Westfälischer Friedenspreis ehrt Flüchtlingshilfe und Friedensdienst: Jordaniens König und Aktion Sühnezeichen gewürdigt

10.10.2016

Der jordanische König Abdullah II. hat für die Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge in seinem Land und seine Nahost-Friedensbemühungen den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens erhalten. Abdullah und seine Landsleute hätten Maßstäbe für Humanität und Mitmenschlichkeit gesetzt, sagte Bundespräsident Joachim Gauck am Samstag bei der Preisverleihung in Münster. Jugendpreisträger der mit insgesamt 100.000 Euro dotierten Auszeichnung ist die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, sie wurde für ihr internationales Freiwilligenprogramm geehrt.

Von den fast fünf Millionen syrischen Flüchtlingen lebten 656.000 allein in Jordanien, sagte Gauck in seiner Laudatio. Das Land habe sich in beispielhafter Weise großzügig gezeigt und sei «bis an die Grenze seiner Kapazitäten gegangen, um zu helfen». Um diese Aufgabe zu bewältigen, brauche Jordanien aber auch selbst Hilfe, mahnte der Bundespräsident. Er würdigte auch den Einsatz Abdullahs für das Existenzrecht Israels und eine Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.

Gauck hob zudem den Einsatz des jordanischen Königs gegen Terror und Islamismus hervor. «Immer wieder nehmen Sie persönlich und öffentlich Stellung gegen Gewalt und Radikalisierung», sagte er. Christen und Muslime lebten in Jordanien Seite an Seite, auch weil Abdullah ein friedliches Zusammenleben als Gebot des Islam betrachte.

Der jordanische Monarch Abdullah II. lobte in seiner Dankesrede die Rolle Deutschlands beim Umgang mit der Flüchtlingszuwanderung. Er lud zu nachhaltigen Investitionen in seinem Land ein und warb für einen regionalen Stabilitätsfonds zur Bewältigung der Herausforderungen. Mit Blick auf den internationalen Terrorismus warnte Abdullah vor einer Polarisierung und Spaltung und rief zu gegenseitiger Achtung und einer Stärkung humanitärer Werte auf. Extremisten wie die IS-Terrormiliz verzerrten die Lehren des Islam, betonte der König.

Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) erhielt den Friedenspreis für ihr Engagement gegen Rassismus und Intoleranz. Die 1958 von engagierten Protestanten aus dem Umfeld der Bekennenden Kirche gegründete Organisation sei ein Wegbereiter der modernen, verantwortungsbereiten Zivilgesellschaft, sagte der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. Er absolvierte als Student selbst einen ASF-Friedensdienst.

Mehr als 10.000 Freiwillige hätten in knapp sechs Jahrzehnten internationale Versöhnungsdienste geleistet, sagte Oppermann. ASF habe sich im Nachkriegsdeutschland gegen das Vergessen der NS-Verbrechen gestemmt und sei bis heute ein wichtiger Teil der deutschen Friedensbewegung. Die jungen ASF-Freiwilligen unterstützen unter anderem Überlebende des Holocaust, arbeiten in Gedenkstätten mit oder betreuen Kinder sowie behinderte oder sozial benachteiligte Menschen.

Die Mission der jungen Leute für eine bessere und friedlichere Welt sei bis heute aktuell, sagte Oppermann: «Wir sehen fassungslos den Bombenkrieg in Syrien, sterbende Kinder in Aleppo, Millionen Menschen auf der Flucht.» Westliche Demokratien müssten sich verstärkt zur Wehr setzen gegen Rechtspopulismus, Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus. Allerdings sei die Zivilgesellschaft heute stark, auch dank der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

Der Westfälische Friedenspreis wird seit 1998 alle zwei Jahre an Persönlichkeiten und Organisationen vergeben, die ein Vorbild für Ausgleich und Frieden sind. Verliehen wird der Preis, der an das Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 erinnert, von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe. Zu den bisherigen Preisträgern gehören die Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Helmut Kohl (CDU), der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Dirigent Daniel Barenboim und die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS. (epd)

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.