Der aschgraue Sven Lau - Salafistenführer vor Verurteilung

24.07.2017

Sven Lau alias «Abu Adam» muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. Sie würde den prominenten Islamistenführer aus Mönchengladbach für geraume Zeit aus dem Verkehr ziehen. Dem macht das Gefängnis mächtig zu schaffen. Von Frank Christiansen

«Klar wie Kloßbrühe» - sogar sein Verteidiger erwartet, dass Islamistenführer Sven Lau (36) am Mittwoch verurteilt wird. Trotzdem hat Rechtsanwalt Mutlu Günal einen Freispruch beantragt. Es scheint, als habe er das Verfahren in Saal 2 des Hochsicherheitstrakts des Düsseldorfer Oberlandesgerichts bereits abgehakt. Seine Hoffnungen ruhen demnach auf der Revision beim Bundesgerichtshof.

«Im Zweifel soll es bitte Herr Lau gewesen sein - der Staatsfeind Nr.1», stichelt Günal. In der Tat hat der Vorsitzende Richter Frank Schreiber mit seinem Senat bislang nicht den Eindruck erweckt, als hätte ihn das Wirken der Verteidigung sonderlich beeindruckt, zumindest nicht positiv.

Das könnte schon eher durch den Auftritt Laus am vergangenen Mittwoch geschehen sein. Da heulte der Islamistenführer bei seinem Schlusswort plötzlich Rotz und Wasser, so dass seine Anhänger auf den Zuschauerbänken gar nicht wussten, wo sie hinschauen sollten.

Dass die 19 Monate Untersuchungshaft an dem Ex-Feuerwehrmann nicht spurlos vorübergegangen sind, war schon seit Wochen deutlich sichtbar. Statt hochgerecktem Daumen und siegessicherem Lächeln war aus Lau anscheinend alle Kraft gewichen. Aschfahl saß er an seinem Platz auf der Anklagebank und wirkte vor allem müde.

Dabei hatte sein Verteidiger auf der Zielgeraden des Verfahrens mehrere Achtungserfolge errungen. Er zwang den Senat mit Hilfsbeweisanträgen in die Beweisaufnahme zurück und konnte dann belegen, dass einer der Glaubensbrüder, die Lau zum Dschihad nach Syrien gelotst haben soll, gar nicht in dem Flugzeug saß, in dem ihn die Ermittler immer vermutet hatten.

Am Ende dürfte dem Senat aber wohl egal sein, an welchem Tag sich Laus islamistischer Weggefährte nach Syrien abgesetzt hat. Die Bundesanwaltschaft hat sechseinhalb Jahre Haft gegen Lau beantragt. Der habe die islamistische Terrorgruppe Jamwa unterstützt: mit Personal, Geld und Nachtsichtgeräten.

Dafür habe er Hilfskonvois des islamistischen Vereins «Helfen in Not» als Tarnung benutzt. Das habe die Beweisaufnahme «eindrucksvoll bestätigt» und die vom Verteidiger erzwungene Verlängerung habe daran nicht rütteln können, sagt Staatsanwalt Malte Merz. «Er hat den Dschihad von Deutschland aus unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe unterstützt.»

Lau habe die Kampfgruppe um den späteren IS-Kommandanten Konrad S. selbst drei Mal in Syrien besucht. Ein Foto zeigt ihn mit Kalaschnikow auf einem Panzer.

Auch Mitschnitte einiger Reden von Lau lassen ihn nicht als den besonnenen Islam-Prediger erscheinen, als der er sich gerne gibt, unschuldig an der Radikalisierung seiner salafistischen Anhänger: «Diese Drecksschiiten müssen langsam geköpft werden.» Und: «Gelobt sei Allah für den Tag des Dschihads.» 

Bislang hat Lau den Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen können. Weder in Mönchengladbach, wo er seinen Verein «Einladung zum Paradies» angesiedelt hatte, noch in Wuppertal nach dem Auftritt der Scharia-Polizei kam es trotz Ermittlungen zu seiner Verurteilung.

«Sechseinhalb Jahre», schimpfte einer seiner Anhänger über die Strafforderung der Bundesanwaltschaft. «Soviel bekommt man ja sonst nicht, wenn man jemanden getötet hat.» (dpa)

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