Elektronikband Schiller in Teheran

Der Reiz des Westens

Der Auftritt der Elektronikband Schiller gehörte zweifelsohne zu den musikalischen Highlights des postrevolutionären Iran – auch wenn sich nach der Hälfte des Konzertes in Teheran Ermüdungserscheinungen bei einigen Zuschauern beobachten ließen. Von Shahram Ahadi

Die Band Schiller in Teheran. Fünf Konzerte an fünf aufeinander folgenden Abenden in dieser Woche für 20.000 Zuschauer. Ort des Geschehens: Der große Saal des Innenministeriums der Islamischen Republik im Herzen der iranischen Hauptstadt. Der Auftritt der deutschen Elektronikband ist nicht nur für das iranische Publikum eines der großen musikalischen Highlights der postrevolutionären Ära. Auch die Elektronikmusiker der Band Schiller selbst werden sicher nicht oft in den Genuss einer solchen, teils exotischen, Erfahrung kommen. Ursprünglich waren zwei Konzerte geplant. Die Karten waren innerhalb von zwei Stunden ausverkauft, so dass man den Auftritt um drei weitere Abende verlängerte.

"Die ersten Kontakte entstanden etwa vor einem Jahr", so Mehdi Kashi, der die Konzerte von Schiller in Teheran veranstaltet. Ihm sei wichtig gewesen, dass die Band ihrer Musik in Teheran mit bestem Equipment, modernster Technik und nach europäischen Standards präsentieren kann, insbesondere in Sachen Lichttechnik.

Bekannte Musikgröße im Iran

Die Band Schiller, die 2019 ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert, ist in Iran kein unbekannter Name. Vor allem sind es die früheren Alben und Hits wie "I feel you" vom Beginn der 2000er Jahre, mit denen Schiller bei den iranischen Fans populär geworden ist.

Einer der Zuschauer auf dem Schiller-Konzert in Teheran ist Ramin Behna, ein bekannter Musiker im Genre Fusion und Elektronik. Der Name Schiller weckt bei Behna durchaus Nostalgie-Gefühle. Schiller spielt auf seinen Teheraner Konzerten allerdings nur Instrumentalstücke, die eher dem Genre "Ambient" zuzuordnen sind, also bei dem sphärische, sanfte Klänge dominieren.

"Das Konzert war von der Performance toll und ich bin als Musiker auf meine Kosten gekommen, keine Frage. Aber ich konnte auch schon in der Mitte des Konzertes Ermüdungserscheinungen bei den Zuschauern beobachten", so Behna.

Unterschiedliche Erwartungshaltungen

Behna führt dies auf die unterschiedliche Erwartungshaltung zurück. Ein Teil des Publikums verbinde mit Schiller eher die Hits und die Elektropop-Stücke aus den früheren Jahren. Ein anderer Teil sieht es als ein Event, bei dem man dabei sein muss. Schließlich handele es sich um eine westliche Gruppe - das sei schon Reiz genug.

Der finanzielle Aufwand, eine Gruppe wie Schiller in den Iran zu holen und Konzerte auf hohem Niveau zu veranstalten, ist ohne Zweifel groß. Die offiziellen Ticketpreise für die Teheraner Auftritte, zwischen 20 und 50 Euro, wurden bei Ebay-ähnlichen Internetportalen im Iran mit bis zu 100 Euro gehandelt.

Im Vergleich zu hiesigen Preisen und aktuellen Schiller-Konzerten in Deutschland (Normalpreis zwischen 49 und 69 Euro) mag das vielleicht günstig scheinen. Das ist es aber ganz und gar nicht, wenn man die Ticketpreise ins Verhältnis setzt zum iranischen Durchschnittseinkommen - oder wenn man sich im Vergleich dazu Ticketpreise für Konzerte bekannter iranischer Künstler vor Augen führt.

"Solche Auftritte tun der iranischen Musikszene trotzdem gut, weil sie eine neue Erwartungshaltung bezüglich des Niveaus und Standards beim Publikum erwecken", so der Musiker Ramin Behna. Dennoch beschäftigt ihn eine Sorge - und die betrifft "Made in the West" und "Made in Iran": "Wir haben auch in Teheran Festivals für Elektronische Musik. Es kommen aber vielleicht nur 100 Leute, um das zu sehen. Es darf nicht passieren, dass sich ein Trend entwickelt, dass zweit- oder drittklassige Musiker aus dem Westen aus lukrativen Gründen eingeladen werden und iranische Musiker oder Bands mit leeren Händen dastehen."

Damit sich das Land mehr öffnet, sei der direkte Kontakt wichtig, so Behna - also eine Zusammenarbeit iranischer und westlicher Musiker, etwa bei Musikprojekten und gemeinsamen Auftritten.

Shahram Ahadi

© Deutsche Welle 2017

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