Netenjahu und Corbyn liefern sich Schlagabtausch bei Twitter

15.08.2018

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Großbritanniens Labour-Chef Jeremy Corbyn haben sich bei Twitter einen Schlagabtausch über die Teilnahme des britischen Oppositionsführers an einer mutmaßlich antisemitischen Gedenkveranstaltung geliefert. Corbyn habe vor vier Jahren in Tunesien einen Kranz am Grab eines der palästinensischen Attentäter der Olympischen Spiele von München 1972 niedergelegt, schrieb Netanjahu am Dienstag in dem Kurzbotschaftendienst. Dies erfordere eine "eindeutige Verurteilung von allen Seiten - links, rechts und allem dazwischen".

Corbyn bezeichnete die Aussage Netanjahus als "falsch" - und griff seinerseits den israelischen Regierungschef scharf an: "Was eine eindeutige Verurteilung verdient, ist die Tötung von mehr als 160 palästinensischen Demonstranten in Gaza durch israelische Streitkräfte seit März, darunter dutzende Kinder", twitterte Corbyn.

Die britische Zeitung "Daily Mail" hatte Bilder veröffentlicht, auf denen Corbyn zu sehen ist, wie er einen Blumenkranz bei einer Zeremonie auf einem Friedhof in Tunis im Jahr 2014 hält. Dort ist auch Atef Bseiso begraben, einer der mutmaßlichen Anführer der Anschläge von München, bei denen elf Israelis starben. Bseiso wurde 1992 in Paris erschossen, wofür der israelische Geheimdienst Mossad verantwortlich gemacht wird.

Der Labour-Chef sagte zunächst, er habe bei der Veranstaltung vor vier Jahren der 47 Palästinenser gedacht, die bei einem israelischen Bombenangriff 1985 in Tunesien getötet wurden. Ein neues Bild aus palästinensischen Quellen zeigte jedoch, wie Corbyn mit einem Kranz vor einer Plakette steht, die an die Attentäter von München erinnert.

Corbyn gestand daraufhin ein, er sei bei der Kranzniederlegung vor Ort gewesen. Allerdings schränkte er ein: "Ich denke nicht, dass ich tatsächlich daran beteiligt war." Der britische Oppositionsführer ist ein langjähriger Aktivist für die Anliegen der Palästinenser. Unter seiner Führung sieht sich Labour immer wieder mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Unlängst räumte Corbyn ein, seine Partei habe ein "echtes Problem" mit Antisemitismus.

Die Täter von der Gruppe "Schwarzer September" hatten am 5. September 1972 elf Israelis im Olympischen Dorf als Geiseln genommen. Zwei von ihnen wurden dort von den Kidnappern getötet. Neun weitere und ein deutscher Polizist starben einen Tag später bei einem missglückten Befreiungsversuch deutscher Sicherheitsbeamter auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck. (AFP)

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