt in Beirut. Sind Sie dahin gezogen wegen Ihrer Arbeit als Filmemacherin?

Lina Alabed: Nein, ich musste einfach raus aus Damaskus. Es wurde mir zu eng, ich konnte nicht mehr richtig atmen. Und warum nicht Beirut, auf den ersten Blick ist die Stadt ja sehr charmant. Nur das wirkliche Leben ist es so gar nicht. Ich hatte zwar Anfang 2011 die Möglichkeit, wieder zu gehen. Doch dann begann die Revolution und ich konnte nicht mehr zurück nach Damaskus. Ich hatte auch Angst. Sogar meine Familie und Freunde rieten mir davon ab, weil es dort keine Sicherheit mehr gäbe.

Weshalb haben Sie sich zunächst für eine journalistische Ausbildung entschieden?

Alabed: Ich habe die Journalistenschule in Damaskus nur deshalb besucht, weil es dort keine Filmhochschulen gibt. Als Abschlussarbeit drehte ich einen Dokumentarfilm über einen syrischen Dichter. Danach drehte ich "Nour Alhuda" und gewann auf dem Doxbox-Dokumentarfilmfestival in Damaskus in der Kategorie bester syrischer Film. Darüber war ich sehr glücklich. Natürlich könnte ich viele Dinge realisieren, aber Filmemachen ist meine Passion. Mir war klar, dass man als fest angestellter Redakteur keine Zeit mehr hat, nebenher noch Drehbücher zu schreiben.

Worum geht es in Ihrem Film "Damaskus. Mein erster Kuss"?

Alabed: "Damaskus. Mein erster Kuss" ist mein dritter Film. Es geht darin um das sexuelle Bewusstsein der Frauen in Damaskus. Dieser Film entstand bereits vor der Revolution. Darstellerinnen sind Asma Kashtaro, die Enkelin des ehemaligen Muftis von Syrien, sowie Lina Shashazi, die aus einer berühmten christlichen Familie in Damaskus stammt.

Frau hält Fahne der Freien Syrischen Armee sowie einen Blumenstrauß; Foto: AP
Ernüchterung über den Aufstand in ihrer Heimat: "Ich denke ich, dass diese Revolution das Regime stürzen wird - und dann kommt die nächste Revolution, um alles wieder zurückzudrehen", sagt Lina Alabed.

​​Es sollte thematisch jedoch nicht um das christlich-muslimische Verhältnis, sondern um die Gesellschaft an sich gehen – um Tradition, nicht um Religion. Denn beide Frauen hatten mit denselben Problemen zu kämpfen, als sie jung waren: Sie durften nicht über ihre eigene Zukunft bestimmen. Aus dieser Erfahrung heraus wollten sie ihren eigenen Töchtern mehr Freiräume für eine bessere Zukunft eröffnen. Ich denke, das war der Anfang ihrer persönlichen Revolution – noch vor Ausbruch der wirklichen Revolution in Syrien.

Hat sich denn seither überhaupt etwas geändert?

Alabed: Natürlich sind alle tief betroffen von dem, was derzeit in Syrien passiert. Es fließt eine Menge Blut. Aber zumindest eins ist positiv hervorzuheben: Die Menschen haben keine Angst mehr, auch die Frauen nicht. Ich werde manchmal gefragt, wie ich diese Revolution unterstützen kann, angesichts der Gefahr, dass die Muslimbruderschaft womöglich die Kontrolle übernehmen könnte, wenn das Regime stürzt. Besorgt bin ich aber nicht wirklich – es sei denn, sie zwingen mich dazu, ein Kopftuch zu tragen.

Viele behaupten, dass der politische Islam die Lösung sei. Doch wenn die Islamisten erst einmal an die Macht gekommen sind, werden die Leute schnell einsehen, dass genau ihr Weg nicht die Lösung sein kann. Deshalb denke ich, dass diese Revolution das Regime stürzen wird - und dann kommt die nächste Revolution, um alles wieder zurückzudrehen. Es ist wirklich nicht einfach. Alles braucht seine Zeit.

Haben Sie dennoch Hoffnung?

Alabed: Ich bleibe optimistisch, weil ich an das syrische Volk glaube.

Interview: Irmgard Berner

© Qantara.de 2012

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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