Roxana Saberi; Foto: AP
Interview mit Roxana Saberi

''Was in Syrien passiert, ist auch eine Botschaft an die Iraner''

Die amerikanisch-iranische Journalistin Roxana Saberi wurde 2009 im Iran unter dem fälschlichen Vorwurf der Spionage zu acht Jahren Haft verurteilt, kam nach Intervention von US-Präsident Obama aber vorzeitig frei. Saberi ist skeptisch, dass sich die Situation für die Iraner nach der Präsidentschaftswahl wesentlich ändern wird. Mit ihr sprach Tobias Köberlein.

Frau Saberi, Sie haben sechs Jahre im Iran gelebt und gearbeitet. Nach Ihrer Freilassung aus dem Teheraner Evin-Gefängnis mussten Sie das Land verlassen. Was vermissen Sie am meisten?

Roxana Saberi: Die Menschen im Iran, besonders diejenigen, die dort zu meinen Freunden geworden sind. Ich glaube, dass der Iran auf Besucher geradezu mystisch wirkt, aber das, was ich wirklich am meisten vermisse, sind die Menschen. Sie sind unglaublich gastfreundlich und zugleich neugierig auf alles Fremde. Viele sind sehr daran interessiert, dass sich die Beziehungen ihres Landes zu den USA und zur restlichen Welt verbessern.

Ihre ehemaligen Mitgefangenen haben Ihnen Geschenke geschickt, wie Sie in Ihrem Blog schreiben: eine selbstgemachte Geldbörse und ein Armband, das aus Fäden ihres Handtuchs im Gefängnis zusammengeknotet wurde. Wie halten Sie zu ihnen Kontakt?

Saberi: Direkten Kontakt habe ich leider nicht. Die Geschenke haben mich über Umwege erreicht. Es hat einige Zeit gedauert. Sie haben sie wohl 2011 angefertigt, ich bekam sie aber erst vor Kurzem.

Haben Ihre Erfahrungen im Gefängnis Ihre Arbeit als Journalistin beeinflusst oder sogar verändert?

Saberi: Ja, bestimmt. Ich beschäftige mich jetzt mehr mit dem Thema Menschenrechte, berichte zum Beispiel über Anwälte und Journalisten, die im Iran im Gefängnis sitzen.

Außenaufnahme des Evin-Gefängnisses in Teheran; Foto: rahesabz
Weggesperrt und abgeschottet von der Außenwelt: In dem für Folter und unmenschliche Haftbedingungen berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis befinden sich zahlreiche inhaftierte Journalisten, Oppositionelle und Aktivisten, wie etwa die iranische Menschenrechtlerin und Anwältin Nasrin Sotudeh.

​​Diese Problematik war mir schon vor meiner Zeit in Evin bewusst, aber ich habe mich nicht so sehr damit befasst, weil ich noch nicht persönlich damit konfrontiert wurde, wie es sich anfühlt, seiner grundlegenden Rechte als Mensch beraubt zu sein.

Sind Sie nach dieser Erfahrung bei Ihrer Arbeit vorsichtiger geworden?

Saberi: Darum musste ich mir bis jetzt zum Glück keine Sorgen machen, ich arbeite ja hauptsächlich in den USA. Vor ein paar Monaten war ich allerdings in Erbil im kurdischen Teil des Irak. Dort musste ich vorsichtig sein, obwohl Erbil sicherer ist als die meisten anderen Städte im Irak. Erbil erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung, und es gibt dort viele Sicherheitskräfte.

Glauben Sie, dass man überhaupt als ausländischer Journalist im Iran arbeiten kann, ohne früher oder später ernsthafte Schwierigkeiten mit den Behörden zu bekommen?

Saberi: Wenn Sie sich als Journalist länger im Iran aufhalten wollen, müssen Sie wirklich sehr vorsichtig sein. Möglicherweise droht Ihnen das Informationsministerium. Es kann auch vorkommen, dass Sie oder ihre Mitarbeiter verhört werden. Noch komplizierter wird es, wenn Sie als Fernsehjournalist unterwegs sind, denn die Behörden passen sehr genau auf, was Sie filmen und werden Ihnen nicht alles erlauben.

Ich denke, dass Journalismus im Iran viel damit zu tun hat, kalkulierbare Risiken einzugehen. Wenn Sie glauben, alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen zu haben und ein Visum bekommen, ist das natürlich wunderbar. Allerdings werden Sie schnell auf jede Menge Hindernisse stoßen. Als Journalist im Iran hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man behält im Kopf, dass nicht alles möglich ist und zensiert sich selbst, oder man arbeitet dort gar nicht erst.

Wie würden Sie die Situation der Medien im Iran vor der Präsidentschaftswahl beschreiben?

Saberi: Die Bedingungen haben sich in den vergangen vier Jahren und insbesondere zu Beginn dieses Jahres sehr verschlechtert. Viele Journalisten wurden verhaftet. Diese Maßnahmen sollen eine Warnung für all diejenigen sein, die über die Wahl oder bestimmte Aspekte der Wahl berichten wollen. Derzeit sitzen mindestens 40 Journalisten im Gefängnis. Viele werden psychisch gefoltert, einige auch körperlich. Manche sitzen lange in Isolationshaft, andere dürfen ihren Anwalt nicht sehen.

Infografik Inhaftierte Journalisten im Iran; Foto: DW
Der Iran als eines der größten Journalistengefängnisse der Welt: Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" wirft westlichen Unternehmen vor, autoritäre Staaten wie die Islamische Republik Iran beim Vorgehen gegen kritische Journalisten zu unterstützen. Sie würden Sicherheitstechnologien liefern, mit denen "unliebsame Webseiten" blockiert oder Journalisten und Blogger ausgespäht werden könnten.

​​Die Situation ist also sehr schwierig. Seit 2009 werden auch verstärkt Zeitungen und Online-Portale zensiert oder gleich ganz verboten. Nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" sind etwa 200 Journalisten aus dem Iran geflohen. Die Botschaft der Regierung an die Journalisten ist also klar: "Seid vorsichtig, wir beobachten euch!"

Mit welchen Methoden erschwert es die Regierung der Bevölkerung, an Informationen zu kommen?

Saberi: Manchmal verringert die Regierung die Geschwindigkeit des Internets. Webseiten oder Emails können dann kaum oder gar nicht geöffnet werden. Twitter, Facebook und Youtube werden zensiert, der Empfang von ausländischen Fernsehsendern wird gestört oder blockiert. Die Regierung benutzt auch Technologien, um Menschen abzuhören. Und natürlich dürfen beispielsweise Filme ohne vorherige Genehmigung des Kulturministeriums weder gedreht noch im Kino gezeigt werden.

Was erwarten Sie von der Präsidentschaftswahl? Glauben Sie, dass sich im Iran wirklich etwas verändern kann, wenn fast alle Macht bei den Mullahs und insbesondere beim religiösen Oberhaupt Ali Khamenei liegt?

Saberi: Khamenei hat bei fast allen politischen Fragen das letzte Wort, das stimmt. Trotzdem glaube ich, dass auch der Präsident eine gewisse Machtposition hat. Ich sage das, weil ich während meiner Zeit im Iran mit Khatami und Ahmadinedschad zwei Präsidenten erlebt habe.

Ich konnte sehen, wie sich viele Dinge verschlechtert haben. Soziale und politische Freiheiten wurden eingeschränkt, mit der Wirtschaft ging es bergab. Ob einer der Kandidaten, die jetzt Präsident werden wollen, große Veränderungen herbeiführen kann, weiß ich nicht. Vielleicht gibt es ja ein paar Verbesserungen.

Zum Beispiel?

Saberi: Ich hoffe, dass es für die Bevölkerung einige kleine Freiheiten geben wird. Natürlich kann ich mir nicht vorstellen, dass nach der Wahl alle politischen Gefangenen freikommen, dennoch ist es möglich, dass sich einige Dinge zum Besseren wenden. Was im Iran passiert, ist nicht vorhersehbar. Im Iran kann man eigentlich nur eine Sache sicher vorhersagen: Nämlich dass nichts vorhersagbar ist.

Bei der letzten Präsidentschaftswahl gab es mit ziemlicher Sicherheit Wahlfälschungen. Tausende Iraner protestierten auf den Straßen. Denken Sie, dass sich so etwas nach der Wahl im Juni wiederholen könnte?

Saberi: Das ist natürlich möglich. Doch die Menschen haben Angst. Sie wissen, was 2009 passiert ist. Einige Iraner sind vielleicht bereit, den Preis für mehr Freiheit zu zahlen, aber sie haben keine Ahnung, was folgen könnte. Sie wissen, was sie nicht wollen, den Status Quo. Viele blicken nach Syrien. Dort sterben Menschen und die internationale Gemeinschaft greift nicht ein. Das, was gerade in Syrien passiert, ist auch eine Botschaft an die Iraner, glaube ich.

Dennoch brodelt es unter der Oberfläche. Für die Iraner ist es in den letzten Jahren so viel schwieriger geworden, sowohl ökonomisch als auch im Hinblick auf persönliche Freiheiten. Wenn die iranische Gesellschaft sich nur ein wenig öffnet, werden sich diese Emotionen vielleicht Bahn brechen.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem Iran und der Situation in Ägypten oder Tunesien vor Beginn des Arabischen Frühlings?

Saberi: Die Iraner sind ja der Überzeugung, dass der Arabische Frühling mit der Grünen Revolution 2009 im Iran begonnen hat Es gibt Gemeinsamkeiten, aber auch einen wesentlichen Unterschied.

Buchcover '100 Tage. Meine Gefangenschaft im Iran' im Eichborn-Verlag
Die dunkle Seite der Macht: In ihrem Buch "Hundert Tage. Meine Gefangenschaft im Iran" schildert Roxana Saberi u.a. mit welcher Rücksichtslosigkeit das Regime in Teheran gegen Dissidenten und kritische Journalisten vorgeht.

​​In Ägypten und Tunesien sind die Regierungen viel abhängiger vom Westen als im Iran. Dessen Hauptverbündete, Russland und China, machen keine Anstalten, Teheran wegen Menschenrechtsverletzungen zu kritisieren. Außerdem gibt es im Iran die mächtigen Revolutionsgarden, die der Regierung treu ergeben sind.

Als Sie in Erbil waren, haben Sie über Iraner berichtet, die in den Irak geflohen sind. Was haben Sie von diesen Menschen erfahren?

Saberi: Sie haben mir erzählt, dass das Leben im Iran immer schwieriger wird. Mieten und Lebensmittel werden immer teurer. Wegen der Inflation beginnen die Iraner, Güter zu horten. Der Wert des Rial nimmt beständig ab. Damit haben vor allem die Menschen Probleme, die mit dem Ausland Geschäfte machen. Trotzdem versuchen die Iraner, das Leben zu genießen. Sie vergnügen sich auf Partys und finden immer noch genügend Gelegenheiten, sich zu amüsieren.

Aber verlassen nicht gerade immer mehr junge, gut ausgebildete Menschen den Iran?

Saberi: Alle Iraner, mit denen ich gesprochen habe, lieben ihr Land. Viele wollen die Situation dort verbessern, aber sie wissen nicht wie. Es ist richtig, dass viele kluge Köpfe weggehen. Die jungen Menschen werden immer desillusionierter. Viele waren zum Zeitpunkt der Revolution noch gar nicht geboren oder haben kaum Erinnerungen daran.

Die Jungen glauben nicht, dass es ihre Revolution war. Durch das Internet oder durch Reisen weiß die junge Elite, was außerhalb des Iran vor sich geht. Diese Menschen sind sich ihrer Rechte bewusst. Auch immer mehr Frauen sind gut ausgebildet, was notwendig ist, damit eine Demokratie funktioniert.

Der Iran steckt mitten in einer Wirtschaftskrise, nicht zuletzt wegen der Sanktionen, die der Westen gegen das Land aufgrund seines umstrittenen Nuklearprogramms verhängt hat. Was halten Sie von diesen Sanktionen?

Saberi: Bis jetzt haben sie das Regime in Teheran jedenfalls nicht dazu gebracht, beim Atomprogramm einzulenken. Ich bin dafür, einen Weg zu finden, der das Regime unter Druck setzt und nicht die Menschen im Iran. Sie treffen die Sanktionen hart.

Wie können wir die Menschen im Iran bei ihrem Kampf für mehr politische Freiheit unterstützen?

Saberi: Ich glaube, dass jeder von uns einen Beitrag leisten kann. Jede Stimme ist wichtig, und wenn man nur eine Petition für die Freilassung eines politischen Häftlings unterzeichnet. Als ich im Iran inhaftiert war, hörte ich, dass 25.000 Menschen eine Online-Petition für meine Feilassung unterschrieben hatten.

Sie wurde an die Vertretung des Iran bei den Vereinten Nationen gesandt. Auf diese Weise werden wir nicht jedem politischen Häftling zur Freiheit verhelfen, aber wir stärken diese Menschen dadurch. Und wir zeigen ihnen, dass sie nicht alleine sind.

Interview: Tobias Köberlein

© Qantara.de 2013

Roxana Saberi wurde 1977 als Tochter eines iranischstämmigen Vaters und einer japanischstämmigen Mutter in den USA geboren. Sie studierte ab 2003 in Teheran und arbeitete dort gleichzeitig als Journalistin. Ihre Erfahrungen in der Haft beschriebt sie in dem Buch "100 Tage. Meine Gefangenschaft im Iran".

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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