"Dol" von Hiner Saleem

Filme machen für Kurdistan

Fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit entwickelt sich im kurdischen Teil des Irak eine bescheidene Filmindustrie. Auf der diesjährigen Berlinale stellte Hiner Saleem mit "Dol" einen weiteren kurdischen Film vor. Von Ariana Mirza

Filmszene aus Dol; Foto: www.dol-der-film.de
Eine Landschaft von schroffer und bizarrer Schönheit - Filmszene aus Dol von Hiner Saleem

​​Azad, den Protagonisten von Hiner Saleems Drama "Dol", führt seine Odyssee durch drei Staaten. Und doch verlässt er niemals kurdisches Gebiet. "Bermudadreieck" wird das Dreiländereck Türkei, Iran, Irak in diesem Film ironisch genannt. Es ist eine Landschaft von schroffer und bizarrer Schönheit, die Saleems Held auf der Suche nach einem freien, selbst bestimmten Leben durchstreift. In "Dol" wird die Einheit des kurdischen Volkes in wunderbar fotografierten Bildern beschworen, in rätselhaften Dialogen und nicht zuletzt in der Musik.

Auch der Titel des Films verweist auf Musik. "Dol" ist ein kurdisches Wort, das dreierlei bedeuten kann: Tal, Trommler und Trommel.

Hölzerner Held

Vieldeutigkeit scheint nicht nur eine Eigenheit der gesprochenen kurdischen Sprache zu sein, auch die Filmsprache, die Hiner Saleem wählt, um seine Geschichte zu erzählen, ist nicht einfach zu entschlüsseln. Ironie und Poesie gehen nahtlos ineinander über, lakonische Episoden werden pathetischen Szenen gegenüber gestellt. ​​

Die Handlung führt Figuren und Themen ein, um sie im nächsten Augenblick wieder zu verlassen. Aufgrund dieser sprunghaften Inszenierung bleibt selbst der Filmheld Azad seltsam fremd, obwohl dessen Reise im Mittelpunkt des Geschehens steht. Zu wenig gibt dieser unschuldig verfolgte Flüchtling von sich preis, zu hölzern ist die Darstellung von Nazmi Kirik.

Filmischer Appell für Rechte der Kurden

Filmszene aus Dol; Foto: www.dol-der-film.de
"Dol" kann als filmischer Appell für die Rechte der Kurden gewertet werden

Als politische Botschaft ist der Film hingegen einfach und eindeutig zu interpretieren. "Dol" berichtet davon, dass die Kurden im autonomen Teil des Irak endlich von Fremdherrschaft und Verfolgung befreit sind. Und dass diese Freiheit von ihren Landsleuten im Iran und in der Türkei bitter ersehnt wird. Insofern kann "Dol" als filmischer Appell für die Rechte der Kurden gewertet werden. Und als Beweis dafür, wie wichtig die kurdische Regionalregierung die Kulturförderung nimmt. ​​

Nachdem schon im vergangenen Jahr die Dreharbeiten zu Bahman Ghobadis Berlinale-Beitrag "Schildkröten können fliegen" logistisch unterstützt wurden, beteiligte sich die Regionalverwaltung diesmal sogar finanziell an der Filmproduktion. "In diesem Kurdistan haben wir völlige Freiheit, Filme zu drehen, zu schreiben, kreativ zu sein", berichtete Hiner Saleem auf der Berlinale. Der 43-jährige Regisseur, der Jahrzehnte im französischen Exil verbrachte, verwies darauf, dass die Filmkunst eine relativ neue Kunstform für Kurdistan sei. Umso mehr freue er sich, wie aufgeschlossen Verwaltung und Bevölkerung auf die Dreharbeiten reagiert hätten.

Ob Saleems filmischer Appell das westliche Kinopublikum berührt, bleibt jedoch trotz der positiven Entstehungsgeschichte fraglich. Zumindest auf der Berlinale stieß die kryptische Erzählweise von "Dol" vielfach auf Unverständnis. Auch einige in Deutschland lebende Kurden äußerten nach der Premiere offen ihren Unmut. Regisseur Hiner Saleem reagierte souverän auf die Kritik seiner Landsleute und nutzte die Attacken sogar zu einem politischen Statement: "Ich freue mich, dass wir uns hier in einem Land befinden, in dem jeder seine Meinung sagen darf."

Ariana Mirza

© Qantara.de 2007

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