Vortrag: Iran - Land der Arier? Kollektive Identitätskonzepte zwischen Rasse, Kultur und Nation

01.03.2018 - 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr
Katholische Akademie in Berlin
Hannoversche Str. 5
10115 Berlin

Iran - Land der Arier?
Kollektive Identitätskonzepte zwischen Rasse, Kultur und Nation.

Iran wird heute oft als Gottesstaat oder Land der Mullas wahrgenommen. Unabhängig von der religiösen Überzeugung ist aber in Iran die Vorstellung weit verbreitet, die nationale Identität konstituiere sich durch die Zugehörigkeit zur „arischen Rasse“. Diese Idee geht auf intellektuelle Diskurse im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert zurück, die nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit europäischen Debatten um Rasse und Nation entstanden. Maßgeblich hierfür waren zwei iranische Denker: Zum einen Mirza Aqa Khan Kermani (gest. 1897), der dieses Konzept in Iran einführte und zum anderen Hasan Pirnia (gest. 1935), der diese Vorstellungen popularisierte. Anhand ihrer Positionen lässt sich die Erfolgsgeschichte des Arier-Mythos und seine Bedeutung für das Verständnis der Islamischen Republik Iran gut verdeutlichen.

Dr. Roman Seidel ist Islamwissenschaftler, Philosoph und Iranist. Mit einem Arbeitsschwerpunkt zur Zeitgenössischen Philosophie und Geistesgeschichte der islamischen Welt gilt sein besonderes Interesse der intellektuellen Verflechtungsgeschichte zwischen Europa und dem Nahen und Mittleren Osten.
Helena Rust ist seit Februar 2016 Assistentin am Asien-Orient-Institut, Abteilung Islamwissenschaft und Gender Studies an der Universität Zürich. Ihre Forschungsinteressen liegen auf dem Gebiet der Wissensgeschichte in der islamischen Welt mit einem Fokus auf der Zirkulation von Rassentheorien vor allem in Iran und Konzepten von Geschlecht und Sexualität in der arabischen Medizingeschichte.