Helmut M. Oberl zum Kommentar „Das verklärte Erbe des Kemalismus“ von Tayfun Guttstadt

Herr Guttstadt hat sicher Recht, ein differenziertes Bild zu fordern und zu beschreiben. Leider kommt es einem vor, als würde die Politik Erdogans mit den Fehlern bei der Neugründung der Türkei durch Atatürk entschuldigt.

Die Nationalisten, deren Forderungen der arme Herr Erdogan mit dem Krieg gegen die Kurden quasi folgen musste, waren jedenfalls aktuell nicht die Kemalisten. Es gab keinen Zwang für Erdogan, demokratische Freiheiten oder Errungenschaften abzuschaffen - außer dem stringent verfolgten eigenen Ziel der absoluten Herrschaft. In wieweit sich das mit den Zielen der AKP deckt, wird die Zeit zeigen.

Mit heutigen Erfahrungen und heutigem Wissen das Handeln Atatürks zu bewerten, muss aber fehlschlagen. Da geht Herr Guttstadt systematisch in die Irre. In vielen einzelnen Hinweisen hat er zweifellos Recht. Abgesehen davon ist es stets fragwürdig, wenn Menschen zu "Säulenheiligen" erhoben werden.

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