Interreligiöser Dialog in der Praxis

Katholische Gemeinde sammelt für Moscheebau

Der Kölner Pfarrer Franz Meurer fördert den Dialog zwischen Christen und Muslimen: In Absprache mit Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand sammelt er Geld für die geplante Großmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Von Monika Griebeler

Pfarrer Franz Meurer; Foto: dpa
"Wenn jeder in seiner eigenen Welt lebt, dann finde ich das gefährlich", meint der katholische Pfarrer Franz Meurer

​​Für die kleine Kirchengemeinde Höhenberg-Vingst ist dies ein besonderer Sonntag. Vor fünf Jahren wurde die Kirche St. Theodor eingeweiht. Jetzt wird Kirchengeburtstag gefeiert. Aber weil bekanntlich Geben seliger denn Nehmen ist, hatte die katholische Gemeinde um Pfarrer Franz Meurer eine besondere Idee:

"Wir haben vor fünf Jahren von der Evangelischen Gemeinde eine wunderbare Bibel bekommen", erzählt Franz Meurer. "Und dann dachten wir: Sollen wir aus Freude darüber nicht auch ein Geschenk machen? Da kam uns plötzlich der Einfall: Moment, wir arbeiten doch so gut mit den Imamen von der DITIB-Moschee zusammen."

Daraufhin beschlossen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat einstimmig, der "Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religionen" (DITIB) etwas für ihre geplante Moschee zu schenken, die derzeit vom Architekten Paul Böhm geplant wird. Worin allerdings das Geschenk für die neue Moschee besteht, ist letztlich noch offen.

Populistische Kampagnen gegen Moscheebau

Doch gab es bereits auch Proteste gegen die Sammelaktion. Ein Grund für die "Entrüstung" war auch die Tatsache, das vor einiger Zeit im benachbarten Viertel ein Familienvater von vier jungen Türken niedergeschlagen wurde. Aber der 55-jährige Pfarrer der Kirchengemeinde Höhenberg-Vingst sieht in dem Geschenk auch eine Chance:

"Man muss immer diejenigen unterstützten, die vernünftig, menschenfreundlich und reflektiert miteinander arbeiten. Wenn jeder in seiner eigenen Welt lebt, in seiner Parallelgesellschaft, würde man heute sagen, dann finde ich das gefährlich", meint Franz Meurer.

Um Parallelgesellschaften zu verhindern, ist in den Stadtteilen Höhenberg und Vingst inzwischen ein enges soziales Netz entstanden. Jeder hilft dem anderen, unabhängig welcher Religion er angehört. Vor allem Jugendliche sollen so eine bessere Perspektive bekommen. Auch zum Gottesdienst kommen viele junge Menschen in die Kirche.

Geschenk als Auftakt für den Dialog

Die Moschee am Hauptsitz der DITIB wird eine der größten Deutschlands werden: Geplant sind zwei 55 Meter hohe Minarette, eine Kuppel und ausreichend Platz für mehr als 3.000 Gläubige. Im Herbst dieses Jahres soll mit dem Bau begonnen werden.

Proteste gegen die Moschee gab es viele, vor allem von der rechtspopulistischen Partei "ProKöln". Gerade deshalb freuen sich die Mitglieder der DITIB über die Aktion von Pfarrer Meurer, weiß deren Dialogbeauftragter Bekir Alboga:

"Ich finde, das ist toll und sehr tapfer von ihm – vor allem in einer Zeit, in der Rechtsradikalismus, Fremdenfeindlichkeit, aber auch Islamfeindlichkeit zunehmen -, dass ein katholischer Pfarrer sagt: 'Ich bin damit nicht einverstanden!' Das ist viel mehr wert als das Geld, was er uns schenkt", so Bekir Alboga.

Insgesamt sind schon jetzt über 2.000 Euro zusammen gekommen. Bis die Moschee steht, sammelt die Gemeinde weiter. Doch geht es nach dem Willen von Pfarrer Franz Meurer und Bekir Alboga, so bildet das Geschenk nur den Auftakt für einen dauerhaften Dialog.

Mitglieder der DITIB-Moschee haben St. Theodor bereits besucht, demnächst will Meurer mit seinen Katholiken zur DITIB fahren. So kann der christlich-islamische Dialog funktionieren, darin sind sich die beiden Männer einig.

Monika Griebeler

© DEUTSCHE WELLE 2007

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