«Ich bin eine Kriegerin»: Immer mehr Frauen in Israels Kampfeinheiten

08.03.2017

Israels Armee gilt als Karrieresprungbrett - auch für weibliche Rekruten. Immer mehr Frauen dienen in Kampfeinheiten. Um den Bedarf zu decken, eröffnet die Armee jetzt ein neues gemischtes Bataillon. Von Sara Lemel

Irit Bibi entspricht äußerlich so gar nicht dem Stereotyp einer harten Kämpferin: Die israelische Soldatin hat lange, kastanienbraune Haare, einen sorgfältig gezogenen Lidstrich und ein warmes Lächeln. Doch die 21-Jährige in olivgrüner Uniform ist Ausbilderin in der Kampfeinheit Karakal, in der Frauen und Männer gemeinsam dienen. «Ich bin eine Kriegerin», sagt die junge Frau selbstbewusst. «So kann ich in der Armee den größten Beitrag leisten.»

Der Internationale Frauentag wird an diesem Mittwoch auch in Israel begangen, einem der wenigen Länder weltweit, in denen es auch für Frauen eine Wehrpflicht gibt. Israels Volksarmee gilt als wichtiges Karrieresprungbrett, und dies zunehmend auch für weibliche Rekruten.

Mit festem Schritt führt Oberfeldwebel Bibi, die ihr Gewehr stets bei sich trägt, Besucher durch das karge Militärlager in der Nähe von Zeelim im Süden Israels. Die Rekruten schlafen auf Eisenbetten in Gemeinschaftszelten, die Büros der Kommandeure liegen in einigen weißen Containern. Am Eingang «grüßt» ein ausrangierter Panzer, dessen Rohr gen Himmel ragt.

Bibi ist eine von vier Schwestern, von denen drei in Kampfeinheiten dienen. Damit liegen sie in Israel voll im Trend: Die Zahl der Soldatinnen, die zum Kampf ausgebildet werden, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

«7 Prozent der Frauen in der israelischen Armee, insgesamt 2.100, sind heute Kämpferinnen», sagt Oberstleutnant Oschrat Bachar, Beraterin des israelischen Generalstabschefs in Fragen der Gleichberechtigung. Im Jahr 2012 seien es noch 2,5 Prozent gewesen. Allgemein beträgt der Wehrdienst für Frauen zwei Jahre, wenn sie in Kampfeinheiten dienen, verlängern sie ihn freiwillig auf zwei Jahre und acht Monate, so wie er für Männer gilt.

Es gibt keine reinen Fraueneinheiten. Kämpferinnen dienen in drei gemischten Einheiten zusammen mit Männern: Karakal (Wüstenluchs), Bardelas (Gepard) und Jordan-Löwen. Bibis Einheit ist an der Grenze zu Ägypten stationiert. Hier drohen Angriffe durch Drogenschmuggler und ägyptische Terrorgruppen. Bereits zweimal haben Soldatinnen der Wüstenluchs-Einheit bei Kämpfen an der Grenze Angreifer getötet.

«Es gibt eine klare Politik in der Armee, immer mehr Einsatzbereiche für Frauen zu öffnen», sagt Bachar. In diesem Monat beginne die Rekrutierung für eine vierte gemischte Einheit für Frauen und Männer.

Bisher seien 85 Prozent aller Tätigkeitsbereiche in der israelischen Armee offen für Frauen. Der Dienst in Elite-Einheiten blieb ihnen allerdings verwehrt. Sie sei aber Optimistin und halte es für gut möglich, dass es in Zukunft auch einen weiblichen Generalstabschef geben könnte, sagt Bachar. «Unser Ziel ist die volle Gleichstellung», erklärt sie. «Aus meiner Sicht gibt es keine Rolle in Kampfeinheiten, die Frauen nicht erfüllen können.»

Doch nicht alles ist rosig. Jedes Jahr beschweren sich hunderte Soldatinnen über sexuelle Übergriffe in der Armee, und auch diese Zahl ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Für große Empörung sorgte im vergangenen Jahr der Fall eines ranghohen Kommandeurs, der wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zweier weiblicher Untergebener angeklagt war. Letztlich wurde im Rahmen eines Deals der Vergewaltigungsvorwurf fallengelassen.

Laut einer neuen Umfrage der Women's International Zionist Organisation (Wizo) ist eine Mehrheit von 60 Prozent der Israelis dafür, dass Frauen in Kampfeinheiten dienen. Jeder vierte (25 Prozent) ist dagegen, wie die Nachrichtenseite «Walla» berichtete. Etwa die Hälfte der Gegner von Kampfeinsätzen für Frauen begründeten dies damit, Frauen seien körperlich nicht dazu in der Lage und der Einsatz könne ihnen physisch schaden.

Bibi ärgert sich über solche Einwände und findet sie ignorant. «Wir tragen genauso schwere Lasten wie die Jungs in unserer Einheit», sagt die junge Frau. «Bei Trainingseinsätzen schleppen die Kämpferinnen auch rund 20 Kilo schwere Rucksäcke mit Ausrüstung und Proviant», sagt sie. Auch sie habe manchmal Krisen, gesteht Bibi ein. Im besonders harten Training sei sie schon ein paarmal in Tränen ausgebrochen. «Das passiert allen, so ist es eben in der Armee», sagt sie mit einem Achselzucken. «Und ich hasse es wirklich, vor anderen Leuten zu heulen.» (dpa)

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