Blick auf die neue Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld; Foto: picture-alliance/dpa
Die Kölner Zentralmoschee in Ehrenfeld

Offen für jedermann

Auch wenige Monate vor ihrer Fertigstellung hält die Debatte um die Kölner Zentralmoschee an, obwohl sich die Kontroversen mehr um Architektur und Standort des Bauwerks drehen als um politische und gesellschaftliche Konflikte. Einzelheiten von Zulfikar Abbany

Sie soll eine Begegnungsstätte werden, wo Menschen zusammen treffen, sich kennenlernen, miteinander feiern, beten, egal, welcher Religion sie angehören. Ein Symbol für gelungene Integration, für friedliches Mit- und Nebeneinander von Muslimen und Nicht-Muslimen.

Doch als die Pläne für die Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) in Köln - die größte in Deutschland - veröffentlicht wurden, nutzten die Gegner die Gelegenheit und brachen eine fundamentale Debatte über die islamische Gemeinde in Köln vom Zaun.

Ganz vorne mit dabei: Die rechtsgerichtete "Pro-Köln"-Bewegung. Sie forderte einen Baustopp und machte mit allerhand islamfeindlichen Parolen die sowieso schon skeptische Kölner Bevölkerung nervös.

Aus einem anderen Lager kommt einer der prominentesten Kritiker: der Publizist Ralph Giordano. Er sieht den Integrationsprozess in Deutschland in Gefahr. Nach wie vor wird in Köln über die Moschee heiß diskutiert. Doch die Debatte hat sich verlagert. Mittlerweile geht es mehr um Architektur und Lage des Bauwerks als um Probleme des Miteinanders.

Architekt Paul Böhm mit dem Modell der Moschee; Foto: AP
Für den Architekten Pau Böhm ist die Konstruktion der Kölner Zentralmoschee in sich ein Akt der Integration.

​​Architekt Paul Böhm ist davon überzeugt, dass die Moschee schon jetzt, ein gutes halbes Jahr vor ihrer Eröffnung, ein Akt der Integration ist.

"Es ist eins der wichtigsten Gebäude, die ich jemals entworfen habe. Das bringt mich in die Lage, etwas für die Allgemeinheit zu tun und nicht nur für eine bestimmte Gruppe."

Ein offenes Haus für alle

Spricht man mit Befürwortern der Moschee, fallen schnell Begriffe wie "offen", "einladend" oder "hell". Genau das will Paul Böhm mit seinem Baustil erreichen: "Die Gebetshalle ist offen und dann haben wir diesen riesigen Innenhof, der Menschen aus allen Religionen einladen soll."

Die Kuppel öffnet sich nach oben wie eine Knospe – eingerahmt wird sie quasi von den zwei schlanken Minarett-Türmen, die sich in einer eleganten Drehung nach oben hin verjüngen.

Vor Baubeginn im November 2009 waren es vor allem diese beiden Türme, die für den größten Ärger gesorgt hatten. Viel zu hoch seien sie, hieß es vor allem aus den Reihen von "Pro-Köln". Nach ursprünglichen Plänen sollten sie nämlich noch höher sein. Damit hätten sie allerdings den Kölner Dom, das alte christliche Wahrzeichen Kölns, überragt.

Der Dom hat den Status des Weltkulturerbes, der in jüngster Vergangenheit durch andere Kölner Bautätigkeiten ohnehin schon in Frage stand. Nach endlosen Diskussionen im Stadtrat, in den Medien und an Stammtischen kam schließlich der Kompromiss zustande: Die Minarette werden niedriger gebaut werden.

Mitglieder von Pro Köln demonstrieren gegen den Bau der Moschee in Köln-Ehrenfeld; Foto: DW
Seit den ersten Plänen für die neue Zentralmoschee in Köln mobilisiert die rechtsgerichtete "Pro-Köln" mit islamfeindlichen und xenophoben Slogans gegen das Projekt.

​​Ayse Aydin von der Türkisch-Islamischen Union in Köln fand diese Debatte oft sehr schmerzhaft. Aber auch nützlich: Sie konnte beobachten, dass die Kölner Interesse für die türkischen Mitbürger gezeigt und einiges über sie gelernt haben: "Solche Begegnungsstätten sind offene Plätze für jedermann. Gebäude wie diese Moschee können den Menschen die Angst vor dem Fremden nehmen und sind eine wichtige Plattform für Kommunikation."

Meilenstein der religiösen Architektur

Vielleicht braucht Köln auch neue architektonische Schätze. Nachdem die Stadt im Zweiten Weltkrieg so zerbombt wurde, dass nur noch wenig alte Bausubstanz übrig geblieben ist, wurde sie schnell wieder aufgebaut – ohne dass man auf städtebauliche Ästhetik achtete. Gelinde gesagt: Köln ist nicht unbedingt schön.

Warum soll eine Moschee wie diese nicht das Stadtbild erweitern? Sie ist eines der wenigen großen Bauwerke in Köln, die nicht aus Glas und Stahl bestehen, sondern einen ganz eigenen Reiz haben: den Reiz des islamischen Architektur-Erbes.

"Die Moschee ist ein Meilenstein der religiösen Architektur in Deutschland", findet der Kölner Professor für Architekturgeschichte Norbert Nußbaum. Aber sie sei auch eindeutig türkisch. Dieses Gebäude könne überall in der Türkei stehen.

"Es hat diese typische Form, die oft in der osmanischen Architektur zu finden ist. Es ist also eine türkische Moschee inmitten der islamischen Diaspora." Nußbaum glaubt, dass viele Muslime sich hier zu Hause fühlen werden, schließlich habe der größte Teil der islamischen Gemeinde in Deutschland türkische Wurzeln.

Im 16. Jahrhundert hatte die osmanische Baukunst ihre Blütezeit. Charakteristisch waren auch die prächtigen Mosaike, die bis heute noch den türkischen Sakralbau beherrschen. Die Frage, ob solche Elemente auch in der Kölner Moschee zu finden sein werden, ist noch offen.

Bei der Eröffnung im kommenden Frühjahr wird der einzige Schmuck im Innern das Licht sein, das sich durch die hohen Fensteröffnungen in den Raum ergießt. Möglicherweise werden später noch klassische osmanische Elemente eingebaut. Die Türkisch-Islamische Union wünscht sich aber erst mal, dass die Moschee mit der Gemeinde wächst. Über die Gestaltung des Innenraums will man später nachdenken.

Umtost vom Verkehr

Der Standort der Moschee ist gewöhnungsbedürftig. Eingerahmt ist das Gotteshaus auf der einen Seite von einer viel befahrenen sechsspurigen Hauptverkehrsstraße. Auf der anderen Seite steht eine der wenigen innenstädtischen Tankstellen.

Das mag einigen nicht würdig erscheinen, für einen so spirituellen Ort wie diesen. Architekt Paul Böhm lacht, wenn er darauf angesprochen wird. "Dann hoffe ich, dass mein Entwurf so stark ist, dass die Tankstelle nicht mehr auffällt."

Blick auf die neue Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld; Foto: picture-alliance/dpa
Nicht unumstrittener Standort bei Stadtplanern und Architekten: Die Zentralmoschee liegt an einer sechsspurigen, stark befahrenen Kreuzung.

​​Auch die Kölner Architektin Susanne Gross ist der Meinung, dass die Tankstelle "irrelevant" ist: "Wer weiß, ob die in 30 Jahren noch da steht."
Ob der Verkehr nun auch zahlreiche Nicht-Muslime hierher locken wird, lässt sich nicht sagen.

Doch vielleicht ist dieser Platz auch bewusst gewählt worden – genau aus diesem Grund. Städteplanerin Susanne Gross ist davon überzeugt, dass die Architektur dieselbe Kraft haben kann wie die Kunst. Weil sie Menschen zusammenbringen kann.

Auch Paul Böhm glaubt an diese Kraft. "Wir können Angebote machen – wir können es möglich machen, dass Männer und Frauen zusammen beten können, und dass Nicht-Muslime hier herkommen. Aber es ist eben nur ein Angebot. Jetzt sind die Leute gefragt, dieses Gebäude zum Leben zu erwecken."

Die meisten neuen Gebäude brauchen ihre Zeit, bis sie "angekommen" sind, bis ihre Umgebung sich an sie gewöhnt hat. Im Fall der Kölner Moschee hat dieser Prozess schon längst begonnen.

Zulfikar Abbany

© Deutsche Welle 2011

Redaktion: Arian Fariborz /Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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