Massive Scar Era während eines Konzerts in Ägypten; Foto: © Mascara
Die ägyptische Frauen-Metal Band ''Mascara''

Raue Klänge gegen Stereotype und Klischees

Massive Scar Era, kurz: "Mascara" genannt, ist die erste erfolgreiche ägyptische Heavy-Metal Band, die fast nur aus jungen Frauen besteht. Im Interview mit Kristin Jankowski sprechen sie über gute Musik, gesellschaftliche Vorurteile und ihren Traum, bald auch in Deutschland auftreten zu können.

Heavy Metal kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal haben die Songs einfache Strukturen, es wird geschrien und geflucht. Es kann allerdings auch sein, dass die Melodie ausgefeilt, der Gesang beinahe opernartig ist und berührende Liebeslieder gesungen werden. Wie beschreibt Ihr Euren Stil?

Mascara: Unsere Musik ist eine Mischung aus Heavy Metal, westlichen Klängen und natürlich unseren orientalischen Wurzeln, wobei wir Schimpfwörter oder satanistisches Gedankengut vermeiden. Und nicht zu vergessen ist, dass die Violine immer einen Hauch klassischer Musik hinzufügt. In unseren Songs sprechen wir über alles, was uns berüht: Das reicht von emotionalem Durcheinander, Drogensucht, Missverständnissen, Vorurteilen und allem, was uns gerade bewegt.

Musik ist auch immer eine Form des persönlichen Ausdrucks. Inwiefern könnt Ihr Euch mit Eurer Musik ausleben?

Mascara: Wir denken sogar, dass uns nur Musik die Möglichkeit bietet, uns wirklich ausdrücken zu können. Wenn wir richtig wütend, traurig oder glücklich sind – dann schreiben wir Musik.

Alice Cooper, Led Zepplin und Black Sabbath zählen zu den Vätern des Heavy Metal. Wer sind Eure großen Vorbilder?

Mascara: Da wir unterschiedliche Musikvorlieben haben, werden wir als Band auch von sehr vielen verschiedenen Musikern beeinflusst. Aber wir sind uns alle darüber einig, dass "Killswitch Engage" eine unglaublich beeindruckende Band ist. Wir lieben alles an ihrer Musik.

Oft geht es in den Songtexten von Heavy Metal um Gewalt, Hass, Wut und Provokation. Worüber singt Ihr ?

Mascara: Zu unserem Songrepertoire gehören Lieder, in denen wir über Krieg und Drogen sprechen und wie diese Dinge unsere Welt negativ beeinflussen. Wir singen aber auch über Frauenthemen, so wie emotionale Unsicherheiten, oder wie wir uns fühlen, wenn wir auf den Straßen belästigt werden.

In der Heavy Metal Szene spielt Kleidung eine wichtige Rolle. Auch für Euch?

Mascara: Nein! Wenn man uns auf der Bühne sieht, würde man niemals denken, dass wir Heavy Metal spielen. Wir sind ganz normale Leute, wir

Logo der Band
Die Newcomer der Metal-Band Massive Scar Era, Sherine Amr (Gesang und Gitarre), Nancy Mounir (Violine), Perry Moataz (Bass) und Magued Falyas (Schlagzeug) haben bereits auf dem "Cornerstone Festival" in den USA im Jahr 2010 und auf dem "Sweden Rock Festival" 2009 gespielt.

​​sehen ganz normal aus, auch wenn jede von uns ihren eigenen Stil besitzt. Aber wir fallen unter anderen Menschen nicht auf.

Ihr zählt zu den ersten Heavy Metal Bands in Ägypten, die fast ausschließlich aus Frauen bestehen. Mit welchen Vorurteilen müsst Ihr kämpfen ?

Mascara: Zuerst waren da unsere Eltern, die bis heute das Ganze für eine merkwürdige Szene mit sonderbaren Leuten halten (wobei sie da übrigens nicht ganz Unrecht haben). Die Leute haben einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass wir z.B. keine Drogen nehmen und in einigen Dingen recht konservativ sind. Denn die ganze Metal-Szene wird ja automatisch mit Drogen und Alkohol assoziiert. Und auch als Band mussten wir mit Vorurteilen kämpfen. Wir mussten erst auf zwei internationalen Festivals spielen, in Schweden und in den Vereinigten Staaten, um den Menschen zu zeigen, dass wir originell sind – und ja, Musik spielen können!

Ihr seid schon seit vielen Jahren in der ägyptischen Rock-Musik-Szene bekannt. Was macht diese Kultur so besonders?

Mascara: Rock-Kultur definiert sich überall über die jeweilige Einstellung. Sie ist laut, man muss ihr zuhören. Sie ist "heavy", sie rockt, sie sucht Aufmerksamkeit.

Mit welcher Band würdet Ihr gerne einmal gemeinsam auf der Bühne stehen?

Mascara: Im Grunde genommen haben wir schon mit allen ägyptischen Bands, die wir mögen, zusammen gespielt. Aber wir denken derzeit darüber nach, mit der Electro-Band "Neyobird" gemeinsam aufzutreten. Ihr Komponist und Keyboardspieler Wael könnte alle Lieder mit uns einspielen, das würde uns bestimmt einen neuen Klang verleihen.

Was plant Ihr für die Zukunft?

Mascara: Wir wollen in Deutschland spielen. Wir haben schon so viele Interviews in deutschen Magazinen gegeben und es scheint, als ob die Leute dort unsere Musik mögen. Und auch beim "Sweden Rock Festival" erhielten wir gute Kritiken aus Deutschland. Und natürlich wollen wir auch unser Album produzieren, doch dafür brauchen wir erstmal mehr Geld.

Wie lautet Eure Botschaft an junge Ägypterinnen, die auch gerne mit Heavy Metal erfolgreich werden wollen?

Mascara: Wir raten ihnen, wirklich intensiv zu üben und zu Workshops von Fathy Salama zu gehen. Wir wissen, dass sie nichts mit Metal zu tun haben, aber musikalische Grundlagen helfen beim Komponieren und beim Spielen. Und: Vermeidet männliche Lehrer, es sei denn Ihr nehmt Unterricht an einem offiziellen Institut. Das Internet ist voll mit freiem Lehrmaterial. Menschen, ganz besonders männliche, haben oft eine sehr falsche Wahrnehmung von weiblichen Metalheads und neigen dazu, sie zu stereotypisieren.

Interview: Kristin Jankowski

© Li-lak/Goethe.de 2011

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Leserkommentare zum Artikel: Raue Klänge gegen Stereotype und Klischees

Endlich eine weitere Frauenband, von sehr wenigen, die die Musik im Vordergrund und sich selbst im Hintergrund hat! Die Pop-Girlies stinken mir gewaltig.

Silvija Kabashi14.08.2011 | 13:50 Uhr