Kamerun zwingt Flüchtlinge zurück nach Nigeria

19.04.2017

Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zwingt die kamerunische Armee nigerianische Flüchtlinge zur Rückkehr in das Konfliktgebiet im Nordosten Nigerias. Auch innerhalb des nigerianischen Bundesstaats Borno sind seit Jahresbeginn weitere Zehntausende auf der Flucht vor Gewalt und Unsicherheit, wie die Organisation am Mittwoch in Berlin mitteilte. Die nigerianische Armee und die Terrorgruppe Boko Haram bekämpfen sich in Borno seit Jahren.

Boko Haram versteht sich als Teil der Terrormiliz "Islamischer Staat" und verübt im Norden Nigerias und angrenzen Ländern immer wieder Anschläge. Mehrere westafrikanische Staaten gehen militärisch gegen die Islamisten vor. In der Region sind mehr als fünf Millionen Menschen auf der Flucht, 1,7 Millionen von ihnen innerhalb Nigerias.

In der Stadt Banki auf der nigerianischen Seite der Grenze zu Kamerun haben Teams von Ärzte ohne Grenzen demnach seit dem vergangenen Jahr mehrfach beobachtet, dass das kamerunische Militär nigerianische Flüchtlinge nach Nigeria zurückführte. Die Vertriebenen in Banki leben den Angaben zufolge in einem geschlossenen Lager und können sich nicht frei bewegen. Auch in der Stadt Pulka berichteten Rückkehrer, sie hätten Kamerun verlassen, weil sie eine gewaltsame Abschiebung befürchteten.

In Borno selbst hätten Angriffe durch Boko Haram, Militäroperationen und der Mangel an Nahrungsmitteln und Grundversorgung weitere Zehntausende aus unsicheren ländlichen Gebieten vertrieben. In der Stadt Pulka seien seit Januar mehr als 11.000 Menschen angekommen. Die Einwohnerzahl der Stadt sei damit um mehr als ein Drittel gestiegen - und schon zuvor seien die Ressourcen für Hilfe knapp gewesen. In der entlegenen Ortschaft Rann seien ebenfalls mehr als 10.000 Vertriebene angekommen und täglich kämen neue hinzu. In Dikwa seien allein in den letzten beiden Märzwochen 2.000 Neuankömmlinge registriert worden.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen leistet nach eigenen Angaben seit Mitte 2014 medizinische Nothilfe im Nordosten Nigerias. Im Bundesstaat Borno betreibt die Hilfsorganisation danach derzeit zwölf medizinische Einrichtungen in acht Ortschaften und bietet in vier weiteren regelmäßig medizinische Hilfe an. Im zweiten Halbjahr 2016 führten die Teams mehr als 175.000 ambulante Sprechstunden durch, impften mehr als 146.000 Kinder gegen Masern und verteilten Nahrung an mehr als 32.000 Menschen. (KNA/epd)

 

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