Donald Trumps Reise zu drei Weltreligionen

Große Symbolik, leere Versprechen

US-Präsident Trump war auf Monotheismus-Tournee und hat mit Saudi-Arabien, Israel und dem Vatikan zentrale Heimstätten dreier Weltreligionen besucht – drei monotheistische Religionen in sechs Tagen. Bei dieser Reise ist zwar ein durchaus wahrscheinlicher Super-Eklat ausgeblieben. Dennoch ist dieser Ausflug kein Grund zur Freude. Alexander Görlach kommentiert.

In seiner Grundsatzrede zum Thema Islam sprach Trump vor allem und ausschließlich über den islamistischen Terrorismus. Herr Trump, der als Ziel des ersten Stopps seiner ersten Auslandsreise Saudi-Arabien ausgewählt hatte, nutzte dann die Plattform vor rund fünfzig sunnitischen Staats- und Regierungschefs aus der islamischen Welt, um dem Iran alle Schuld am Terror im Namen Allahs zu geben.

Die Faktenlage ist alles andere als stützend für diesen Fingerzeig Trumps auf den Iran. Zahlreiche Attentäter des 11. September kamen aus Saudi-Arabien. Die radikal-puristische, extreme Islam-Auslegung des Wahhabismus, dessen Wiege in Saudi-Arabien und der heute für islamistischen Terror überall auf der Welt Pate steht, ist auf Krawall gebürstet und alles andere als friedliebend, um es gelinde auszudrücken. Der Auftritt ist in dieser Hinsicht verunglückt. Das kann auch die richtige Betonung des US-Präsidenten, dass es im Kampf gegen den Terror nicht um den Kampf gegen die Religion des Islam gehe, nicht ausgleichen.

Alexander Görlach; Foto: David Elmes/Harvard University
Alexander Görlach ist Gastwissenschaftler an der Harvard Universität, wo er am "Center for European Studies" im Bereich Politik und Religion forscht. Görlach ist Senior Fellow des "Carnegie Council for Ethics in International Affairs" und Autor für die "New York Times".

Wie Eintrag in ein Jahrbuch einer Highschool

Der Aufenthalt in Israel hat den Präsidenten sichtlich überfordert. Sein Eintrag ins Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, achtzehn Worte knapp, ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. US-Medien haben die Worte Trumps mit einem Eintrag in ein Jahrbuch einer Highschool verglichen.

Die Vereinigten Staaten, die einer der engsten Verbündeten Israels sind, können kein Oberhaupt vertragen, dass im Umgang mit dem Holocaust zu einer unangemessenen Haltung und Ausdrucksweise neigt.

Über was im Anschluss im Vatikan Papst Franziskus und Donald Trump miteinander persönlich sprachen, gibt es keine Angaben. Der Präsident war beeindruckt, denn er sagte nach dem Treffen vor den Fotografen, dass er die Worte des Papstes nicht vergessen werde.

Die beiden Persönlichkeiten könnten verschiedener nicht sein: der eine leugnet den Klimawandel, der andere beschwört die Weltgemeinschaft in einer Rede vor den Vereinten Nationen, verheerende Folgen einer Erderwärmung zu verhindern.

Waffendeals statt Friedenslösungen

Der selbsternannte Deal-Maker Trump wollte in nur wenigen Tagen nichts weniger erreichen, als den Nahostkonflikt zu lösen. Der einzige Handel, der hingegen abgeschlossen wurde, war ein Waffendeal über 100 Milliarden US-Dollar.

Eine US-Administration, deren Außenminister als Handlungsanleitung ausgegeben hat, wonach in einem Konflikt zwischen Politik und Werten, die Politik die Oberhand habe, wird mit dem Koordinatensystem einer Religion wenig Überschneidung finden.

In einer Welt, in der Identitätskonflikte jederzeit in Kriege eskalieren können, ist eine sensible Alphabetisierung in religiösen Angelegenheiten eine Pflicht, wenn man wirklich als Friedensstifter wirken möchte. Donald Trump hat diese Sensibilität nicht. Religion und Donald Trump. Beide haben sich nichts zu sagen.

Alexander Görlach

© Qantara.de 2017

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