Bülent Arslan

Als Muslim in der CDU

Bülent Arslan ist türkischstämmiger Politiker, gläubiger Muslim und Mitglied einer Partei, die sich unter anderem auf christliche Werte beruft, der CDU. Peter Philipp hat mit ihm gesprochen.

Bülent Arslan, 1975 in der Türkei geboren, ist zielstrebig. Als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen, beantragte er mit 22 Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit und macht seitdem erfolgreich Karriere in der Politik:

Der sportlich-dynamische "City Manager" für Wirtschaftsförderung in der Stadtverwaltung Langenfeld ist Vorsitzender des "Türkischen Forums in der CDU" und gehört dem Landesvorstand Nordrhein-Westfalen der CDU an. Als Muslim einer Partei anzugehören, die die Bezeichnung "christlich" im Namen führt - darin sieht Arslan jedoch keinen Widerspruch.

Partei nicht nur für Christen

"Die CDU sagt in ihrem Grundsatzprogramm, dass sie eine Partei ist, die sich auf Werte stützt, die dem Christentum entnommen sind. Aber sie sagt bewusst: Sie ist nicht eine Partei ausschließlich für Christen, sondern sie spricht bewusst auch Nichtchristen an", meint Arslan.

"Und wenn man sich die Werte ansieht, die im CDU-Grundsatzprogramm enthalten sind, dann sind das alles Werte, die man als aufgeklärter Muslim auch im Islam wieder finden kann: Gerechtigkeit, Freiheit, die Bedeutung der Familie beispielsweise, und ich denke, dass ich da nicht zu einer Ausnahme in Deutschland gehöre. Umfragen zeigen, dass rund 50 bis 60 Prozent der in Deutschland lebenden Türken konservativ eingestellt sind, also religiöse, wertgebundene Menschen sind. Das ist meiner Meinung auch ein Potential für die CDU".

Wenn er selbst auch kein Problem in dem augenfälligen Widerspruch sehe – wie steht es mit den Anderen? Wie reagieren andere Muslime, aber auch Nichtmuslime darauf, dass Nichtchristen hier in einer "christlichen" Partei aktiv werden?

"Diese Frage nach dem "C" und dem Muslim kommt fast ausschließlich von deutscher Seite. Unter den Türken scheint es überhaupt kein Problem und überhaupt kein Thema zu sein. Wenn, dann geht es eher um inhaltliche Dinge, wie die Türkeipolitik oder die Integrationspolitik."

Der Muslim vom Dienst?

Arslan bedauert nur, dass man ihn in der Partei noch etwas zu sehr auf Fragen der Integrationspolitik festlegt und er sich noch nicht auf dem Gebiet entfalten könne, das ihn eigentlich mehr interessiert: die Wirtschaftspolitik.

Er spricht es nicht aus, scheint es aber zu spüren: Leute wie er werden von der Partei gebraucht, um Wählerstimmen unter den eingebürgerten Muslimen zu sammeln. Spielt er deswegen noch die Rolle eines "Muslims vom Dienst"?

"Wahrscheinlich noch, ja. Man muss auch sehen, dass es ja noch sehr wenige Aktive in allen Parteien sind, und die ersten, die sich da tummeln, haben natürlich auch so etwas wie eine Vorzeigefunktion. Aber ich denke, das ist völlig normal. Wichtig ist nur, dass es weitergeht.

"Und dass dadurch auch noch mehr Menschen in die Partei kommen. Und was die CDU betrifft: Es gibt bundesweit heute mittlerweile 2.000 türkischstämmige CDU-Mitglieder – immer noch viel zu wenig, verglichen mit dem Bevölkerungsanteil – aber man kann nicht mehr von Ausnahmen reden. Und die Zahl steigt stetig an".

Entstehung eines "deutschen Islam"

Eine solche wachsende Beteiligung von Muslimen an der Politik in Deutschland werde eines Tages gewiss zu einer Art "deutschen Islam" führen, bei dem die Muslime in Deutschland voll integriert seien in die Gesellschaft und in ihr dieselben Aufgaben und Funktionen übernähmen wie Mitglieder der nichtmuslimischen Mehrheit.

Gleichzeitig könnten die Muslime in Deutschland eine wichtige Brücke zur islamischen Welt darstellen und auf beiden Seiten zum Abbau von Vorurteilen und Angst beitragen:

"Wichtig ist, dass man in dieser Frage den muslimischen Gesellschaften die Freiheit gibt, sich zu entwickeln, sich zu entfalten", so Arslan. "Und nicht von außen ein Demokratieverständnis, ein Werteverständnis aufzuoktroyieren versucht. Was dann in der islamischen Welt ankommt, ob eben ein Lebensverständnis, ein politisches Verständnis 'aus dem Westen' – wie es in der islamischen Welt heißt – dort ankommt, das ist, glaube ich, sehr, sehr wichtig, um dort Akzeptanz herzustellen."

Peter Philipp

© DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2004

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