Interreligiöser Dialog: Iranische Bischöfe beim Papst

06.02.2018

Bei ihrem turnusmäßigen Treffen mit Papst Franziskus im Vatikan wollten die iranischen Bischöfe die Lage im Land mit besonderem Schwerpunkt auf den interreligiösen Dialog und die Ökumene schildern. Das sagte der chaldäisch-katholische Erzbischof von Teheran, Ramzi Garmou. Zu den aktuellen Demonstrationen im Land sagte er, dies sei nicht verwunderlich. Die Menschen kämpften für ihre Rechte und ein besseres Leben, dies gebe es in anderen Staaten auch. Eine Ursache sei etwa die hohe Arbeitslosigkeit. Er betonte, dass die Mehrheit der Demonstranten friedlich sei.

Dem Papst wollte er berichten, wie es den Christen als Minderheit in einem Staat gehe, in dem "die Religionsfreiheit nicht für alle garantiert ist", so Garmou. Der Iran sei mehrheitlich muslimisch: "Vielleicht wissen Sie, dass man im Islam nicht die Freiheit hat, seine Religion oder Konfession zu wechseln. Dabei gibt es im Iran viele Muslime, die sich entweder bereits zum Christentum bekennen oder vorhaben, dies zu tun. Die Betroffenen jedoch sind ernsthaften Bedrohungen ausgesetzt."

Der Staat ermögliche es zwar, Kirchen zu bauen und Gottesdienste zu feiern, eine Verkündigung gegenüber Muslimen sei jedoch untersagt. Die Kraft einer Kirche hänge jedoch nicht von der Zahl der Gläubigen ab, sondern davon, wie der Glaube bezeugt werde, betonte Garmou.

Von den rund 80 Millionen Einwohnern im Iran sind etwa 98 Prozent muslimischen Glaubens. Die Zahl sämtlicher Gläubigen zusammen beträgt laut Garmou weniger als 60.000. Die meisten Christen im Land gehören ihm zufolge der armenisch-orthodoxen Kirche an (etwa 50.000). Es gebe zudem drei verschiedene katholische Kirchen, die insgesamt etwa 5.000 Gläubige zählten: Die chaldäische Kirche mit zwei Diözesen, in Teheran und Urmia (etwa 4.000 Gläubige), eine lateinisch-katholische Kirche sowie die armenisch-katholische Kirche. Daneben gebe es syrische Christen sowie Nestorianer.

Der Erzbischof von Teheran beschrieb das Verhältnis zu den Muslimen als gut. Er setze auf interreligiösen Dialog. Die Treffen zwischen Delegationen des Iran mit dem Heiligen Stuhl seien auf intellektueller und theologischer Ebene wichtig - könnten aber nicht das Gespräch auf persönlicher Ebene im täglichen Leben ersetzen.

Mit Blick auf einen möglichen Papstbesuch in seiner Heimat sagte der Bischof, die Christen würden sich sehr freuen, aber letztlich hänge eine solche Reise von den politisch Verantwortlichen im Land ab. Voraussetzung sei eine offizielle Einladung der Regierung.

Alle fünf bis sieben Jahre sind die katholischen Bischöfe eines Landes laut Kirchenrecht zu einem sogenannten Ad-limina-Besuch im Vatikan verpflichtet. Dabei sollen die Bischöfe den Papst über die Situation in ihren Diözesen informieren.

Ihren Ursprung haben die Ad-limina-Besuche in der Reise zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus in Rom (lat. "visitatio ad limina apostolorum", Besuch an den Schwellen der Apostelgräber; daraus erwuchs die Kurzformel "ad limina"). Durchschnittlich machen sich jedes Jahr rund 500 Bischöfe auf den Weg in den Vatikan. (KNA)

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