Im März 2016 begeht Zarrab die Unvorsichtigkeit, mit Frau und Tochter nach Disneyland in Florida zu reisen. Am Flughafen in Miami wird er festgenommen. Ein Jahr später verhaftet das FBI auch Mehmet Hakan Atilla, Manager der türkischen Halkbank, bei der Zarrab Konten hat. Die Amerikaner schnappen sich Atilla am Flughafen in New York. Der türkische Banker wollte offenbar an einem Fachkongress teilnehmen.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft New York gegen Zarrab und Atilla sowie die Gerichtsverhandlung Ende 2017 lassen die Geschichte nun in neuem Licht erscheinen. Es wird deutlich, wie tief die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika von Beginn an in die Sache involviert gewesen ist.

Ein "ökonomischer Dschihad"

Amerikanische Behörden waren Zarrab und seinem Netzwerk schon auf der Spur, lange bevor die türkischen Ermittler sich für die Sache interessierten. Die New Yorker Staatsanwälte zitieren eine Email, mit der Zarrab sich an die iranische Zentralbank wandte. Der Goldhändler bietet darin der iranischen Führung seine Hilfe dabei an, trotz feindlicher Sanktionen die Handelsbeziehungen Irans mit dem Ausland aufrecht zu erhalten.

Zarrab nimmt in dem Schreiben Bezug auf Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei und dessen Wort vom "ökonomischen Dschihad". Er präsentiert sich als guter Staatsbürger der Islamischen Republik, der diese Parole nur als Auftrag verstehen kann, die Sanktionen zu konterkarieren.

Gerichtszeichnung zeigt den früheren Vize-Chef der türkischen Halkbank, Mehmet Hakan Atilla, bei seiner Aussage vor einem Gericht in New York; Foto: pictue-alliance/AP/Elizabeth Williams
Wegen umstrittener Goldgeschäfte mit dem türkisch-iranischen Geschäftsmann Reza Zarrab am Pranger: Ein New Yorker Geschworenengericht hatte Anfang Januar 2018 den früheren Vize-Chef der türkischen Halkbank, Mehmet Hakan Atilla, des Bankbetrugs und der Verschwörung zur Umgehung der Iran-Sanktionen schuldig befunden. Nach dem Urteil im New Yorker Prozess droht dem Banker eine lange Haftstrafe.

Diese Email ist vom 3. Dezember 2011. Außerdem zitieren die US-Ankläger Emails von iranischen Bankmitarbeitern und Vertretern der nationalen Ölgesellschaft, die im Laufe des Jahres 2011 verschickt worden seien. Darin zeigen sich die Iraner alarmiert darüber, dass Geldüberweisungen für Öllieferungen ins Ausland nicht mehr ausgeführt werden konnten. Die türkischen Ermittlungen beginnen, wie gesagt, erst im Januar 2013.

Woher haben die Amerikaner ihre Informationen? Von den Türken? Doch wohl eher von den eigenen gut ausgestatteten Geheimdiensten! Vor dem Gericht in New York sagen zwei ehemalige Top-Beamte des US-amerikanischen Finanzministeriums (Treasury) aus: Adam Szubin und David S. Cohen. Beide waren zuständig für die Bekämpfung der "Terrorfinanzierung".

Die Halkbank im Fadenkreuz der US-Ermittler

Cohen, der 2015 zum Vize-Chef der CIA aufstieg, bezeugte, er habe Atilla mehrfach vor den Iran-Geschäften der Halkbank gewarnt. Szubin wurde vor Gericht vom Verteidiger des Angeklagten Atilla ins Kreuzverhör genommen. Der Anwalt fragte ihn, wann er zum ersten Mal von Reza Zarrab gehört habe. Der frühere Top-Beamte antwortete: "Ich habe von seiner Tätigkeit auf Informationskanälen erfahren, über die zu reden ich keine Aussagegenehmigung habe."

Ebenso kam bei dem Prozess in New York heraus, dass sich eine "Fallmanagerin" des FBI namens Jennifer McReynolds um den türkischen Banker Atilla gekümmert hatte. McReynolds war auch bei der Festnahme Atillas am New Yorker Flughafen zugegen. Atillas Verteidiger beantragten die Vernehmung der FBI-Agentin vor Gericht, um mehr über das Vorgehen der US-Regierung in dem Fall herauszubekommen. Der Antrag wurde zurückgewiesen. Bemerkenswert ist, dass Atilla von den türkischen Ermittlern nie einer Straftat verdächtigt wurde.

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