Ibrahim Mazari zu: Hamed Abdel-Samads Buch "Mohamed: Eine Abrechnung"

Hallo, ich finde die Rezension von Stefan Weidner sehr treffend. Ich habe das Buch von Abdel-Samad gelesen und mich gefragt, warum er sich derart die Mühe macht, mit Küchenpsychologie ein Psychogramm zu zeichnen, statt in alter Feuerbachscher Manier Religionskritik dahingehend zu üben, dass er sagt: Religionen sind Fantasiegebilde und gehören nicht ins 21. Jahrhundert. Aber dazu hat er nicht wirklich den Mut, er weicht bei Interviews seltsamerweise dieser Frage immer aus. Stattdessen will er sich innerhalb eines religiösen Systems bewegen, das einfach zu vielschichtig und zu komplex ist. Es ist eben mitnichten so, dass die Muslime die Verehrung des Propheten als "historisch fundierte" Person praktizieren, sondern eher idealtypisch. Und wenn Abdel-Samad sagt, dass der Sufismus nicht wirklich teil des Islams sei, dann mißachtet er Jahrhunderte alte , teilweise sehr wirkmächtige Traditionen, die genauso islamische Kulturen geprägt haben wie die relativ spät entstandenen "modernen" Fundamentalismen eines Abdel Wahab oder der Muslim-Bruderschaft.
Wenn Abdel-Samad eine Reform möchte, müsste er sich eben doch mit reformorientierten Sichtweisen auseinander setzen. Stattdessen wählt er die moderne stark wahabistisch geprägte Lesart. Den idealen Islam gab es nämlich zu keinen Zeiten. Und die Parallelen zum Faschismus sind sehr unglücklich und unwissenschaftlich. Ein absolut überflüssiges Buch, da widme ich meine Zeit lieber mit der Lektüre von Richard Dawkins "Der Gotteswahn".
Schönen Tag noch!
Ibrahim Mazari

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