Adel Imam; Foto: AP
Haftstrafe für ägyptischen Schauspieler Adel Imam

Schluss mit lustig

Die Verurteilung des berühmten ägyptischen Komikers und Schauspielers Adel Imam wegen angeblicher Beleidigung des Islam in einem seiner Filme wirft ein Schlaglicht auf die neue Machtdemonstration muslimischer Hardliner und die zunehmende Bedrohung der Meinungsfreiheit am Nil. Einzelheiten von Amira El Ahl aus Kairo

Millionen von Menschen kennen das Gesicht von Adel Imam, dem wohl größten Star der arabischen Welt. Er hat ein Knautschgesicht, anders kann man das wohl nicht sagen. Dieses Gesicht kann fast alles, todtraurig, skeptisch, erstaunt und melancholisch sein und manchmal alles in einem. Wie Knetmasse lässt es sich beliebig zu den seltsamsten Grimassen formen und seinen Besitzer hat es damit weit gebracht.

Seit über 40 Jahren bringt Adel Imam die Menschen in Ägypten mit seinem komödiantischen Talent und seinem meist närrischem Humor zum Lachen. Er hat in dutzenden Filmen und Theaterstücken gespielt und wird oft als Charlie Chaplin der arabischen Welt bezeichnet. Er ist eine Ikone.

Am Pranger der Extremisten

Filmplakat mit Adel Imam: Al-Irhabi, Der Terrorist, aus dem Jahre 1994
Islamistischen Eiferern ein Dorn im Auge: Adel Imams Film "Al-Irhabi" (Der Terrorist) aus dem Jahre 1994

​​Umso schockierter reagierte die Filmwelt, als Adel Imam im Februar von einem Gericht in Kairo zu drei Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 1.000 Pfund, umgerechnet etwa 125 Euro, verurteilt wurde. Ein Anwalt aus Alexandria, der den ultra-konservativen Salafisten nahe steht, hatte Imam wegen Verunglimpfung des Islams angezeigt.

Ansar Mansour wirft Adel Imam Gotteslästerung vor. Er soll den Islam und seine Symbole – unter anderem den Bart, den konservative Muslime tragen sowie den Jilbab, ein langes Gewand – in Filmen wie "Al-Irhab wal-Kabab" (Terrorismus und Kebab) und "Al-Irhabi" (Der Terrorist) lächerlich gemacht haben.

Die Filme stammen aus den frühen 1990er Jahren, und obwohl sie damals schon kontrovers diskutiert wurden, sind sich die meisten Beobachter des Falles darin einig, dass es bei der Anklage in erster Linie nicht wie behauptet um die beanstandete Blasphemie auf der Leinwand geht, sondern vielmehr um eine Machtdemonstration der geänderten Verhältnisse im Land.

"Persönlich bin ich kaum überrascht", sagt der Menschenrechtsanwalt Gamal Eid, der dem Verteidigungsteam von Adel Imam angehört. "Unsere Gesellschaft hat schon immer einen signifikanten Teil von Konservativen gehabt: In der momentanen Situation wittern sie ihre Chance und wissen sie dann auch zu nutzen."

Rechtlich gesehen sei er jedoch geschockt, dass der Fall so weit gekommen sei, insbesondere weil die Anklage überhaupt keine rechtliche Basis habe. "Die Filme sind alle über zehn Jahre alt, warum hat es so lange gedauert, sich über sie zu beschweren?"

Zudem sei es rechtlich nicht zulässig, eine Einzelperson für Aussagen vor Gericht zu stellen, die im Kontext eines fiktionalen Films gemacht worden seien.

Bahey El-Din Hassan, Foto: DW
Anlass zur Sorge: Bahey El-Din Hassan, Direktor des <em>Cairo Institute for Human Rights Studies</em>, sagte, das Urteil sei möglicherweise der Beginn einer Serie von religiös motivierten Anklagen gegen Künstler und Intellektuelle.

​​Trotzdem: Der Einspruch des Verteidigungsteams wurde Ende April abgelehnt. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt, ein endgültiges Urteil wird im kommenden Juni erwartet.

Gefahren für die Meinungs- und Pressefreiheit

Doch das Urteil schürt schon jetzt bei Intellektuellen und Künstlern die Sorge vor einer stärkeren Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit. Bahey El-Din Hassan, Direktor des Cairo Institute for Human Rights Studies, sagte, das Urteil sei möglicherweise der Beginn einer Serie von religiös motivierten Anklagen gegen Künstler und Intellektuelle.

Er fordert eine neue Gesetzgebung, die Künstler und Intellektuelle vor solchen Anklagen schützt, räumt aber gleichzeitig ein, dass es unwahrscheinlich ist, dass sich seine Forderungen in naher Zukunft umsetzen lassen werden. Denn die Verurteilung Adel Imams und die religiöse Motivation in diesem Fall entspricht ganz der Mentalität der Mehrheit des Parlaments, das seit November von Islamisten dominiert wird.

Tatsächlich ist das Urteil gegen Imam nicht der einzige Vorfall in den vergangenen zwölf Monaten, der zeigt, wie stark der Einfluss der Islamisten in Ägypten mittlerweile wirklich ist.

Im Juni vergangenen Jahres wurde der koptische Telekom-Tycoon Naguib Sawiris wegen Missachtung der Religion angeklagt, weil er auf seinem Twitter-Account ein Bild von Mickey Mouse mit Bart und Minnie Mouse mit Gesichtsschleier veröffentlicht hatte.

Der Geschäftsmann wurde heftig für dieses Bild kritisiert, tausende Kunden verließen unter Protest das Mobilfunknetz von Naguib Sawiris. Die Klage wurde jedoch später vom Gericht abgewiesen.

Machtdemonstration der Islamisten

In den vergangenen Monaten wurden zudem drei Film- und Fernsehproduktionen eingestellt, weil sie angeblich gegen die Scharia verstoßen haben sollen. Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten soll dem Filmemacher Ahmed Abdalla, der mit Filmen wie "Heliopolis" und "Microphone" bekannt geworden ist, keine Erlaubnis erteilt haben, für eine Szene seines neuesten Films in einer Moschee zu filmen, weil das gegen die Scharia verstoßen würde.

Dabei habe das Ministerium überhaupt nicht zu entscheiden, ob in einer Moschee gefilmt werden dürfe oder nicht, sagt der Filmemacher. Die Erlaubnis erfolge traditionell vom Innenministerium oder der Azhar, der höchsten Institution des sunnitischen Islam. "Unser Film ist weder anstößig, noch findet sich darin irgendeine Art von anti-religiöser Aussage."

Ahmed Abdalla; Foto: DW
Willkürliche Entscheidung: Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten soll dem Filmemacher Ahmed Abdalla keine Erlaubnis erteilt haben, für eine Szene seines neuesten Films in einer Moschee zu filmen, weil das gegen die Scharia verstoßen würde.

​​Abdalla wies die Behörde auch darauf hin, dass Moscheen ein integraler Teil der ägyptischen Kultur seien und Teil des kulturellen Erbes, das über Religion hinausgehe. Auch das Argument, dass viele herausragende ägyptische Filme Szenen in Moscheen gedreht hätten, überzeugte die Beamten nicht. Dies sei vor der Revolution gewesen, wurde Ahmed Abdalla erklärt, nun sei alles anders.

Auch die Produktion der Fernsehserie "Zaat" nach dem gleichnamigen Buch von Sonallah Ibrahim wurde Ziel der Islamisten. Am ersten Drehtag im Februar war die Crew an der Ain Shams Universität zu Gast, um dort eine Szene aus den 1970er Jahren zu drehen. Etwa 300 Statisten seien dabei gewesen, erinnert sich die Schauspielerin Leila Sami. "Und sie alle trugen diese bunten 70er Jahre Klamotten und die Frauen kurze Röcke, so wie das damals in Ägypten der Fall war."

Der Kampf deines Lebens

Die Produktionsfirma hatte die Erlaubnis bekommen, für ihren historischen Film an der Uni zu drehen, doch als der Dreh beginnen sollte wurden sie von Mitgliedern der Studentenunion dazu aufgefordert, das Gelände zu verlassen, da die Schauspielerinnen unanständig gekleidet seien. "Sie drohten dem Produzenten, das Gelände sofort zu verlassen, sonst würden eine Menge Leute von außerhalb kommen die wüssten, wie sie uns vom Gelände entfernen könnten", erinnert sich Leila Sami.

Bis heute wurden die Szenen nicht gedreht. "Die Islamisten fühlen sich mächtig, jetzt nachdem sie zu zwei Dritteln im Parlament sitzen", sagt Leila Sami. Deshalb käme es immer öfter zu solchen offenen Machtdemonstrationen, um die Gesellschaft nach ihren moralischen Vorstellungen zu formen.

Trotzdem sei sie nicht besorgt, sagt Leila Sami. Gute Kunst entstehe durch Widerstand, und der jetzige Zustand helfe den Menschen, sich zu widersetzen und für ihre Rechte zu kämpfen. "Dies ist der Kampf deines Lebens", sagt Leila Sami.

Die Ägypter sind bekannt für ihren Humor und ihre oft beißende Satire. Sie lachen gerne und lieben Figuren wie die von Adel Imam, der bis heute Millionen in die Kinos und Theater lockt. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Ägypter ihren Spaß auf Dauer von Fundamentalisten verderben lassen werden.

Amira El Ahl

© Qantara.de 2012

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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