Weißer Van in Amman;© brave new work
Roadmovie ''Father is Doing Fine”

Im weißen Van nach Ramallah

"Father is Doing Fine" ist eine turbulente Komödie über eine komplizierte Bruderbeziehung und der erste deutsche Film, der in Jordanien gedreht wurde. Trotzdem wird am Set Englisch in vielen verschiedenen Akzenten gesprochen, denn der Film ist vor und hinter der Kamera international besetzt. Amira El Ahl war dabei.

Rafik und Jamal können sich nicht ausstehen. Doch sie sind Brüder, und als Jamal heiraten will, reist Rafik von Hamburg zurück in die Heimat, um gemeinsam mit der Familie in Jerusalem die Hochzeit zu feiern. Was als Stippvisite gedacht war verwandelt sich plötzlich in eine komplizierte Reise durch Israel und in Rafiks Vergangenheit.

Denn während des Hochzeitsfests stirbt der Vater, das Familienoberhaupt. Rafik und Jamal fällt die Aufgabe zu, den Leichnam ihres Vaters von Jerusalem nach Ramallah zu schmuggeln, während ihnen die israelische Polizei, Terroristen und die russische Mafia auf den Fersen sind.

Ein Film über Identität

Ali Samadi Ahadi; Foto: Ali Samadi Ahadi
Von Jerusalem nach Ramallah: Ali Samadi Ahadis neuer Film "Father is Doing Fine" ist nicht nur ein Roadmovie, sondern vor allem ein Film über Identität.

​​Geschrieben wurde das Skript von Gabriel Bodenstein, der es gemeinsam mit dem Produzenten Frank Geiger und der Produktionsfirma Brave New Work in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat.

"Es ist ein Film über Identität, es geht um die Fragen: 'Wer bin ich? Wo komme ich her und wo lebe ich?", sagt Frank Geiger. Hinzu kommt das Element des Roadmovies. "Wir haben sehr viel Zeit in einem weißen Van verbracht", erzählt Navid Akhavan von den Dreharbeiten - und in dem Van ging es oft hoch her. Der Deutsch-Iraner spielt in der deutschen Produktion Jamal, den guten Bruder.

Das Team aus Deutschland hat zwei Monate in Jordanien gedreht, Ende Februar hatten die Schauspieler ihre letzten Drehtage in der jordanischen Hauptstadt Amman. Jetzt fehlen nur noch Außenaufnahmen von Jerusalem und Hamburg, erzählt Produzent Frank Geiger an einem freien Wochenende in Amman.

In Jordanien wurde hauptsächlich in Salt, in Amman und in der Wüste gedreht. "Salt ist ein sehr guter Ersatz für Jerusalem", erklärt Produzent Frank Geiger. Den Film tatsächlich in Israel an Originalschauplätzen zu drehen, sei zu schwierig gewesen. "Die Israelis hatten Probleme mit unserem Projekt und außerdem ist es wesentlich günstiger, in Jordanien zu filmen."

Es ist der erste deutsche Film, der in Jordanien gedreht wurde. Die gesamte Produktion sowie die Mittel kommen aus Deutschland, ebenso wie die Crew, der Regisseur, der Cutter und die meisten Darsteller.

Navid Akhavan in 'Salami Aleikum'; Foto: Zorro Film
Der Deutsch-Iraner Navid Akhavan ist bereits aus der Komödie "Salami Aleikum" bekannt. Im neuen Film von Ali Samadi Ahadi übernimmt er als Jamal eine der Hauptrollen.

​​Die Hauptrollen spielen der Deutsch-Iraner Navid Akhavan (Jamal), der unter anderem aus seiner Hauptrolle in der deutschen Komödie "Salami Aleikum" bekannt ist, sowie Karim Saleh (Rafik). Der Libanese war in mehreren Hollywood-Produktionen zu sehen, unter anderem spielte er in Steven Spielbergs "München".

Regie führt der Deutsch-Iraner Ali Samadi Ahadi, der für seinen Dokumentarfilm "The Green Wave" 2011 den Adolf-Grimme-Preis gewann und in diesem Jahr wieder nominiert ist - dieses Mal für seinen Debütspielfilm "Salami Aleikum".

Die beiden Hauptdarsteller kannten sich vor den Dreharbeiten zu "Father is Doing Fine" schon aus einer anderen Produktion. Sie spielten gemeinsam in "The Hamburg Cell", einer britischen Produktion von 2004. Brüder zu spielen, fiel den beiden deshalb nicht schwer. "Wir mögen uns sehr und fühlten uns in gewisser Weise schon wie Brüder bevor wir Brüder spielen mussten", erzählt Navid Akhavan.

Die jordanische Filmindustrie vor dem Boom?

Im Gegensatz zu Marokko oder Ägypten hat Jordanien keine alteingesessene Filmwirtschaft. Umso erstaunlicher, dass Jordanien in den vergangenen Jahren zu einem immer beliebteren Ort für Filmproduktionen geworden ist. Als Co-Produzent Donall McCusker vor sechs Jahren zum ersten Mal nach Jordanien kam, gab es so gut wie keine Filmproduktion in Amman.

Ali Samadi Ahadi; Foto: Ali Samadi Ahadi
Der Libanese Karim Saleh war bereits in mehreren Hollywood-Produktionen zu sehen, unter anderem spielte er in Steven Spielbergs "München".

​​Seitdem hat er vier Filme am Jordan produziert, unter anderem als Co-Produzent das Kriegsdrama "The Hurt Locker", das 2010 sechs Oscar-Auszeichnungen gewann. "Die jordanische Filmindustrie wächst und sie wird bald boomen", sagt Donall McCusker. Ein Grund dafür sei, dass Jordanien im Vergleich zu anderen Ländern in der Region, sei es Ägypten oder der Libanon, ein sicherer Ort sei.

Außerdem unterstütze die Royal Film Commission in Amman ausländische Produktionen erheblich, was die Arbeit im Vergleich zu anderen Ländern im Nahen Osten ungemein erleichtere. "Auch die jordanische Armee unterstützt Filmproduktionen, was eine große Hilfe für uns ist", sagt Donall McCusker.

"Father is Doing Fine" soll im kommenden Juni fertig gestellt werden. Danach, so die Hoffnung der Produzenten, wird der Film auf einem der großen Filmfestivals der Saison Premiere feiern.

Und die Produktion hat gute Chancen, sich auch international gut zu verkaufen. Denn "Father is Doing Fine" wird komplett auf Englisch gedreht und erst später Deutsch synchronisiert - ein großer Vorteil für den weltweiten Vertrieb.

Amira El Ahl

© Qantara.de 2012

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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