Holocaust-Konferenz in Teheran

Nur eine weitere Provokation des Iran?

Begleitet von internationaler Kritik läuft derzeit eine Holocaust-Konferenz der iranischen Regierung. Mit seinem anti-israelischen Kurs schadet Präsident Ahmadinedschad dem Iran, meint Peter Philipp in seinem Kommentar.

Iranischer Geistlicher vor Modell des KZ Treblinka bei Holocaust-Konferenz; Foto: AP
Keine wissenschaftliche Veranstaltung, sondern vielmehr ein Wanderzirkus von Holocaust-Leugnern in Teheran.

​​Die iranischen Behörden haben in den letzten Tagen zu einem neuen Schlag gegen die Internet-Freiheit ausgeholt und dabei den Zugang zu regimekritischen Seiten gesperrt, ebenso zu Film- und Buchangeboten sowie selbst zu der freien Enzyklopädie "Wikipedia". Im ebenso klaren wie makabren Widerspruch dazu steht, was man in Teheran offiziell zur Abhaltung einer "Holocaust-Konferenz" erklärt: Man wolle Wissenschaftlern aus aller Welt Gelegenheit geben, Dinge zum Holocaust zu sagen, die sie in ihren Heimatländern nicht sagen dürften.

"Wissenschaftler" waren das schwerlich, die sich da in Teheran versammelt hatten, sondern eher der übliche Wanderzirkus von Holocaust-Leugnern, die nirgendwo ernst genommen werden. Und denen man mit Gesetzen gegen die "Auschwitz-Lüge" im Grunde ja nur noch einen Gefallen tut: Ohne die daraus resultierenden Prozesse könnten diese Leute sich nicht immer wieder aufs Neue produzieren und wären auf das reduziert, was sie eigentlich sind: Arme Irre. Wie schlecht muss es um den iranischen Präsidenten bestellt sein, dass er sich aus dieser Ecke Hilfe holt, um seine politischen Ziele zu verfolgen.

Wer immer sich im Iran für Geschichte interessiert, weiß natürlich, dass die Zweifel Ahmadinedschads am Holocaust Provokation ohne jede Grundlage sind: Es geht ihm nicht um historische Aufklärung, sondern darum, Israel als ungerechtfertigtes Produkt einer Völkermord-Lüge zu entlarven und damit seiner Forderung nach der Beseitigung Israels mehr Nachdruck zu verleihen.

Wie dankbar dürfte er gewesen sein, dass sich auch noch eine Handvoll ultraorthodoxer Juden im Teheraner Konferenzsaal befanden. Und merkte nicht, dass gerade diese Teilnehmer doch die düstere Strategie der Organisatoren entlarvten: Sie bestritten zwar nicht den Holocaust, aber sie betonten, dass sie den Staat Israel ablehnten. Der jüdische Staat dürfe nach Überzeugung orthodoxer Juden erst nach dem Eintreffen des Messias entstehen.

Der Messias aber lässt weiterhin auf sich warten. Und trotz allen Sendungsbewusstseins: Mahmoud Ahmadinedschad ist auch kein Messias. Er schadet dem Iran mit seinem Kurs, er treibt besonnene Iraner zur Verzweiflung und verprellt im Ausland Leute, die sich für berechtigte Interessen des Iran einsetzen.

Israel wird er damit nicht beseitigen und den israelisch-palästinensischen Konflikt nicht lösen. Und nur Wirrköpfe werden in Palästina und anderswo in der arabischen Welt Ahmadinedschad für einen Helden halten. Die meisten dort sind längst realistisch genug, Fakten – wie Israel und den Holocaust – zu akzeptieren und den historischen Kompromiss für Palästina zu fordern. Damit Palästinenser und Juden dort endlich in Ruhe und Frieden leben können.

Peter Philipp

© DEUTSCHE WELLE 2006

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