Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus: Berliner Islam-Institut schnell eröffnen

07.04.2017

In der Debatte um mehr Hochschultheologie in Berlin hat sich die Göttinger Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus zu Wort gemeldet. In der Zeitschrift "Herder Korrespondenz" (April-Ausgabe) begrüßt sie die geplante Gründung eines Instituts für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität (HU). Spielhaus bekundet ihre Sympathie für Überlegungen, es an die evangelische Fakultät anzubinden. Dies dürfe aber eine Eröffnung zum Wintersemester 2018/19 nicht verzögern.

"Eine Ansiedlung an der philosophischen Fakultät scheint dann immer noch die bessere Option", betonte die Islamwissenschaftlerin. Die Frage der Anbindung ist noch nicht entschieden. Spielhaus gehörte dem Arbeitskreis des Berliner Senats an, der über eine Etablierung Islamischer Theologie in der Hauptstadt beraten hat.

Spielhaus erklärte, die Vertreter der Berliner Muslime hielten eine Einbindung des Islam-Instituts in die evangelisch-theologische Fakultät für die beste Wahl. "An der philosophischen Fakultät zwischen Europäischer Ethnologie und Geschichtswissenschaften befürchten sie, auf wenig Gegenliebe für das eigene Fachverständnis zu stoßen." Auch Spielhaus vertritt die Auffassung, bei einer Kooperation der Theologien "wäre viel zu gewinnen". Gemeinsam könnten sie "sich mit den drängendsten Fragen unserer Zeit befassen: wie wollen und können wir in religiöser und weltanschaulicher Vielfalt zusammenleben?"

"Die Diskussion um die Zukunft der Theologien in Berlin ist wichtig, darf aber nicht der Einrichtung einer islamischen Theologie, die ohnehin bereits Jahrzehnte im Verzug ist, weiter verzögern", warnt Spielhaus. Aus muslimischer Sicht sei es jetzt vor allem wichtig, voranzukommen. Wenn das Islam-Institut wie geplant seinen Lehrbetrieb zum Wintersemester 2018/19 aufnehmen solle, "müssten im Eiltempo Professuren ausgeschrieben und besetzt werden".

Zu Recht stehe für den Senat und das Universitätspräsidium jetzt der zügige Aufbau der islamischen Theologie im Mittelpunkt. "Grundsatzdebatten der etablierten Theologien dürfen nicht auf dem Rücken und zum Schaden einer religiösen Minderheit ausgetragen werden", mahnt Spielhaus.

In der evangelischen Fakultät arbeitet eine Kommission an einem Konzept, wie protestantische, katholische, muslimische und jüdische Theologen an der HU unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit eng kooperieren können. Auch Vertreter der katholischen Kirche und des Judentums zeigen Interesse an einer solchen Zusammenarbeit. (KNA)

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