Günter Schenk zu: Interview mit dem israelischen Historiker Tom Segev

Was Tom Segev nicht erwähnt, aber einer Nachfrage würdig gewesen wäre: die Trennung, bis hin zur Feindschaft in Jerusalem ist eine direkte Folge des Zionismus und der unilateral von Ben Gurion beschlossenen Staatsgründung, der sich von Beginn an über den UN-Teilungsplan - mit dem internationalen Sonderstatus für Gesamtjerusalem - hinwegsetzte.

Wer Berichte aus der Zeit davor, auch vor der britischen Mandatszeit, beachtet, kann erkennen, dass der Jishuv und die sowohl christliche wie moslemische Bevölkerung gerade in Jerusalem ohne größere Probleme zusammen lebten.

Querelen gab es eher zwischen den diversen christlichen Denominationen, wenn es um z.B. Grundbesitz ging, nicht aber mit dem Jishuv. Kein Wunder, denn der JNF übte seine spannungsfördernen Landkauf-Aktionen eher in der fruchtbaren Ebene aus, nicht aber in Jerusalem.

Es ist eine Besonderheit, gerade auch bei den s.g. progressiven Zionisten (zu denen der Historiker Segev zweifellos gehört), die zionistische Ideologie grundsätzlich und geflissentlich zu übersehen. Ohne aber diese verstanden zu haben, ist jede Beurteilung der aktuellen Lage "kopflos". Das gilt zwar auch im Fall aktueller Berichterstattung, von einem Historiker ist es aber zu erwarten.

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