Sitt al-Shām: Patronin der Wissenschaften

In der Geschichte und klassischen Literatur gilt sie als Patronin der Wissenschaften und Künste. Bekannt wurde sie als großzügige Stifterin und Gründerin mehrerer Schulen. Ihr offizieller Name lautete Sitt al-Shām Zumurrud Khatun bint Najm al-Din Ayyub, die zweite Schwester von Saladin, dem ersten Sultan von Ägypten.

Sitt al-Shām widmete sich der Wohltätigkeit, förderte aber auch die Wissenschaften durch Gründung von zwei Schulen, den sogenannten Madrasas. Die erste ist die al-Madrasa al-Shamiyah al-Kubra. Sie wurde 1186 im syrischen Damaskus erbaut. Sitt al-Shām verpflichtete dort die besten Gelehrten der damaligen Zeit und bestand darauf, dass diese an keinen anderen Madrasas lehrten, damit sie sich voll und ganz ihren Studenten widmen konnten. Gleichzeitig stattete sie die Schule großzügig mit Geldern aus ihrem Vermögen aus.

Ihr eigenes Haus baute sie in eine weitere Madrasa um und entwickelte diese zu einer der größten und renommiertesten Madrasas in Damaskus. Als Leiter der Schule gewann sie den bekannten Gelehrten Ibn al-Salah.

Die Edelfrauen der Ayyubiden und die Bildung

Neben Sitt al-Shām hatten die Edelfrauen der Ayyubiden-Dynastie (die sogenannten Khatuns) großen Einfluss auf die Bildung, indem sie Schulen errichteten, die Wissenschaften unterstützten und Stiftungen gründeten.

Ein prominentes Beispiel ist Om Shams al-Mulûk, die eine Schule in Khatuniyah erbaute. Als Schirmherrin von Bildungsprojekten gründete sie Madrasas in Aleppo, Hama, Damaskus und Kairo.

Sultanin Raziah: Gründerin der Delhi-Schulen

Die Sultanin Raziah erbaute Hunderte von Schulen und Bibliotheken. Unter ihrer Regentschaft erblühten die Wissenschaften. Raziah war die Tochter von Sultan Shams ad-Din Iltutmish, der sein Leben als türkischer Sklave begann und als Sultan von Delhi beendete. Raziah war die einzige Frau, die jemals das Sultanat Delhi regierte, und die erste muslimische Regentin in Südasien.

Während ihrer Herrschaft als Sultanin von 1236 bis 1240 reformierte sie das Regierungssystem grundlegend. Sie galt im Volk als beliebt und ist bis heute dank zahlreicher Gedichte, Romane und Filme im kulturellen Gedächtnis Indiens verankert.

Sultanin Raziah; Quelle: Raseef22
Indiens populäre Sultanin: Raziah erbaute Hunderte von Schulen und Bibliotheken. Unter ihrer Regentschaft erblühten die Wissenschaften. Sie war die einzige Frau, die jemals das Sultanat Delhi regierte, und die erste muslimische Regentin in Südasien. Während ihrer Herrschaft als Sultanin von 1236 bis 1240 reformierte sie das Regierungssystem grundlegend. Sie galt im Volk als beliebt.

Königin Al-Adar Al-Karima: Gründerin der jemenitischen Madrasas

Al-Adar Al-Karima war die Mutter von König Ali Dawoud, dem fünften Regenten der Rasuliden-Dynastie im Jemen. Sie übernahm die Regierungsgeschäfte für 14 Monate, als ihr Sohn in Ägypten festgehalten wurde. Während dieser Zeit gelang es ihr, das Land zu stabilisieren und drohende Aufstände zu befrieden.

Sie hatte großen Einfluss auf das Bildungssystem im Jemen. So errichtete sie in der Stadt Zabid die Madrasa Islahiya sowie weitere Madrasas im Wadi Zabid und in Taiz. Bevor sie 1361 in Taiz starb, stattete sie jede Madrasa mit ausreichenden Mitteln zu deren Erhalt aus.

Tatar al-Hijaziyya

Die ägyptische Prinzessin Tatar al-Hijaziyya errichtete die Madrasa al-Amirah Tatar al-Hijaziyya mit angeschlossener Bibliothek, Moschee und einem Waisenhaus. Sie war Tochter von al-Malik an-Nasir Muḥammad bin Qalawūn, dem bedeutendsten Mamlukensultan der Bahri-Dynastie in Ägypten.

Khawand Baraka: Gründerin der Madrasa Umm al-Sultan

Khawand Baraka, Mutter des ägyptischen Mamluken-Sultans al-Aschraf Schaban, errichtete 1370 die Madrasa Umm al-Sultan Schaban. Im Eingangsbereich befand sich ein öffentlicher Brunnen, der Sabil. In dem Komplex aus Madrasa und Mausoleum wurde später ihr Sohn beigesetzt.

Naila Khatun: Gründerin der Madrasa Mouradia in Bagdad

Naila Khatun war die Frau von Murad Effendi Moktobjee, einem bekannten Adeligen des osmanischen Reichs im Irak. Nach dem Tod ihres Ehemanns brachte sie dessen Haus in Bagdad 1874 in eine Stiftung mit Namen Madrasat Mouradia ein.

Für ihre Schule verpflichtete sie einen Lehrer, einen Imam, einen Muezzin und mehrere Bedienstete und verfügte, dass sich rund um die Uhr stets 20 Studierende in der Schule aufzuhalten hatten.

Nana Asma'u: Lehrerin in Westafrika

Nana Asma'u, Tochter des Kalifen Usman dan Fodio, war Gelehrte, Dichterin und bekannte Förderin von Bildung und Wissenschaften. Im nördlichen Nigeria wird sie bis heute verehrt.

Nana Asma'u gründete eine Bewegung zur Unterrichtung von Frauen im Lesen und Schreiben sowie in verschiedenen handwerklichen Künsten.

Sie hinterließ einen reichen Schatz an literarischen Werken und Lehrgedichten. Ihre Schülerinnen wurden später selbst Lehrerinnen und gaben das erworbene Wissen an andere Frauen weiter. Mehrere Schulen und muslimische Frauenorganisationen sind nach ihr benannt.

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Leserkommentare zum Artikel: Pionierinnen der Wissenschaften

Ein sehr interessanter Beitrag, der mich allerdings umso trauriger stimmt, wenn ich bedenke wie es heute um die Frauen und um Bildung in den islamischen Ländern bestellt ist...

Ingrid Wecker29.05.2017 | 20:00 Uhr

Ich wusste gar nicht, dass eine Muslima jeweils das Athenaeum in Nimes und Konstantinopel (auch Magnaura Hochschule) gegründet hat.
"Universitäten" in Indien, Persien, China und anderswo nicht berücksichtig!
Vielleicht sollte man sich trotz aller Islamschwärmerei mit der Thematik etwas niveauvoller befassen...

astuga03.06.2017 | 15:40 Uhr