Donald Trump als Buchautor

"Amerikas Muskeln stärken"

Donald Trump ist in seinem Land bereits seit Langem auch als Buchautor und warnende Stimme bekannt. Was er im Nahen Osten plant, hat er schon geschrieben. Und es klingt beunruhigend. Von Joseph Croitoru

Das Programm, mit dem Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat, findet sich im Wesentlichen in seinem Buch "Great Again! Wie ich Amerika retten werde". Im Mai 2015 war es auch in Deutschland erschienen, wurde aber von den hiesigen Medien kaum wahrgenommen - anders als vom Publikum: Laut Plassen-Verlag ist bereits die dritte Auflage erschienen. Der deutschen Leserschaft war Trump bis dahin hauptsächlich als Verfasser von Bestsellern mit Ratschlägen zum Reichwerden bekannt.

In seinem Heimatland, wo schon im vergangenen Sommer geschätzte 200.000 Exemplare seines jüngsten Buches verkauft waren, kennt man ihn aber schon länger auch als Autor programmatisch-patriotischer Werke. In diesen hat er nicht nur seiner Sorge um die Zukunft der USA Ausdruck verliehen, sondern auch Zukunftsvisionen entworfen.

So legte er im Jahr 2000 "Das Amerika, das wir verdienen" vor und 2011 "Es wird Zeit, hart zu werden. Amerika wieder zur Nummer eins machen" - oder "wieder groß machen", wie die Taschenbuchausgabe nahelegte.

Daher rührt auch das "Great Again!" im Titel der jüngsten deutschen Übersetzung, die als eine Art Aktualisierung der beiden erwähnten Bücher betrachtet werden kann. Alle drei Werke haben ähnliche Schwerpunkte, und besonders interessant ist Trumps Sicht auf die Außen- und Sicherheitspolitik, vor allem im Hinblick auf den Nahen Osten und die Terrorbekämpfung.

Größte Gefahr für die Weltsicherheit

Zu Beginn des Jahrtausends empfahl der amerikanische Milliardär gegen Nordkorea großspurig einen "chirurgischen Schlag". Der sollte indirekt auch den weiteren "konspirativen Verbündeten" der kommunistischen Diktatur, den Staaten Irak, Iran, Libyen und China, eine Warnung sein, die aus Trumps Sicht die größte Gefahr für die Weltsicherheit darstellten - neben Bin Ladens Al-Qaida, deren Gefahrenpotenzial und Folgen Trump damals fast schon prophetisch vorhersagte: "Ich bin wirklich davon überzeugt, dass wir in der Gefahr eines Terrorangriffs sind, der den Bombenanschlag auf das World Trade Center (1993) aussehen lässt wie Kinder, die mit Knallfröschen spielen", schrieb er und fuhr fort: "Eines Tages wird uns erzählt werden, eine finstere Gestalt ohne festen Wohnsitz mit Namen Usama Bin Laden sei Staatsfeind Nummer eins, und amerikanische Kampfjets werden sein Lager in Afghanistan plattmachen.

"Den Iran und den Irak sah der Geschäftsmann damals auf dem Weg zur Atombombe, die Führung in Teheran als den gefährlicheren Feind von beiden - wegen der hochentwickelten iranischen Nukleartechnik im Land und der Raketen, die bald amerikanischen Boden würden erreichen können.

Saudischer Terrorpate Usama Bin Laden; Foto: Getty Images/AFP
"Eines Tages wird uns erzählt werden, eine finstere Gestalt ohne festen Wohnsitz mit Namen Usama Bin Laden sei Staatsfeind Nummer eins, und amerikanische Kampfjets werden sein Lager in Afghanistan plattmachen."

Seit 2011 stellte der Iran für Trump eine besonders große Gefahr dar. Denn die US-Invasion in den Irak, vor der er gewarnt habe, habe Washington nicht nur Unsummen gekostet, sondern den iranischen Einfluss in der Region erheblich wachsen lassen. Gemäß seinem bis heute weitgehend unveränderten Credo, dass die Länder, denen die Vereinigten Staaten militärischen Schutz gewähren, dafür auch zur Kasse gebeten werden müssten, forderte Trump damals, Amerika solle sich das gesamte irakische Erdöl "holen".

Das der Außenpolitik gewidmete Kapitel war überschrieben mit "Amerikas Muskeln stärken". Als "konkurrierende und feindliche Länder" waren - in dieser Reihenfolge - China, Russland, Iran, Pakistan und Libyen aufgeführt.

Trump griff Präsident Barack Obama scharf an, warf ihm Unentschlossenheit gegenüber der iranischen Führung vor. Oberstes Ziel der amerikanischen Außenpolitik gegenüber Teheran müsse es sein, seinen nuklearen Bestrebungen auch deshalb ein Ende zu setzen, weil das radikale iranische Regime seine Atomwaffen entweder selbst einsetzen oder Terroristen zur Verfügung stellen werde, schrieb Trump 2011.

"Wertloser Atomvertrag"

In seinem neuen Buch finden Pakistan und Libyen, die Trump noch vor einem halben Jahrzehnt als instabile und undankbare Länder für die geleistete US- Militärhilfe zur Kasse bitten wollte, keine Erwähnung mehr. Im Kapitel "Außenpolitik: Kämpfen für den Frieden" wendet sich Trump vor allem den Gegnern "Islamischer Staat", dem Iran und als letztem China zu.

Schon in der Einleitung klagt Trump darüber, dass der russische Präsident Wladimir Putin, den er persönlich sehr schätze, Barack Obama ausmanövriert und in Syrien eine Koalition zusammengestellt habe, die ihn bald als den "einzigen fähigen Anführer der Welt" dastehen lassen würde. In dem Kapitel über Außenpolitik werden bekannte Klagen wiederholt: Milliarden Dollar seien im Nahen Osten versenkt worden, und Israel, Amerikas wichtigsten Verbündeten in der Region, habe man vor den Kopf gestoßen.

Neu ist freilich die Verurteilung des Iran-Abkommens als "wertlosen Atomvertrag". Die Folge dieser Politik aus Trumps Sicht: "Die Vorstellung von amerikanischer Größe, von unserem Land als Anführer der freien und der unfreien Welt, ist verblasst." Trumps Rezept dagegen ist die selbstauferlegte Verpflichtung, zu Abschreckungszwecken die stärkste Militärmacht der Welt zu unterhalten, was die unter amerikanischem Schutz stehenden Verbündeten finanziell mittragen sollen - das erwartet Trump jetzt auch von Deutschland.

US-Soldaten während der Invasion im Irak (2003); Foto: AFP/Getty Images
Zugriff auf den Irak als "Tankstelle" der Vereinigten Staaten: Die US-Invasion in den Irak 2003, vor der Trump gewarnt habe, habe Washington Unsummen gekostet. Gemäß seinem bis heute weitgehend unveränderten Credo, dass die Länder, denen die Vereinigten Staaten militärischen Schutz gewähren, dafür auch zur Kasse gebeten werden müssten, forderte Trump, Amerika solle sich das gesamte irakische Erdöl "holen".

"Der Armeeführung freie Hand lassen"

Aus Sicht des designierten amerikanischen Präsidenten setzt die Aufrüstung die ständige Bereitschaft zur Gewaltanwendung voraus. Anders als im Fall des Iran, bei dem seiner Forderung nach einem Ende des gesamten Atomprogramms keine konkreten Handlungsempfehlungen folgen, hält Trump die Anwendung von Gewalt gegen den IS für nötig, zumal die Terrormiliz jetzt im Irak und in Syrien auf dem Öl sitze, das sich die Amerikaner schon längst hätten "holen" sollen: "Falls es die Militärberater empfehlen, sollten wir eine begrenzte - aber ausreichende - Zahl an Bodentruppen abstellen."

Wie denkt darüber sein künftiger Sicherheitsberater Michael Flynn? Auch er hat im vergangenen Sommer ein Buch veröffentlicht, mit dem besonders kämpferischen Titel "Das Schlachtfeld. Wie wir den globalen Krieg gegen den radikalen Islam und seine Verbündeten gewinnen können". Als Hauptgegner werden hier der IS und der Iran ausgemacht und stellenweise miteinander verwoben, auch in Bezug auf eine mögliche Bedrohung durch Nuklearwaffen.

Für Flynn ist die militärische Aufgabe im "Weltkrieg" gegen den radikalen Islam wohlgemerkt die leichtere: Man müsse, sagte er bei der Buchpräsentation, nur der Armeeführung freie Hand lassen. Die schwierigere sei, den Islamismus - der die Amerikaner nicht nur physisch bedrohe, sondern ihnen mittlerweile vielerorts in ihrem eigenen Land die Scharia aufzwinge - nicht nur als Feind zu erkennen, sondern sich auch politisch dazu eindeutig zu bekennen.

Nicht nur die Ansicht, beim Kampf gegen den dschihadistischen Terrorismus gehe es auch um den Schutz amerikanischer Grundwerte, lässt den designierten Verteidigungsminister James Mattis als einen Gesinnungsgenossen von Trump und Flynn erscheinen. Ähnlich wie sie sieht auch er im Iran einen Feind, der Amerikas Verbündete im Nahen Osten als "angriffslustigster Akteur" der Region am meisten gefährdet. Mattis zufolge steht der IS Teheran nahe: "Iran ist kein Feind des IS", konstatiert er.

Bereits 2014 hatte sich Mattis für einen Bodeneinsatz gegen den IS mit einer "passenden Truppenzusammensetzung" ausgesprochen. Er verurteilte damals die kategorische Ablehnung der Obama-Regierung, Bodentruppen einzusetzen, und diffamierte im August 2015 im "Time"-Magazin ihre Militärpolitik in der Region als "planlos". Militärpolitisch wird sich in Washington unter Trump einiges ändern. Fragt sich nur, was die Konsequenzen sein werden.

Joseph Croitoru

© Deutsche Welle 2017

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