Verletze am Anschlagsort in Reyhanli; Foto: dpa/picture-alliance
Nach den Bombenanschlägen in Reyhanli

Keine Skrupel im Kampf um Syrien

Wer auch immer hinter dem Doppelanschlag in der türkischen Grenzstadt Reyhanli steckt, es ist eine perfide Strategie, um der türkischen Bevölkerung zu zeigen, dass ihr Land längst Akteur im Kampf um die Zukunft in Syrien ist. Ein Kommentar von Jürgen Gottschlich

Der syrische Bürgerkrieg ist in der Türkei angekommen. Nach den Bombenanschlägen in Reyhanli macht sich niemand in der Türkei mehr Illusionen über die Auswirkungen des Krieges in Syrien. Hunderttausende Syrer halten sich derzeit in der Türkei auf, darunter auch viele Bewaffnete, die die Türkei als Rückzugsgebiet nutzen.

Der Ort Reyhanli ist ein logistisches Zentrum für den Waffennachschub der syrischen Oppositionskämpfer, was auch Konflikte zwischen Einheimischen und bewaffneten syrischen Oppositionellen geschürt hat.

Karte zeigt Anschlagsort im Südosten der Türkei; Foto: DW
Ausweitung der Kampfzone: Nach mehreren Angriffen in der Vergangenheit im syrisch-türkischen Grenzgebiet sind die Anschläge von Reyhanli nun die tödlichste Attacke seit Beginn des Syrienkonflikts vor mehr als zwei Jahren.

​​Wer immer die Bomben am Samstag (11.5.) gezündet hat, es ist eine perfide Strategie, um der türkischen Bevölkerung zu zeigen, dass ihr Land längst Akteur im Kampf um die Zukunft in Syrien ist. Die türkische Regierung drängt schon lange darauf, die syrische Opposition mehr als bislang zu unterstützen.

Frontstellung gegen das syrische Regime

Erdogan wird in dieser Woche in Washington die Einrichtung einer Flugverbotszone fordern und Ankara wird wohl bald seine Verbündeten in Syrien, das sind hauptsächlich die Muslimbrüder, noch massiver bewaffnen als bislang.

Die Bombenanschläge zeigen aber auch, dass es im Kampf um Syrien keine Skrupel mehr gibt. Es ist möglich, dass die jetzt von der Regierung präsentierten Verhafteten tatsächlich schuldig sind, genauso gut aber können auch islamistische Oppositionskämpfer die Bomben gelegt haben.

Zu Recht befürchtet die säkulare Opposition in der Türkei, dass auch der Sturz von Assad längst nicht die Kämpfe beenden würde und dass die Freie Syrische Armee kein verlässlicher Partner ist. Erdogan glaubt dagegen, je stärker sich die Türkei jetzt engagiert, umso mehr wird sie später bestimmen können, wer in Syrien das Sagen hat. Doch mit einer solchen Politik hat sich US-Präsident George W. Bush im Irak auch schon geirrt.

Jürgen Gottschlich

© Qantara.de 2013

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

Mehr zum Thema
Druckversion
E-Mail verschicken
Ihre Meinung zu diesem Artikel
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.