Nigeria: Millionen hungern im früheren Boko-Haram-Gebiet

24.02.2017

Die internationale Gemeinschaft läutet die Alarmglocken. Boko Harams islamistischer Terror hat zu einer großen humanitären Krise geführt. Allein im Nordosten von Nigeria hungern fünf Millionen Menschen. Boko Harams islamistischer Terrorfeldzug hat im Nordosten von Nigeria und angrenzenden Gebieten zu einer dramatischen humanitären Krise geführt. Rund 2,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Eine schwere Hungerkrise verschlimmert sich zusehends. Täglich sterben UN-Schätzungen zufolge etwa 200 Kleinkinder an den Folgen des Hungers. Die wichtigsten Fragen zu der Krise im Überblick:

Wieso gibt es im Nordosten von Nigeria eine humanitäre Krise? 

Die Region war lange ein vernachlässigtes und armes Gebiet. Das Abgleiten in Chaos und Gewalt begann aber erst ab 2009 mit dem Erstarken der islamistischen Terrororganisation Boko Haram. Bis 2015 kontrollierte sie dort ein Gebiet etwa von der Fläche Belgiens und terrorisierte auch angrenzende Regionen der Nachbarstaaten rund um den Tschadsee. Die Gewalt hat zu einer Massenflucht geführt, Felder wurden nicht mehr bestellt und staatliche Strukturen wie das Gesundheitssystem brachen zusammen.

Wie schlimm ist die Lage in dem Krisengebiet? 

In den betroffenen Ländern Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad sind den Vereinten Nationen zufolge mehr als sieben Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, rund fünf Millionen davon in Nigeria. Mehr als eine halbe Million Kinder sind UN-Schätzungen zufolge dieses Jahr vom Hungertod bedroht. Sie werden an akuter Mangelernährung leiden - ein lebensgefährlicher Zustand. In Folge des Konflikts haben 2,5 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen, um Schutz zu suchen. Mindestens drei Millionen Kinder bekommen keinen normalen

Schulunterricht.

Wieso sind auch Nigerias Nachbarsstaaten betroffen?

Der Terrorfeldzug der Boko Haram hat nicht an den Landesgrenzen haltgemacht. Die Fundamentalisten wollen in Nigeria und angrenzenden Gebieten einen sogenannten Gottesstaat errichten. Deswegen haben sie auch Ziele in Kamerun, dem Tschad und dem Niger angegriffen. Die Nachbarländer bieten zudem Zehntausenden Flüchtlingen Schutz.

Kennen wir inzwischen das ganze Ausmaß der Krise?

Das Ausmaß der humanitären Krise wurde erst 2016 klar, als das nigerianische Militär weite Gebiete im Nordosten aus den Klauen von Boko Haram zurückerobert hatte. Doch UN-Schätzungen zufolge sitzen wegen des Konflikts immer noch rund 400 000 bis 800 000 Menschen in Gebieten fest, die von der Außenwelt abgeschnitten sind. Wie schlimmdie Lage dort ist, weiß noch niemand.

Reichen die Mittel für den Kampf gegen die Krise? 

Für 2016 hatten die UN mit einem Bedarf von gut 700 Millionen Dollar gerechnet, doch nur die Hälfte der Mittel konnte mobilisiert werden. Inzwischen hat sich die Krise deutlich zugespitzt. Für den Hilfseinsatz in diesem Jahr veranschlagen die Vereinten Nationen Kosten von rund 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro). Bei der Geberkonferenz in Oslo wollen die UN und die betroffenen Länder auch um langfristige Hilfszusagen jenseits der Nothilfe werben.

Fliehen die Menschen wegen der Krise auch nach Europa?

Nigeria ist das drittgrößte afrikanische Herkunftsland von Flüchtlingen in Deutschland hinter Eritrea und Somalia. Die von der Tschadsee-Krise betroffenen Menschen sind meist zu arm, sich auf den langen Weg Richtung Mittelmeer und Europa zu machen. Die UN warnen aber, dass langfristig mehr und mehr Menschen aus dem Gebiet nach Europa fliehen werden, wenn es nicht gelingt, den Menschen ein sicheres und annehmbares Leben in ihrer Heimat zu ermöglichen.

Und wie steht es eigentlich um den Kampf gegen Boko Haram?

Die Streitkräfte Nigerias und der Nachbarstaaten haben die sunnitischen Fundamentalisten aus der Fläche zurückgedrängt und ihnen empfindliche militärische Niederlagen beschert. Doch eine Terrorgruppe, die sich Guerilla-Taktiken bedient und sich nicht um zivile Opfer schert, ist militärisch kaum zu besiegen. Die Islamisten verüben weiter Anschläge und verbreiten Angst in der Region. (dpa)

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