Konfliktbarometer: Zahl der Kriege auf 20 gestiegen - Forscher zählen weltweit nahezu 400 Konflikte

02.03.2018

Weltweit 20 Kriege und 385 Konflikte hat das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung im vergangenen Jahr gezählt. Damit waren es zwei Kriege mehr als im Jahr zuvor, aber fast 20 Konflikte weniger. Mehr als die Hälfte der 385 Konflikte würden jedoch nach wie vor gewaltsam ausgetragen, heißt es im Konfliktbarometer 2017.

Im vergangenen Jahr weiteten sich den Angaben zufolge sechs Konflikte zu Kriegen aus. Betroffen seien Myanmar, die Philippinen, die Zentralafrikanische Republik, Äthiopien sowie die Demokratische Republik Kongo, in der 2017 zwei Kriege aufkamen. Derzeit seien deswegen im Kongo 1,3 Millionen Menschen auf der Flucht. «Dabei handelt es sich um die momentan am stärksten wachsende Flüchtlingsbewegung auf dem Kontinent», sagte Pressesprecherin Sara Engelberg. Weitere 14 Kriege seien weltweit unverändert weitergeführt worden wie etwa in Nigeria, Somalia und Afghanistan.

Gleichzeitig deeskalierten 2017 vier Kriege. Im Jemen nahm demnach die Gewalt zwischen Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel und der Regierung ab, in der Türkei habe sich der Krieg zwischen der kurdischen PKK und der Regierung abgeschwächt. Weiter hätten Friedensverhandlungen im Sudan zwischen der bewaffneten Gruppe SPLM/A-North und der Regierung erste positive Auswirkungen gezeigt. Der Krieg in Pakistan zwischen islamistischen Gruppen und der Regierung hat dem Institut zufolge erstmals seit zehn Jahren an Intensität verloren.

Der Großteil der hochgewaltsamen Konflikte sowie die Hälfte aller Kriege weltweit registrierten die Forscher in Afrika südlich der Sahara. Das Land mit den meisten Kriegen sei jedoch Syrien geblieben. Die Auseinandersetzungen dort fasste das Heidelberger Institut in drei Kriegen zusammen. In Europa ist der einzige hochgewaltsame Konflikt laut dem Konfliktbarometer nach wie vor der Krieg in der Donbas-Region zwischen von Russland unterstützten Rebellengruppen und der ukrainischen Regierung.

Die Regionen Asien und Ozeanien tragen den Angaben zufolge den größten Anteil an Konflikten. Allerdings würden die meisten der 120 Konflikte auf einem gering oder nicht gewaltsamen Level ausgetragen. Dazu gehören zum Beispiel der Konflikt zwischen den Uiguren und Han-Chinesen in China, aber auch Konflikte verschiedener Glaubensrichtungen in Indien.

In Nord- und Südamerika blieb der Drogenkampf zwischen mexikanischen Kartellen und der Regierung des Landes weiterhin der einzige Krieg in der Region. Weitere hochgewaltsame Konflikte wurden in Brasilien und El Salvador beobachtet.

Kolumbien wird auch nach dem Friedensprozess zwischen der Guerillagruppe Farc und der Regierung nicht als befriedet eingestuft. Das Gewaltniveau im Land sei durch andauernde Konflikte zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen hoch geblieben.

Das Konfliktbarometer erscheint seit 1992 einmal jährlich. Darin analysieren die Forscher des HIIK das globale Konfliktgeschehen. Dazu zählen gewaltlose und gewaltsame Krisen, Kriege, Staatsstreiche sowie Friedensverhandlungen. (epd)

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