Syriens Präsident Baschar al-Assad während eines Staatsbesuchs in Teheran bei Ajatollah Ali Khameinei; Foto: AP
Irans Rolle im syrischen Bürgerkrieg

Herren und Diener

Die Islamische Republik ist für Assad zu einem unersetzlichen Bündnispartner geworden, seitdem das Baath-Regime militärisch immer mehr mit dem Rücken zur Wand steht. Längst ist es den Mullahs gelungen, ihren Machteinfluss in Damaskus zu erweitern und ein Netzwerk von Milizen in Syrien aufzubauen. Von Birgit Svensson

Demonstrativ präsentiert sich der syrische Präsident im Staatsfernsehen an der Seite eines Mitglieds des iranischen Sicherheitsrates: Damaskus habe die Mittel um zurückzuschlagen, sagt Baschar al-Assad. Und Irans stellvertretender Außenminister, Hussein Amir Abdullahian, prophezeit, dass Israels Angriff auf Syrien "erhebliche Folgen" für die Stadt Tel Aviv haben werde.

Doch wer zurückschlagen wird, macht dieses Szenario bereits deutlich. Baschar al-Assad selbst hat nicht mehr die Kraft, dies auch wirklich alleine zu tun. Vielmehr scheint es so, als habe die Führung in Teheran bereits die Regie in Damaskus übernommen, auch wenn der syrische Diktator nicht müde wird zu betonen, dass er sich eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes verbiete.

Doch der Iran mischt sich massiv ein und dies nicht erst seitdem Israel jüngst ein noch immer ungeklärte Ziel in Syrien bombardierte. Syrien behauptet, dass ein militärisches Forschungslabor getroffen wurde, die USA sprechen von einem Waffenkonvoi. Eines jedoch ist unstrittig: unter den Toten sind auch Iraner.

Akteur im syrischen Bürgerkrieg

Dproteste gegen Ahmadinedschads Unterstützung für Assad im syrischen Bürgerkrieg, Foto: Reuters
Irans Präsident Ahmadinedschad als politischer Schattenmann und Strippenzieher im syrischen Bürgerkrieg: Proteste von Exil-Syrern und Assad-Gegnern vor der US-Botschaft in Berlin.

​​Es ist kein Geheimnis, dass die Islamische Republik dem syrischen Regime von Anfang an half, als der Aufstand vor fast zwei Jahren begann. Diese Hilfe hat mit dem Verlauf der Ereignisse immer größere Dimensionen angenommen. Waren es anfangs noch versteckte Lieferungen von Technologie und Waffen, die Überstellung von militärischen Ausbildern, politischen Beratern und Geheimdienstinformationen, ist Teheran inzwischen offen zur Bürgerkriegspartei geworden.

Spezialeinheiten der "Iranischen Republikanischen Garde" (IRG) kämpfen zusammen mit der syrischen Armee gegen die Aufständischen. Und mehr noch: Wie gut informierte Kreise in Bagdad berichten, sollen jetzt sogar normale Infanteriesoldaten der iranischen Armee Dienst in Syrien leisten und die abtrünnigen Soldaten der syrischen Armee ersetzen.

Sie werden aus dem iranischen Aserbaidschan und dem kurdischen Teil an der Grenze zum Irak abgezogen und nach Syrien geschickt. Sie sollen dort zwar nicht für Kampfeinsätze eingesetzt werden, wohl aber Waffendepots bewachen und zum Unterhalt von Militärbasen dienen.

Bester Beweis der personellen Präsenz Irans in Syrien waren die 48 Männer, die im September von Rebellengruppen in Damaskus entführt wurden und erst Anfang Januar im Austausch gegen 2.000 in syrischen Gefängnissen einsitzende Oppositionelle frei kamen. Die syrische Regierung bezeichnete die iranischen Geiseln als muslimische Pilger, die Geiselnehmer behaupteten, sie seien Mitglieder der Republikanischen Garde Teherans.

Inzwischen gab ein Kommandeur der IRG, General Salar Abnoush, in einem Interview mit einer arabischen Zeitung offen zu, dass Teheran "den syrischen Sicherheits- und Geheimdienst ausbildet".

Syriens Opposition lässt 48 iranische Gefangene frei; Foto: FARS
Größter Gefangenenaustausch seit Beginn des Bürgerkriegs: Syrische Rebellen ließen im Januar 48 Iraner frei, die in der Nähe von Damaskus verschleppt worden waren. Im Gegenzug sagten die syrischen Sicherheitskräfte die Freilassung von über 2.000 Häftlingen zu.

​​Iran nehme am "Krieg in Syrien" sowohl militärisch als auch kulturell teil. Was er mit kulturell meinte, führte der General nicht weiter aus. Pilger hat er damit mit Sicherheit nicht gemeint. Dann schon eher die Mitglieder der Al-Quds-Brigaden, die ebenfalls in Syrien operieren.

Ghasem Suleimani – der "wahre Herrscher von Bagdad"

Amerikanischen Geheimdienstinformationen zufolge, soll es ein geheimes Treffen des mächtigsten Mannes im Iran, Ajatollah Ali Khamenei, mit dem iranischen Sicherheitsrat gegeben haben, um die Rahmenbedingungen zu diskutieren, wenn das syrische Regime stürzt.

Khamenei soll daraufhin den Einsatz der Al-Quds-Brigaden befohlen haben, die Operationen gegen den Westen und seine Alliierten durchzuführen, weil sie die syrische Opposition unterstützen. Teheran könne nicht tatenlos zusehen, wenn seine nationale Sicherheit bedroht sei, wird Khamenei zitiert. Er ernannte Generalmajor Ghasem Suleimani, Kommandeur der Al-Quds-Brigaden, als Kontaktperson für Syriens Präsident Assad, um den Aufstand gemeinsam niederzuringen.

Die Al-Quds-Brigade ist die Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) und für exterritoriale Operationen zuständig. Das arabische Wort "Quds" heißt "Jerusalem". Im Irak sind diese Leute bestens bekannt.

Gemäß ihrem Auftrag, dem Iran nahestehende Kräfte zu unterstützen, forcierten ihre Mitglieder massiv den Aufstieg der Schiiten im Zweistromland. Dabei war ihnen jedes Mittel recht, was zum Ziel führte. An den Anschlägen gegen die US-Streitkräfte sollen Al-Quds-Brigadiere genauso beteiligt gewesen sein, wie später bei den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten.

Ghasem Soleimani; Foto: ISNA
Teherans neuer mächtiger Mann im Syrienkonflikt: Ghasem Soleimani, Kommandeur der Quds-Brigaden, der Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) für exterritoriale Operationen.

​​Auch Suleimani ist ein alter Bekannter im Irak. Die US-Administration hat ihn auf ihre Terrorliste gesetzt. Trotzdem solle es Geheimtreffen zwischen ihm und hohen US-Funktionären im Büro von Iraks Staatspräsident Talabani gegeben haben, was die Amerikaner stets dementierten. Der britische Guardian nannte Suleimani einst den "wahren Herrscher von Bagdad". Dass er nach Syrien geschickt wurde, verwundert deshalb nicht.

Im Jahre 2006 haben Syrien und Iran einen Beistandspakt geschlossen, als der Krieg im Irak tobte, der damalige US-Präsident George W. Bush beide Länder als Schurkenstaaten bezeichnete und sie auf die "Achse des Bösen" setzte. Seitdem hat der Iran seinen Einfluss in der Region kontinuierlich ausgeweitet und den sogenannten "schiitischen Halbmond" begründet: Vom Irak über Syrien bis zur libanesischen Hizbollah und der palästinensischen Hamas, hat Teheran seine Einflusssphäre stetig erweitert.

Eine "Achse des Widerstands" gegen den Westen

Die Islamische Republik betrachtet deshalb die Aufstände in Syrien als Stellvertreterkrieg mit den USA und Israel sowie anderen westlichen Staaten, die wiederum ihren Einfluss im Mittleren Osten ausweiten würden.

Als "Achse des Widerstands" gegen den Westen verstehen die Regierenden in Teheran deshalb ihre Allianz mit dem alawitischen Regime in Syrien und der ebenfalls schiitischen Hizbollah im Libanon.

"Es ist keine Übertreibung, den Iran als Grundpfeiler des syrischen Regimes zu bezeichnen", sagt Loay Safi, Mitglied des oppositionellen Syrischen Nationalrats. "Teheran liefert politische, technische, militärische, geheimdienstliche und finanzielle Unterstützung nach Damaskus. Die Folge ist, dass der Iran versucht immer mehr auch die Kontrolle über diverse politische Initiativen zu übernehmen."

Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn die Al-Quds-Brigaden ihrem Namen Ehre machen wollen und den Sturm auf Jerusalem im Blick haben. Mit ihrem Engagement in Syrien sind sie Israel gefährlich nahe.

Birgit Svensson

© Qantara.de 2013

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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